11.03.2026 • Themen

Zirkuläre Zukunft für Textilabfälle

Interview mit Melanie Hackler, CEO, Matterr, über die innovative Recyclingtechnologie für polyesterhaltige Abfälle und die Pläne zur Skalierung des Prozesses.

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Melanie Hackler, CEO, Matterr
© Matterr_Helen – deine Fotografin

Die weltweite Produktionskapazität für Polyester beträgt rund 110 Mio. t pro Jahr, wobei Polyesterfasern für Textilien mit rund zwei Dritteln den größten Anteil ausmachen. Die Polyesterproduktion ist heute überwiegend nicht zirkulär und hängt von fossilen Rohstoffen ab. Gleichzeitig steigt die Menge an polyesterhaltigen Abfällen – von ausrangierter Kleidung bis zu Verpackungen und anderen Anwendungen. Ein Großteil dieses Materials landet auf Deponien oder in Verbrennungsanlagen, da komplexe Mischungen mit konventionellen Technologien nicht wiederverwertet werden können. Weniger als 1 % wird mechanisch zu neuen Fasern recycelt, sodass eine riesige ungenutzte Ressource zurückbleibt. Hier bietet Matterr eine Lösung. Die Depolymerisationstechnologie des 2023 gegründeten Unternehmens, die seit 2017 über Forschungsprojekte mit der TU Braunschweig entwickelt wurde, wandelt gemischte Polyesterabfälle in Rohstoffe in Neuwarequalität um, die nahtlos in bestehende industrielle Produktionsketten zurückgeführt werden können. ­Matterrs CEO Melanie Hackler erläutert das Verfahren und die Pläne zur Skalierung. Die Fragen stellte Michael Reubold.

CHEManager: Frau Hackler, wie funktioniert das patentierte Depolymerisationsverfahren von ­Matterr?

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Das patentierte chemische Depolymerisationsverfahren von Matterr zerlegt gemischten Polyesterabfall in seine ursprünglichen Monomere – Terephthalsäure und Monoethylenglykol, die direkt wieder für die Produktion von PET-Granulat eingesetzt werden können.
© Matterr_Philipp Herfort Photography

Melanie Hackler: Unser patentiertes chemisches Depolymerisationsverfahren zerlegt gemischten Polyesterabfall in seine ursprünglichen Monomere – Terephthalsäure und Monoethylenglykol. Nach der Aufreinigung liegen beide Komponenten in virgin-äquivalenter Qualität vor und können ohne Anpassung bestehender Prozesse direkt in etablierten industriellen Polymerisationsanlagen eingesetzt werden. So entsteht Polyester in Neuwarequalität.

Worin unterscheidet sich Ihr Verfahren von konventionellen Recyclingmethoden?

M. Hackler: Der zentrale Unterschied zu konventionellen Recyclingmethoden besteht darin, dass nicht versucht wird, das Polymermaterial als solches zu erhalten, sondern dass die Polymerketten gezielt in definierte chemische Bausteine zurückgeführt werden. Dadurch kann eine Abtrennung von Fremdstoffen und somit eine vollständige Aufreinigung erreicht werden. Mechanisches Recycling stößt insbesondere bei Textilfasern schnell an Grenzen, da Faserverkürzung, thermische Schädigung sowie Verunreinigungen durch Farben, Additive und Mischmaterialien zu einem fortschreitenden Qualitätsverlust führen.

Chemisches Recycling wird häufig mit Pyrolyse gleichgesetzt. Wo liegen die technologischen Unterschiede?

M. Hackler: Chemisches Recycling umfasst unterschiedliche technologische Ansätze, die nicht miteinander gleichzusetzen sind. Die Depolymerisation von PET ist ein materialspezifisches Verfahren, bei dem die funktionellen Esterbindungen gezielt gespalten werden, um definierte Monomere zurückzugewinnen, die direkt wieder für die PET-Produktion eingesetzt werden können.

Unser Prozess arbeitet bei moderaten Temperaturen und Drücken und ist auf polyesterhaltige Materialströme ausgelegt. Voraussetzung ist ein relevanter PET-Gehalt – typischerweise über 80 % –, wobei das Verfahren gegenüber üblichen Fremdstoffen robust ist. Unser Verfahren setzt also konsequent auf der chemischen Ebene an und ermöglicht eine echte, wiederholbare Kreislaufführung von Polyester – unabhängig von Farbe, Vorleben oder Anwendung.

Welche Herausforderungen stellen sich bei der Entwicklung einer auf Abfallinput basierten Technologie?

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