19.01.2016 • Themen

Prof. Wolfgang Stölzle, Universität St. Gallen und Peter-Johannes Barth / Einheitliche Prüfsysteme nach GMP etablieren

Zunächst ist festzuhalten: Pharmalogistik ist nicht gleich Pharmalogistik! Früher wurde mit Pharmalogistik vor allem die Distribution von Arzneimitteln von Distributionszentren der Großhändler in die Apotheken adressiert. Sie galt damals schon für viele andere Branchen als Benchmark im Sinne einer logistischen Höchstleistung. Heute wird viel stärker auch die Beschaffungs- sowie insbesondere die Distributionslogistik der Hersteller von pharmazeutischen Produkten thematisiert. Denn auch die Hersteller haben die Logistik als Feld für Effizienzsteigerungspotenziale entdeckt. Während früher angesichts des hohen Wert-Volumen- bzw. Wert-Gewichts-Verhältnisses der Produkte die Logistikosten aus Sicht der Hersteller eine nachgeordnete Rolle bei Optimierungsansätzen spielten, ist mit Blick auf den allgemeinen Kostendruck in der Pharmaindustrie auch die Logistik als Suchfeld "entdeckt" worden.

Zudem hat die globale Arbeitsteiligkeit bei der Herstellung von Arzneimitteln zugenommen, so dass die Logistikintensität der Wertschöpfung ebenfalls gestiegen ist. Damit kommt der Logistik auch bzgl. ihres Leistungspotenzials z.B. als Bindeglied in globalen Produktionsverbünden eine große Bedeutung zu. Die stärkere Fokussierung auf Logistikleistungen ist vor dem Hintergrund der Novellierung der GDP zu sehen. Hier haben sich insbesondere Bestimmungen für Transport (Temperaturführung, Überwachung z.B. in Gestalt von Geofencing) und Lagerbedingungen verschärft. Dies treibt die Kosten weiter nach oben. Es steht nun oftmals die Frage im Raum, ob solche Kostensteigerungen durch den verstärkten Einsatz spezialisierter Dienstleister aufgefangen oder zumindest abgemildert werden können.

Weiterhin ist festzuhalten, dass in die Wertschöpfung der pharmazeutischen Industrie mehrere Akteursgruppen eingebunden sind, die naturgemäß Partialinteressen verfolgen. Es wird also kaum Entwicklungen geben können, die alle Akteure gleichermaßen begrüßen. Zudem gilt die Pharmalogistik als Spezialgebiet, das aufgrund der spezifischen Anforderungen der Produkte, der Marktakteure und nicht zuletzt der öffentlichen Hand (z.B. Daseinsvorsorge) eine besondere Betrachtung verdient. Alles über einen Kamm zu scheren gilt hier als Fehleinschätzung!

Generell ist davon auszugehen, dass die gesetzlichen Anforderungen an die Logistik von Pharmaprodukten weiter ansteigen werden. Damit diese auch greifen, sollten unbedingt einheitliche Prüfsysteme nach GMP etabliert werden. Zudem sind mit einfachen Outsourcing-Entscheidungen die Kostensteigerungen infolge höherer Standards sicher nicht aufzufangen. Neben der Forderung nach Akzeptanz höherer Kosten - konsequenterweise auch bei den Endprodukten auf dem Markt - wird die Arbeitsteiligkeit weiter auf dem Prüfstand stehen. Einer Abnahme der Wertschöpfungstiefe bei Herstellern wird mit der Beauftragung deutlich stärker integrierter Logistikdienstleister verbunden sein. Hier lohnt es sich, Anleihen in der Inbound-Logistik der Automobilindustrie zu nehmen. Summa summarum: Es bleibt spannend!

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