Chemiehandel: Stabilitätsanker in herausforderndem Umfeld
Laut Verband Chemiehandel (VCH) sieht sich der deutsche Chemiehandel weiterhin mit einem anspruchsvollen Marktumfeld konfrontiert.

Laut Verband Chemiehandel (VCH) sieht sich der deutsche Chemiehandel weiterhin mit einem anspruchsvollen Marktumfeld konfrontiert. Geopolitische Entwicklungen, eine schwache Nachfrage, steigende Kosten sowie umfangreiche regulatorische Anforderungen prägen die aktuelle Lage. Gleichzeitig übernimmt die Branche eine wichtige Funktion für die Stabilität und Funktionsfähigkeit industrieller Lieferketten.
Rückblick 2025
Im Jahr 2025 konnte die zu Jahresbeginn bestehende Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung nicht bestätigt werden. Nach zunächst stabiler Entwicklung kam es im weiteren Jahresverlauf zu einem deutlichen Rückgang bei Absatzmengen und Umsätzen, begleitet von spürbarem Margendruck – insbesondere bei den Industriechemikalien. Die Geschäftslage wurde zum Jahresende verhalten beurteilt. Der erwirtschaftete Gesamtumsatz im Jahr 2025 belief sich auf rund 15 Mrd. EUR und liegt um 13,8 % hinter dem Vorjahr zurück. Er befindet sich damit auf einem Niveau vergleichbar mit 2020/2021. Von der Gesamtsumme entfielen 6.545 Mio. EUR auf Industrie- und 8.350 Mio. EUR auf Spezialchemikalien (Grafik 1).
Laut einer Umfrage des Verbands unter den Mitgliedsunternehmen haben sich die Gewinne in 2025 im Vergleich zu 2024 negativ entwickelt. Nur noch rund 8 % konnten ihre Gewinne steigern. Bei den Gewinnerwartungen für 2026 bleiben die Unternehmen eher verhalten optimistisch (Grafik 2).
Lichtblick Life Sciences
Sorgen bereiten weiterhin zentrale Abnehmerindustrien: Der Automobilsektor zeigte trotz bereits schwacher Ausgangslage keine Erholung, die Bauchemie entwickelte sich anhaltend negativ, und auch die Farben- und Lackindustrie verzeichnete Rückgänge. Lediglich der Life-Sciences-Bereich konnte mit moderatem Wachstum in den Segmenten Pharma und Kosmetik teilweise stabilisierend wirken.
Zugleich rückte das Zahlungsverhalten der Kunden stärker in den Fokus. Neben längeren Zahlungszielen nahmen vor allem in der zweiten Jahreshälfte Zahlungsausfälle und Insolvenzen zu.
Lage weiterhin angespannt
Die bestehenden Unsicherheiten durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und handelspolitische Spannungen wurden zuletzt durch die Zuspitzung der Lage im Nahen Osten weiter verschärft. Einschränkungen wichtiger Transportwege führen zu Verzögerungen in den Lieferketten sowie zu steigenden Logistikkosten und letztlich massiven Preissteigerungen erdölbasierter Produkte.
Auch Beschaffungsmärkte in Asien sind zunehmend betroffen: Verschlechterte Lieferbedingungen sowie die Zurückhaltung von Lieferanten – auch aus den USA – bei Neuaufträgen verschärfen die Situation zusätzlich. Zudem nutzen Produzenten die angespannte Lage für Preiserhöhungen.
Die Branche steht vor einer neuen Krisenqualität: steigende Preise bei gleichzeitig rückläufiger Nachfrage, anders als in der Corona-Zeit. Insbesondere bei Industriechemikalien waren deutliche Mengenrückgänge zu verzeichnen. Gleichzeitig führen strukturelle Veränderungen im Welthandel zu einer steigenden Komplexität im Import- und Exportgeschäft.
In diesem Umfeld trägt der Chemiehandel als „Stabilitätsanker“ wesentlich dazu bei, Angebot und Nachfrage auszugleichen und die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten. (bm)












