Wenn Brainstorming auf Nemawashi trifft
Interview mit Markus Armbruster über Chancen und Herausforderungen bei der Zusammenarbeit japanisch-westlicher Teams.

Chicago, Düsseldorf oder Tokio – in diesem Moment findet irgendwo auf der Welt ein Strategietreffen statt. Die Agenda wird abgearbeitet, die Folien werden präsentiert und am Ende nicken alle. Doch drei Wochen später hat sich nichts verändert. Selbst hochleistungsfähige Organisationen verlieren erheblichen Wert an den Schnittstellen zwischen ihren Regionen. Ursache dafür seien weder inkompetente Mitarbeitende noch dysfunktionale Teams, sagt Markus Armbruster, Mit-Gründer von Pictomind. Der Experte für co-kreative Strategie- und Innovationsprozesse begleitet seit vielen Jahren japanisch geführte Unternehmen mit bedeutenden Standorten in Europa und den USA. Andrea Gruß sprach mit ihm über Chancen und Herausforderungen bei der Zusammenarbeit japanisch-westlicher Teams.
CHEManager: Wie können Chemieunternehmen ihre Innovationsfähigkeit stärken, obwohl der Kostendruck stetig zunimmt?
Markus Armbruster: Die chemische Industrie befindet sich aktuell in einer gefährlichen Spirale: Margendruck führt zu Kostensenkungen, Kostensenkungen schwächen die Innovationskraft, eine geschwächte Innovationskraft verschlechtert die Wettbewerbsposition und erhöht den Margendruck weiter. Chinesische Wettbewerber, die bei Qualität, Technologie und strategischer Ambition rasant aufholen, lassen sich nicht einfach durch eine weitere Runde von Reisekostenkürzungen auf Abstand halten. Ein wirksamer Ausweg aus dieser Falle ist strategische Differenzierung – aufbauend auf dem kollektiven Wissen der Mitarbeitenden und entwickelt in co-kreativen Prozessen, die die interne Intelligenz mobilisieren, statt Antworten von externen Beratern importieren.
Welchen Beitrag kann co-kreative Strategieentwicklung hier leisten?
M. Armbruster: Co-kreative Strategieentwicklung ist kein Luxus für wirtschaftlich stabile Zeiten. Im Gegenteil: Gerade unter hohem Veränderungs- und Kostendruck hilft sie Unternehmen, vorhandene Stärken in der Organisation ohne hohe, zusätzliche Investitionen zu aktivieren. Eine oft unterschätzte und kostspielige Schwachstelle international aufgestellter Unternehmen liegt an den Schnittstellen zwischen Kulturen, Regionen und Geschäftsbereichen. Dort treffen beispielsweise japanische Präzision, amerikanische Agilität und europäische Gründlichkeit aufeinander – häufig mit unterschiedlichen Erwartungen, Arbeitsweisen und Kommunikationsmustern. Die Folge sind Reibungsverluste, Missverständnisse und verzögerte Entscheidungen. Die Schnittstellenverluste zwischen Regionen zu reduzieren, ist keine rein kulturelle Aufgabe. Es ist eine strategische Priorität, die maßgeblich über Effizienz, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit entscheidet.
Welche wiederkehrenden Muster beobachten Sie bei der Begleitung japanisch-westlicher Teams?
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