Dealmaking in der Zeitenwende
Portfoliofokus und Standortdruck treiben Carve-outs in der Chemieindustrie

Die Chemiebranche in Europa durchlebt keine einfache Zeit. Energie ist in Teilen Europas extrem teuer und hat sich zum größten Standortnachteil entwickelt. Die Regulierung ist komplex, langsam und teuer. Nachfrage und Auslastung sind schwächer als zuvor. Zugleich hat der globale Wettbewerb, insbesondere in den USA und in Asien massiv zugelegt. Das führt zu Anpassungsbedarf bei Aufstellung und Zuschnitt von Unternehmen. Seit dem vierten Quartal 2025 füllt sich daher die Dealpipeline in einem Ausmaß, das wir eine ganze Weile nicht gesehen haben.
M&A läuft in 2026 wieder – aber nicht „weil der Markt dreht“, sondern u. a. weil die Planbarkeit zurückkommt. Grund dafür ist die Stabilisierung der Zinsen und die Normalisierung der Kapitalmärkte.
Chemiedeals sind aktuell regelmäßig die Folge der Konzentration großer Konzerne auf ihr Kerngeschäft unter Abstoßung von Randbereichen. Das führt zu komplexen Carve-outs. Wert entsteht daher immer weniger durch Versprechen und Prognosen, sondern durch einen belastbaren und umsetzbaren Case: Pläne für die Separierung vom Verkäufergeschäft und für die Finanzierung und Integration auf der Käuferseite müssen möglichst weit entwickelt und belastbar sein, bevor der Prozess in die finale Verhandlungsphase eintreten kann. Gleichzeitig nimmt die Anzahl von diskreteren bilateralen Prozessen zu. Deal-Certainty wird daher noch stärker als zuvor zur eigenen Währung.
Inhalt:
- Stabilität nutzen: Geldpolitik macht Modelle wieder belastbar
- Deutschland ist Deal-Quelle
- Spezialchemie bleibt begehrt,aber Käufer sind anspruchsvoll
- Regulierung als Werttreiber bzw. -killer
- Bewertung: Gaps werden über Struktur geschlossen, nicht über Wunschdenken
- Private Credit: Finanzierung ist essenziell
- Was der aktuelle Dealflow signalisiert
- Fazit
- Jakub Lorys
- Jan Schubert
Stabilität nutzen: Geldpolitik macht Modelle wieder belastbar
Die EZB hält die Zinsen stabil und bleibt datenabhängig. Das klingt technisch, ist aber für europäische Transaktionen von wesentlicher Bedeutung: Unternehmenskaufpreise lassen sich wieder besser finanzieren, Cashflows, Covenants und Debt-Service lassen sich verlässlicher planen. Für Beteiligte heißt das: früher in Szenarien denken (Energiepreise, Rohstoffpreise und Wechselkurse beeinflussen Cashflows) und Finanzierungsoptionen parallel zum Equity Case vorbereiten.
Deutschland ist Deal-Quelle
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