Verbundstandorte: Fokus auf Bioökonomie und Recycling
Innovationsstudie: Wie die deutsche Chemie bis zu 90.000 neue Arbeitsplätze und mehr Wertschöpfung schafft.
Autorin: Daniela Pufky-Heinrich, Center for Economics and Management of Technologies CEM, Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS

Die Chemieindustrie in Europa steht vor tiefgreifenden Herausforderungen. Insbesondere der wachsende Importdruck aus Ländern wie China sowie neue Investitionen in Regionen wie Indien können das aktuelle Beschäftigungs- und Wertschöpfungsniveau in der konventionellen Basischemie langfristig gefährden. Auch der Blick nach Deutschland bereitet Sorgen. Nachrichten über Standortschließungen und massiven Stellenabbau verdeutlichen: Das aktuelle Geschäftsmodell auf Basis fossiler Rohstoff- und Energieimporte ist stark vom strukturellen Wandel betroffen.
Vor diesem Hintergrund wird die Erschließung neuer Märkte, insbesondere für grüne Basischemikalien, zu einem zentralen Erfolgsfaktor. Dies gilt vor allem für den Chemiestandort Mitteldeutschland mit seinen historisch gewachsenen Chemieparks in Leuna, Böhlen, Schkopau und Bitterfeld.
Die aktuelle Studie „Innovationen für morgen: Chancen für eine klimaneutrale Chemieindustrie“, die vom Fraunhofer IKTS und Carbon Minds im Auftrag von Agora Industrie erstellt wurde, analysiert mögliche Pfade hin zu einer klimaneutralen Chemieindustrie aus ökologischer, ökonomischer und sozialer Perspektive. Dabei wurden verschiedene Ressourcenpfade, in denen fossile Rohstoffe durch heimische erneuerbare Ressourcen wie Biomasse, recycelbare Kunststoffe, Strom und Wasserstoff substituiert werden, untersucht. Eine modellgestützte Analyse verdeutlicht das Potenzial dieser Transformationspfade. Demnach könnten durch die nachhaltige Herstellung der wichtigsten Basischemikalien – Ethylen, Propylen, C4-Olefine, Benzol, Toluol, Xylol, Methanol, Chlor, Natronlauge und Ammoniak – bis 2045 bis zu 90.000 neue Arbeitsplätze und eine zusätzliche Wertschöpfung von etwa 10 Mrd. EUR in Deutschland generiert werden. Voraussetzung ist die Nutzung heimischer Rohstoffe sowie der Aufbau von Wertschöpfungsketten in Bioökonomie und Abfallwirtschaft, wodurch neue Produkte und Geschäftsfelder entstehen.
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