CHEMonitor 1-2026 – Strukturwandel aktiv gestalten
Eigenverantwortung und Reformen – so gelingt der Strukturwandel in der Chemie- und Pharmaindustrie.
Andrea Gruß, CHEManager

Die Stimmung unter deutschen Chemie- und Pharmamanagern bleibt getrübt. Bei der aktuellen CHEMonitor-Befragung vom März 2026 bewerteten nur vier von zehn Entscheidern den Standort Deutschland positiv. Der Strukturwandel hat die Branche in der Breite erfasst: Mehr als die Hälfte der Unternehmen hat bereits überdurchschnittliche Anpassungen vorgenommen – strategisch wie operativ. Eine Trendwende ist nicht in Sicht und dennoch überwiegt die Zuversicht: 87 % der Manager sagen, ihr Unternehmen habe es maßgeblich selbst in der Hand, seine Zukunftsfähigkeit am Standort Deutschland zu sichern.
„2026 wird voraussichtlich ein weiteres Übergangsjahr, in dem unsere Industrie mit deutlichem Gegenwind rechnen muss“, sagte Markus Kamieth, BASF-Vorstandsvorsitzender, am 27. Februar 2026 anlässlich der Veröffentlichung der Jahresbilanz. „Aus heutiger Sicht rechnen wir kurzfristig weder mit einer nennenswerten Markterholung noch mit einer deutlichen Entspannung der geopolitischen Lage“, so Kamieth. Nur einen Tag später eskalierten die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten.
Genau in diesen Zeitraum fiel die aktuelle CHEMonitor-Befragung zum Strukturwandel in der Chemie- und Pharmaindustrie. Für das gemeinsame Trendbarometer von CHEManager und der Strategie- und Organisationsberatung Santiago Advisors wurden Entscheider der deutschen Chemie- und Pharmabranche von Januar bis März 2026 befragt.
„Zukunftsfähigkeit entsteht nicht durch Optimierung allein, sondern durch strukturelle Weiterentwicklung.“
Die Ergebnisse spiegeln eine Branche im Übergang. Zwar hellen sich die Geschäftserwartungen leicht auf und Umsatz- und Ergebnisprognosen verbessern sich: 54 % der Entscheider erwarten steigende Umsätze in den kommenden zwölf Monaten (Okt. 2025: 42 %) und 55 % rechnen mit einem verbesserten Ergebnis (Okt. 2025: 40 %). Gleichzeitig verharrt die Gesamtbewertung des Wirtschaftsstandorts Deutschland bereits seit dem Jahr 2023 auf einem historisch niedrigen Niveau – ohne erkennbare Trendwende. Aktuell bewerten nur 37 % der Manager den Standort Deutschland positiv. Vor Corona traf dies noch auf über drei Viertel aller Umfrageteilnehmer zu. Strukturelle Schwächen sehen die Befragten vor allem bei Energiekosten, Arbeitskosten, Unternehmensbesteuerung und Digitalisierung. Bei diesen Standortfaktoren überwiegen die negativen die positiven Einschätzungen (Grafik 1).
„Die Bewertung des Standorts hat sich in der Umfrage auf niedrigem Niveau stabilisiert. Doch die Herausforderungen bleiben: globale Überkapazitäten und widrige Standortbedingungen, jüngst ergänzt durch geopolitische Risiken. Es geht darum, Standorte, Strukturen und Wertschöpfungsketten neu auszurichten. Die Branche kämpft um ihren Heimatstandort – der Fokus liegt dabei auf massiven Kostensenkungen und niedrigeren Investitionen“, kommentiert Hermann Schiegg, Partner und Experte für die Chemiebranche bei Santiago Advisors und Mit-Autor des CHEMonitor-Trendbarometers die Ergebnisse der Umfrage.

In den bisherigen CHEMonitor-Befragungen wurden wechselnde und wiederkehrende Schwerpunktthemen analysiert. Einen Überblick über alle bisherigen Befragungen erhalten Sie im CHEMonitor-Archiv.
Weiterlesen mit Login
Noch nicht registriert?
Registrieren Sie sich jetzt kostenfrei und Sie erhalten vollen Zugriff auf alle exklusiven Beiträge. Mit unserem Newsletter senden wir Ihnen Top-Meldungen aus der Chemie-, Pharmaindustrie. Außerdem erhalten Sie regelmässig Zugriff auf die aktuellen E-Paper und PDFs von CHEManager.
RegistrierenAnbieter
Santiago AdvisorsJagdschlößchen Anrath
47877 Willich
Deutschland
Meist gelesen

Radikaler Schnitt für gesundes Wachstum – CHT stellt sich neu auf
Die CHT Group gehört zu den Hidden Champions der deutschen Spezialchemie.

Vorsprung durch Forschung
Wacker baut seine Forschungsaktivitäten aus. Der Münchner Chemiekonzern hat einen zweistelligen Millionenbetrag in ein neues Biotechnology Center in der bayerischen Landeshauptstadt investiert.

Verluste, die keiner sieht
In CCUS-Projekten der chemischen Industrie wird die präzise CO₂-Messung zur Schlüsseltechnologie - Coriolis-Systeme spielen dabei eine zentrale Rolle.

Schlüsselrohstoff für Industrie und Gesellschaft
Hochreines Salz besitzt für Europa strategische Bedeutung – doch der Markt ist konzentriert.

Chemiekonjunktur – China auf der Überholspur
Im Jahr 2024 stieg der Anteil Chinas an den globalen Chemieinvestitionen auf rund 45 %. Doch die goldenen Jahre des chinesischen Wirtschaftswunders sind vorbei.






