Vom Datenballast zum Wettbewerbsvorteil
Autoren: Alexandra Merkel und Alexandra Kiourtsi, Speedikon

Die Chemieindustrie gehört seit Jahrzehnten zu den datenintensivsten Branchen überhaupt. Insbesondere im Bereich der Anlagenplanung, des Engineerings und des Betriebs wurden enorme Summen in die Erstellung und Pflege von Geometriedaten investiert. BIM-Modelle und Punktwolken von Produktionsanlagen, 3D-Modelle von komplexen Anlagen, GIS-Daten für Rohrleitungssysteme und CAD-Pläne von Infrastrukturen sind heute in vielen Unternehmen in großer Zahl vorhanden und stellen eigentlich einen strategischen Vermögenswert dar.
In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Ein erheblicher Teil dieser Daten bleibt ungenutzt. Was ursprünglich als Grundlage für Effizienzsteigerungen im Betrieb, bessere Planung beim Umbau und höhere Sicherheit für die Mitarbeitenden gedacht war, entwickelt sich zunehmend zu einem stillliegenden Datenbestand, der weder operativ noch strategisch ausgeschöpft wird.
Das eigentliche Problem: Niemand kommt ran
Die Ursachen dafür liegen weniger in der Datenqualität als vielmehr in der fehlenden Zugänglichkeit. Viele dieser Modelle sind so umfangreich, dass sie mit herkömmlichen IT-Systemen kaum geöffnet oder verarbeitet werden können. Datenvolumina im Terabyte-Bereich führen dazu, dass bereits das einfache Laden eines Modells zu einer technischen Herausforderung wird. Hinzu kommt, dass der Zugriff häufig an spezialisierte Software gebunden ist, deren Bedienung fundiertes Fachwissen erfordert. Entsprechend konzentriert sich die Nutzung dieser Daten auf eine kleine Gruppe von Experten, während große Teile des Unternehmens davon ausgeschlossen bleiben. Diese Daten bleiben dabei in ihrer jeweiligen Abteilung und werden nicht mit Kollegen anderer Bereiche geteilt, obwohl sie auch davon profitieren könnten – sie wissen nur nichts von den Daten. Diese Fragmentierung verhindert die Etablierung einer echten Werksintelligenz, die Mitarbeitende bei ihrer täglichen Entscheidungsfindung entlastet und unterstützt.
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