09.09.2026 • Themen

Pharma finanziert das GKV-Defizit

Interview mit Boehringer-Ingelheim-Deutschland-Chef Médard Schoenmaeckers zu den Rahmenbedingungen für die Pharmaindustrie.

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Médard Schoenmaeckers, Vorsitzender der Geschäftsführung von Boehringer Ingelheim Deutschland

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim sieht mit dem GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz weitere erhebliche finanzielle Belastungen auf die Branche zukommen. Nach Einschätzung von Médard Schoenmaeckers, Vorsitzender der Geschäftsführung von Boehringer Ingelheim Deutschland, sinkt damit die Attraktivität des heimischen Pharmastandorts, während Märkte wie die USA und China an Bedeutung gewinnen. Im Gespräch mit Thorsten Schüller mahnt er Strukturreformen im Gesundheitswesen an und stellt Investitionen sowie Produkteinführungen infrage.

CHEManager: Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz hat die Pharmabranche in den vergangenen Monaten stark beschäftigt. Es ist nach Anpassungen mittlerweile verabschiedet. Wie bewerten Sie das Gesetz aus Pharmasicht?

Médard Schoenmaeckers: Das GKV-Spargesetz verschlechtert die Rahmenbedingungen für die Pharmaindustrie in Deutschland massiv, vor allem, weil damit die Kosten deutlich steigen. 2025 hat die Industrie über Rabatte und Abschläge bereits 29 Mrd. EUR zugezahlt, um das GKV-Defizit zu reduzieren. Im Entwurf zum GKV-Spargesetz kamen für die nächsten drei Jahre noch einmal 14,6 Mrd. EUR dazu. Als das Gesetz am Ende verabschiedet wurde, waren aus den 14,6 Mrd. EUR durch Verschiebungen von anderen Stakeholdern in Richtung Pharma 19,2 Mrd. EUR geworden.
Damit sind die zusätzlichen Belastungen für die Pharmaindus­trie enorm groß. Schaut man sich die einzelnen Elemente des Gesetzes an, wie etwa Preis-Mengen-Regelung, Herstellerrabatte und Rabattverträge, sieht man, dass Innovation weniger anerkannt wird.
Nachdem der Gesetzgebungsprozess hinter uns liegt, hoffe ich, dass man nun noch über die Standortklauseln nachdenkt. Das soll durch eine Protokollerklärung der Bundesregierung und eine spezielle Kommission geschehen. Unsere Erwartung ist, dass der sehr hohe Herstellerrabatt von 15,5 %, der sich gegenüber den bisherigen 7 % mehr als verdoppelt hat, für Unternehmen, die in Deutschland investieren, forschen, produzieren und für Arbeitsplätze sorgen, gesenkt wird, bevor das Gesetz ab dem 1. Januar 2027 in Kraft tritt.

In der Öffentlichkeit wurde der Eindruck vermittelt, dass beim GKV-Spargesetz zahlreiche Stake­holder der Gesundheitsbranche Einbußen hinnehmen mussten, die Pharmaindustrie aber verschont worden sei. Die Pharmaverbände sehen es genau andersherum. Was stimmt?

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