28.01.2026 • Themen

Das Potenzial von thermischen Energiespeichern in der Chemieindustrie

Thermische Energiespeicher können in der chemischen Industrie fossile Energiequellen in vielen Prozessen ersetzen.
© Kraftblock

Autor: Martin Schichtel, CEO, Kraftblock

Die Chemiebranche zählt zu den energieintensivsten Industrien und benötigt eine stabile sowie kostengünstige Energieversorgung, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Prozessdampf bildet dabei die zentrale Grundlage für nahezu alle Herstellungsschritte – von Destillations- und Trocknungsprozessen bis hin zu Crack- und anderen Hochtemperaturverfahren. Am Beispiel der Chemieindustrie zeigt sich deshalb, dass der Weg hin zu erneuerbaren Energien nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch ein ökonomisches Spannungsfeld ist. Denn während die CO₂-Kosten steigen, sind Kunden gleichzeitig nur begrenzt bereit, einen Aufpreis für „grüne“ Produkte zu zahlen.

Gefragt sind Lösungen, die Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden. Thermische Energiespeicher (TES) bieten eben diese Lösung.

Vom erneuerbaren Strom zur Wärmequelle

Thermische Energiespeicher schaffen die Voraussetzung, erneuerbaren Strom kosteneffizient für die Dampf­erzeugung nutzbar zu machen. Überschüssige Energie – etwa aus betriebseigener Wind- oder PV-Erzeugung oder aus dem Netz – wird in Hochtemperaturwärme umgewandelt, effizient gespeichert und bei Bedarf als Dampf wieder abgegeben. Der Effekt: Aus der schwankenden Stromquelle wird eine verlässliche Wärmequelle, die eine zuverlässige Prozesssicherheit garantiert.
Gerade im Bereich der Hochtemperaturprozesse stehen bislang nur wenige praktikable Alternativen zu fossilen Energieträgern zur Verfügung. Biomasse ist teuer und regional oft begrenzt, und auch grüner oder blauer Wasserstoff eignet sich derzeit noch nicht wirtschaftlich für die Erzeugung von Prozesswärme. Elektrischer Strom dagegen bietet eine realistische Per­spektive, vorausgesetzt, er wird gezielt und intelligent genutzt. Entscheidend ist, Strom vor allem in Zeiten niedriger Preise und hoher Verfügbarkeit einzusetzen. Da chemische Anlagen jedoch kontinuierlich Dampf benötigen, ist ein flexibler Energiespeicher unverzichtbar. Genau hier setzen thermische Energiespeicher an.

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