Chemiehandel: Risikomanager in volatilen Märkten
Durch Lieferunsicherheit und Kostendruck ist Anpassungsfähigkeit gefragt.
Birgit Megges, CHEManager

Der Verband Chemiehandel (VCH) hat kürzlich berichtet, dass die Chemiehandelsbranche in einem schwierigen wirtschaftlichen und geopolitischen Umfeld als „Stabilitätsanker“ dazu beiträgt, Angebot und Nachfrage auszugleichen und die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten (vgl. CHEManager 4/2026, Seite 5). Strukturelle Veränderungen im Welthandel – etwa durch zunehmende regionale Ausrichtung von Märkten sowie handelspolitische Maßnahmen mit protektionistischen Tendenzen – führen zu einer steigenden Komplexität im Import- und Exportgeschäft. Birgit Megges sprach mit dem Verbandsvorstand über aktuelle Herausforderungen und die Chancen, die sich trotz aller Hindernisse für die Chemiedistribution ergeben. Am Gespräch teilgenommen haben Christian Westphal, VCH-Präsident, Robert Späth, stv. Präsident und Schatzmeister, Thomas Dassler, Vorsitzender der Fachabteilung Binnenhandel, Bastian Geiss, Vorsitzender der Fachabteilung Chemiehandel und Kreislaufwirtschaft, die Vorstandsmitglieder Carola Biesterfeld, Christopher Erbslöh und Thorsten Harke und das geschäftsführende Vorstandsmitglied Ralph Alberti.
Die deutsche Chemiedistribution steht aktuell vor erheblichen Herausforderungen, die sich vor allem aus einer angespannten wirtschaftlichen Gesamtlage ergeben. „Wir reden hier von einem Downcycle, der im Grunde seit dem zweiten Halbjahr 2022 anhält“, betonte Christian Westphal. „Das heißt für uns als Branche, dass wir natürlich betroffen sind und uns in diesen unsicheren wirtschaftlichen Zeiten behaupten müssen – und das teilweise anders. Wir müssen innovative Lösungen finden, um das Geschäft weiter wachsen zu lassen.“
Die aktuelle geopolitische Lage, insbesondere die Situation im Nahen Osten, wirkt sich direkt auf Transportwege und die Versorgung mit Rohstoffen aus. Die eingeschränkte Verfügbarkeit von Containerschiffen, Exportverbote in Asien sowie die Schließung wichtiger Pipelines wie der Druschba-Leitung verschärfen die Warenknappheit und verleihen der Lage eine neue Krisenqualität. „Besonders bei den Naphtha-Vorprodukten aus Asien könnte es zu einer extremen Verknappung kommen, was erhebliche Auswirkungen auf die europäische Chemieindustrie haben würde“, sagte Carola Biesterfeld. „Das heißt, dass unsere europäische Chemieindustrie energiepolitisch und strukturpolitisch Rückendeckung von der Politik bekommen muss – und zwar sehr schnell, sowohl aus Europa als auch länderspezifisch“, so Biesterfeld weiter.
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