Logistik als Wettbewerbsvorteil nutzen
Christian Kille, Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Die Chemieindustrie in Deutschland muss sich seit Jahren zahlreichen Herausforderungen stellen: Geopolitische Verwerfungen, wachsender Kostendruck und schwächelnde Konjunktur zwingen die Unternehmen, ihr Wertversprechen neu zu definieren.
Logistik kann dabei weit mehr sein als eine operative Notwendigkeit. Mit der richtigen Konzeption des Angebots und der kundenorientierten Aufbereitung kann sie zum strategischen Verkaufsargument werden. Der entscheidende Hebel dafür liegt im gezielten Einsatz von KI und nachhaltigen Lösungen.
KI-gestützte Nachfrageprognosen, die Wetter- und Klimadaten integrieren, reduzieren Fehlbestände und verbessern die Produktionsstabilität. Diese bilden damit direkte Vorteile, die Kunden spürbar wettbewerbsfähiger machen. So ermöglichen beispielsweise digitale Zwillinge nicht nur eine höhere Transparenz entlang der Logistikkette, sondern auch das Testen von Veränderungen in den Logistikprozessen und das Durchspielen von Störungsszenarien. Das schafft Vertrauen bei Kunden und sichert stabile Lieferketten auch bei notwendigen Veränderungen.
Auf der Nachhaltigkeitsseite bieten Emissionsoptimierungstools Kunden die Möglichkeit, CO2-ärmere Transportoptionen nicht nur aktiv zu wählen und diese Einsparungen direkt in ihre eigene ESG-Berichterstattung einzubuchen. Auch verspricht der clevere Einsatz direkte Kosteneinsparungen.
Der entscheidende Erfolgsfaktor ist jedoch die Vermittlung: Wenn Vertriebsteams verstehen, dass ein KI-gestütztes Kapazitätsplanungstool oder eine Echtzeit-Visibility-Plattform kein IT-Projekt ist, sondern ein konkretes Kundenversprechen, dass weniger Produktionsunterbrechungen, zuverlässigere Liefertermine sowie niedrigere Gesamtkosten zu erwarten sind, kann ein Chemieunternehmen seine Wettbewerbsfähigkeit durch Logistik steigern.
Chemieunternehmen, die Logistik als ein Bestandteil ihres Leistungsversprechens begreifen und aktiv in den Kundendialog einbringen, können sich aus der Commodity-Falle befreien. Logistikexzellenz ist kein Hygienefaktor mehr, sondern kann ein Differenzierungsmerkmal mit messbarem Mehrwert sein.
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