Von der „Zeitenwende“ zur industriellen Chance
Die europäische Verteidigungs- und Rüstungsindustrie steht vor einer historischen Expansionsphase. Zwischen 2025 und 2030 werden nach aktuellen Planungen über 800 Mrd. EUR in den Sektor investiert – aus EU-Mitteln und nationalen Budgets. Deutschland verzeichnete 2024 bereits Verteidigungsausgaben in Höhe von 88,5 Mrd. EUR und plant, diese künftig auf bis zu 5 % des BIP zu steigern.
Reinhard Halbgewachs und Sara Buschbacher, Stanton Chase

Für die Chemieindustrie ist dies ein einmaliges Marktfenster: Hightech-Materialien, Spezialchemikalien, Energiespeicherlösungen und Schutzsysteme sind für moderne Verteidigungstechnologien unverzichtbar. Neben klassischen OEMs können auch spezialisierte Zulieferer, insbesondere Tier-2 und Tier-3, direkt profitieren.
Politische Rahmenbedingungen: EDIS, SAFE & ReArm
Die EU-Strategie für die Verteidigungsindustrie (EDIS) verpflichtet dazu, 50 % der Verteidigungsgüter bis 2030 aus europäischen Quellen zu beziehen – mit zunehmender Priorität für EU-Produzenten. Chemieunternehmen in Europa können dadurch bevorzugt Zugang zu Verteidigungsaufträgen erhalten – sofern sie Partnerschaften aufbauen, technologische Qualität sichern und lokale Produktion nachweisen.
Mit dem SAFE-Programm stellt die EU zudem zinsgünstige Kredite für Projekte bereit, die einen hohen EU-Wertschöpfungsanteil nachweisen – ideal für Unternehmen mit solidem Finanzprofil und industrieller Kapazität.
Die ReArm Europe/Readiness 2030 Initiative erlaubt EU-Staaten zusätzliche Verteidigungsausgaben ohne haushaltspolitische Sanktionen – das schafft direktes Marktvolumen für innovative Zulieferer.
Dieser Beitrag ist in CHEManager 10/2025 erschienen.
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