Logistik zukunftsfähig gestalten
Der Weg führt über effiziente Prozesse, nachhaltige Lösungen und digitale Transformation

LSU Schäberle Logistik & Speditions-Union ist ein mittelständisches, inhabergeführtes Familienunternehmen, das sich seit 1973 mit nationalen und internationalen Verkehren sowie logistischen Aufgaben jeder Art beschäftigt. Zu den Services des Stuttgarter Unternehmens gehören u. a. die Lagerung von Gefahrstoffen und die Durchführung von Gefahrguttransporten auf dem Land-, See- und Luftweg für Kunden aus der chemischen und pharmazeutischen Industrie. CHEManager wollte von Roland Walz, Geschäftsführer, und Jonas Lang, Bereichsleiter für Qualität, Umwelt, Sicherheit und der LSU Akademie, wissen, wie sich das Unternehmen aufgestellt hat, um den aktuellen Herausforderungen und Kundenbedürfnissen gerecht zu werden. Die Fragen stellte Birgit Megges.
CHEManager: Herr Walz, wie haben sich Ihrer Meinung nach die Anforderungen und Bedürfnisse der Kunden aus der Chemie- und Pharmaindustrie in den letzten Jahren verändert, und wie reagiert LSU Schäberle darauf?

Roland Walz: Es gibt einige Veränderungen, die mir direkt dazu einfallen. Wir haben zum Beispiel die Beobachtung gemacht, dass seitens der Kunden ein höherer Qualitätsanspruch besteht. Dadurch müssen Prozesse deutlich detaillierter beschrieben und systemgestützt umgesetzt werden. Ein weiteres Thema, das den Kunden sehr wichtig ist, betrifft die Nachhaltigkeit. Der Bedarf für einen nachweisbaren Carbon Footprint steigt und damit verbunden die Nachfrage nach einer ‚grünen‘ Logistik.
Ich würde auch sagen, die Warehouse-Management-Anbindung vom Dienstleister zum Kunden und umgekehrt ist heute ein zentraler Faktor für eine effiziente und transparente Logistik. Es reicht nicht mehr aus, lediglich die internen Abläufe zu optimieren. Es wird einfach erwartet, dass die IT-Systeme nahtlos mit denen der Kunden kommunizieren.
Meiner Meinung nach muss die Logistik aus einer Hand kommen. So kann der Kunde von einem ganzheitlichen Service profitieren und muss sich nicht mit verschiedenen Ansprechpartnern oder unkoordinierten Schnittstellen auseinandersetzen. Das bedeutet, dass alle logistischen Dienstleistungen – von der Lagerung über den Transport bis hin zur Auftragsabwicklung und IT-Integration – zentral gesteuert und angeboten werden.
Und auf all das reagieren wir als Logistikdienstleister, indem wir uns anpassen, uns weiterentwickeln und gemeinsam mit den Kunden die passenden Lösungen suchen.

Das heißt, Digitalisierung und künstliche Intelligenz beeinflussen bereits Ihre täglichen Geschäftsabläufe?
Jonas Lang: Ja, Digitalisierung und künstliche Intelligenz sind heute fester Bestandteil unserer operativen Prozesse. In unserem Bereich Spedition setzen wir KI-gestützte Systeme für eine optimierte Tourenplanung ein. Im Bereich der Logistik werden Prozesse digital erfasst und dokumentiert, unter anderem über den Einsatz spezialisierter Softwarelösungen für Prozess- und Projektmanagement.
R. Walz: Darüber hinaus beschäftigt sich unser Unternehmen schon zum heutigen Zeitpunkt mit dem Einsatz autonomer Technologien im Bereich Flurförderzeuge, um die Effizienz und Sicherheit zu steigern.
Sie haben auch erwähnt, dass das Thema Nachhaltigkeit für die Kunden immer wichtiger wird. Wie integrieren Sie nachhaltige Lösungen in Ihre Logistikprozesse?
J. Lang: Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Unternehmensleitbilds. Bereits seit 2002 sind wir im Rahmen unserer integrierten Managementsysteme nach der ISO 14001 zertifiziert – und das heute an allen Standorten.
Darüber hinaus setzen wir gezielt auf erneuerbare Energien: Auf den Dächern unserer Liegenschaften betreiben wir Photovoltaikanlagen mit einer momentan installierten Gesamtleistung von 1,8 MW und leisten damit einen aktiven Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen.
Anforderung an Value Added Services werden immer
spezieller und umfangreicher.
Was sind die größten Herausforderungen, mit denen Sie sich aktuell im Bereich der Chemie- und Pharmalogistik auseinandersetzen müssen?
R. Walz: Die Key-Performance-Indikatoren, kurz KPIs, werden immer umfangreicher, um die Qualität zu gewährleisten und zu dokumentieren. Anforderung an Value Added Services werden immer spezieller und umfangreicher. Das macht sich beispielsweise beim Probenzug von Waren, beim Umetikettieren/Etikettieren von einzelnen Gebinden und beim Hinzupacken einzelner Materialien bemerkbar.
Welche Trends und Entwicklungen erwarten Sie für die nächsten Jahre im Bereich Chemie- und Pharmalogistik, insbesondere im Hinblick auf Kundenbedürfnisse, Digitalisierung und Nachhaltigkeit?
R. Walz: Die Bedürfnisse der Industrie gehen immer mehr auf ein komplettes Lager-Outsourcing, da sie am eigenen Standort mehr Platz für die Produktion benötigen.
Parallel beobachten wir eine Digitalisierung im Bereich der logistischen Supply Chain. Weiter stellen wir fest, dass häufiger die Nachfrage nach Transporten mit dem Einsatz von HVO100 gefordert wird.
J. Lang: Ein wesentlicher Trend, den wir momentan beobachten, geht in die gleiche Richtung. Dieser liegt in einer permanenten Verschärfung des Chemikalienrechts: Hier führen oft Änderungen bei den Stoffeinstufungen zu einem Bedarf an externen und auf Gefahrstoffe spezialisierten Lagerkapazitäten aufgrund fehlender eigener sicherheitstechnischer Voraussetzungen und gegebenenfalls Genehmigungen.
Nehmen Sie beispielsweise die Stoffe Kaliumchlorat und Natriumchlorat. Seit dem 1. September 2025 wurden diese durch die VO (EU) 2024/197 als giftig und damit strenger als vorher eingestuft. Dies bedeutet, dass sie nunmehr unter anderem in einem separaten Giftlager mit Zugangsbeschränkung eingelagert werden müssen. Zusätzlich ergeben sich je nach Lagermenge erhöhte brandschutztechnische Anforderungen, wie beispielsweise automatische Brandmelde- und Feuerlöschanlagen.
In unserem Bereich Spedition setzen wir KI-gestützte Systeme für eine optimierte Tourenplanung ein.
Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Logistikdienstleistungen auch in Zukunft den wachsenden regulatorischen Anforderungen und Sicherheitsstandards der Chemie- und Pharmabranche gerecht werden?
J. Lang: Um für die Anforderungen der Zukunft gewappnet zu sein, genehmigen und bauen wir unsere Gefahrstofflager stets weit über die aktuellen Stoffanforderungen unserer Kunden hinaus, damit auch strenger regulierte Stoffportfolios bedient werden können, für die dann von unserer Seite aus die höheren Sicherheitsanforderungen gewährleisten werden.
Über unsere hauseigene Akademie, in der unsere Referenten Schulungen zu sicherheitsrelevanten Themen wie beispielsweise Gefahrstoffen und Gefahrgut durchführen, sowie der aktiven Teilnahme an Fachkonferenzen und branchenspezifischen Arbeitskreisen stehen wir stets im engen Austausch mit Fachexperten und Behörden, um regulatorische Entwicklungen frühzeitig erkennen und auf diese reagieren zu können.
Dieser Beitrag ist in CHEManager 2/2026 erschienen.
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