11.03.2026 • Themen

Zirkuläre Wirtschaft und Nachhaltigkeit

Interview mit Carsten Suntrop und Thomas Wagner, CMC²

Thomas Wagner, Senior Manager und Carsten Suntrop, Inhaber, CMC²
Thomas Wagner, Senior Manager und Carsten Suntrop, Inhaber, CMC²
© CMC²

Die Chemiebranche unterstützt das gesellschaftliche Ziel einer nachhaltigen, klimaverträglichen und auf Zirkularität ausgerichteten Wirtschaft. Welche Bedeutung haben Nachhaltigkeit und zirkuläre Wirtschaft für die Chemieindustrie selbst? Welchen Herausforderungen stehen Unternehmen konkret gegenüber und wie können nachhaltige Geschäftsmodelle, Produkte und Technologien implementiert werden? Ein neues Buch gibt Antworten auf diese und weitere Fragen. Die Herausgeber Carsten Suntrop und Thomas Wagner und zahlreiche Co-Autoren definieren Parameter für Nachhaltigkeit und Zirkularität und erläutern die nachhaltige und zirkuläre Chemiewirtschaft anhand von Praxisbeispielen. Für CHEManager erklären sie ihre Motivation und Herangehensweise und werfen einen Blick auf wesentliche Aspekte des Themas. Die Fragen stellte Michael Reubold.

CHEManager: Die chemische Industrie will nachhaltig, klimaneutral und zirkulär werden. Welche Faktoren sehen Sie aktuell als die größten Treiber für mehr Nachhaltigkeit und Zirkularität im Chemiesektor?

Carsten Suntrop: Wir sehen bei den meisten Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie ein klares Bekenntnis, dass sich Klima- und Umweltschutz zu einer grundlegenden sozialen Verantwortung entwickelt haben. Auch wenn der ökonomische Vorteil von nachhaltigen Produkten und Technologien – noch – nicht der wesentliche Treiber ist, hat das Thema Nachhaltigkeit einen festen Platz in langfristig ausgerichteten Unternehmensstrategien bekommen. Es herrscht im europäischen Raum große Einigkeit darüber, dass Nachhaltigkeit und Zirkularität erfolgskritische Säulen für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen sind.

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Wie die Chemieindustrie ihrer Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft gerecht werden kann: Ein neues Buch befasst sich mit dem Thema „Zirkuläre Wirtschaft und Nachhaltigkeit in der chemischen Industrie“.
© Sebastian Duda - stock.adobe.com

Was sind für Unternehmen zentrale Herausforderungen bei der Transformation zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise?

Thomas Wagner: Die größte Herausforderung in der aktuell angespannten wirtschaftlichen und geopolitischen Lage ist es, die Balance zwischen Investitionen in eine nachhaltige Zukunft und massivem Kosten- und Wettbewerbsdruck zu finden. An Commitment zur Nachhaltigkeit fehlt es kaum, an freien Mitteln für umfangreiche Investitionen aber schon.

Dekarbonisierung des Energieeinsatzes, Defossilisierung der Rohstoffbasis und Etablierung von Stoffkreisläufen: Ist das Thema „nachhaltige Chemieindustrie“ mit diesen drei Schlagworten umfassend beschrieben?

C. Suntrop: Das trifft den Gesamtkontext schon sehr gut. Im Prinzip steht hinter dem Konzept der Nachhhaltigkeit der gesellschaftliche Zwang, den CO2-Ausstoß in Richtung Null zu senken – oder in der fernen Zukunft sogar negativ zu gestalten – und bisherige Abfälle als kostbare Wertstoffe zu etablieren. Und die für chemische Prozesse benötigte Energie muss zukünftig aus regenerativen Quellen anstatt aus Verbrennungsvorgängen stammen. Wichtig ist auch zu realisieren, dass Dekarbonisierung nicht die Abkehr von kohlenstoffhaltigen Kunststoffen bedeutet, denn diese werden weiterhin essenzieller Bestandteil unserer Produkte sein.

Die Chemieindustrie ist vor allem von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt, deren Produktionsprozesse, Erzeugnisse und Geschäftsmodelle sehr unterschiedlich sind. Gibt es dennoch gemeinsame Zielbilder und allgemeingültige Lösungsansätze für eine nachhaltige Chemieindustrie?

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