Kritisches Wissen erhalten und effektiv nutzen
Leistungsfähigkeit stärken und Know-how sichern sind Kernaufgaben für jede Organisation – Prozessstandardisierung hilft
Autor: Fernando Cruzado und Joachim Krohn, Efeso Consulting

Im Rahmen des demografischen Wandels beeinträchtigt der Verlust von Fachkräften – und damit von Know-how – die Leistungsfähigkeit von Operations-Funktionen in der gesamten Chemieindustrie.
In einer Marktstudie von EFESO ordneten Führungskräfte der Branche dieses Thema als bedeutsam (53 %) oder sogar sehr bedeutsam (25 %) ein. Angesichts dieser Einschätzung sind weitere Ergebnisse der Untersuchung bemerkenswert: nur ein Drittel der Führungskräfte gibt an, dass ihr Unternehmen Systeme etabliert hat, mit denen es wichtiges Wissen und Erfahrungswerte erfasst und bewahrt.
Nach Ansicht der befragten Branchenführer ist das Management die wichtigste Instanz, um gegen den Verlust von Know-how anzugehen. Das beginnt mit der Schaffung eines Umfelds, in dem jeder im Unternehmen den Wert seiner Arbeit versteht. Dies wird durch standardisierte Arbeitsabläufe unterstützt, die den Mitarbeitenden die Möglichkeit geben, kritisch und kreativ zu denken. Zudem werden immer mehr Arbeitsprozesse digitalisiert und somit Ressourcen gewonnen, die für Verbesserungen zur Verfügung stehen.
Leistungsorientierte, optimal standardisierte Arbeitsprozesse sind heute eigentlich für Unternehmen unverzichtbar – und wenn sie richtig genutzt werden, sind sie „kein Hindernis für Kreativität“, sagt Lanny Duvall, COO von Solvay. „Wir möchten nicht, dass Mitarbeitende Zeit damit verbringen müssen, über den Standardbetrieb und die Wartung nachzudenken. Wir möchten, dass sie sich auf die Verbesserung des Prozesses konzentrieren. Standardisierte Arbeitsprozesse sind die Grundlage, und die Digitalisierung ist der Wegbereiter, um Kreativität in der Organisation zu aktivieren.“
Mitarbeitende rekrutieren und halten
Gerade, um vor dem Hintergrund des demografischen Wandels passende Talente für ein Schichtarbeitsumfeld zu finden, bietet Automatisierung eine Chance. Zum einen, da sich hierdurch Kosten signifikant reduzieren lassen; zum anderen, um interessantere Arbeitsinhalte schaffen zu können. Automatisierung muss jedoch in enger Abstimmung mit den Bedienern und Mechanikern erfolgen: „Die Automatisierung ermöglicht es uns, Ressourcen neu zuzuweisen. Wenn wir Kapazitäten in einem Bereich reduzieren, erweitern wir sie in einem anderen. Das steht aber der Rekrutierung oder Weiterbeschäftigung von Mitarbeitern nicht im Wege – für Ingenieure und Maschinen-/Anlagenbediener ist es aktuell ein guter Zeitpunkt, um in die Branche beruflich einzusteigen.“
Aber natürlich geht es nicht nur um Rekrutierung, sondern auch darum, im Arbeitsmarktwettbewerb bestehende Mitarbeiter zu binden. „Die Frage, wie viel institutionelles Wissen verloren gehen kann, wenn Mitarbeiter gehen, beschäftigt mich enorm“, sagt Chad Anderson, CTO und Leiter der Fertigung im Geschäftsbereich Indovinya von Indorama Industries. „Wir tun unser Bestes, damit das nicht passiert – und wenn wir die Leute nicht halten können, versuchen wir, ihr Wissen zu bewahren.“
Digitale Technologien nutzen und Know-how teilen
Die Fähigkeit zur richtigen Integration von Technologien, Methoden und Menschen spielt in diesem Kontext eine wichtige Rolle. J. Bryan Kitchen, Vorstandsvorsitzender von Ascent Industries, nennt dazu ein Beispiel: „Wir hatten aufgrund von Übernahmen drei verschiedene Anlagen, drei verschiedene Standorte und nur wenige Standards. Wir wussten, dass es kurzfristig wichtig war, die vorhandenen Talente sowie das institutionelle Wissen zu erhalten. Aber um langfristig in unseren jeweiligen Märkten wettbewerbsfähig zu bleiben, mussten wir alles, was wir tun, standardisieren, vereinfachen und verbessern.“ Das Unternehmen entschied sich, dies durch Digitalisierung zu erreichen. „Viele der Standardarbeitsanweisungen, Qualitätsprozesse, Qualifizierungsmaßnahmen und Compliance-Dokumentationen erfolgten noch auf Papier“, beschreibt Kitchen die Ausgangssituation. „Wir befanden uns nicht im 21. Jahrhundert.“ Zugleich betont er, dass die Digitalisierung nicht gleichbedeutend mit Personalabbau sei. „Wir haben unseren Personalkapazitäten in einer Zeit rückläufiger Marktentwicklungen sogar ausgebaut. Unsere Mitarbeiter wissen, dass unser Digitalisierungsprozess sie unterstützt, und sie lassen sich darauf ein.“
Diese Praxisbeispiele unterstreichen, wie wesentlich die Sicherstellung der Kontinuität von kritischem Wissen und Erfahrung für die Branche ist. Zugleich haben Unternehmen bereits die Chancen erkannt, die sich dabei ergeben, und ergreifen entsprechende Maßnahmen. So nutzen einige Unternehmen in ausgewählten Bereichen (z. B. im Qualitätsmanagement) AI-basierte Chatbots, um auf bereits existierendes Know-how in der Organisation zuzugreifen und somit schneller bessere Lösungen zu finden. Direkten Zugriff auf gesammeltes Unternehmenswissen zu erhalten – unabhängig von der Sprache und mit Verständnis des Kontextes – wird bedeutsame Möglichkeiten eröffnen.
Insgesamt zeigt sich deutlich, dass der Erhalt von Know-how und die Sicherung betrieblicher Kontinuität in der Chemieindustrie untrennbar mit einer Kombination aus zukunftsorientiertem Management, konsequenter Standardisierung und zielgerichteter Digitalisierung verbunden sind. Unternehmen stärken auf diesem Wege nicht nur ihre Kostenstruktur und Wettbewerbsfähigkeit, sondern schaffen zugleich ein Umfeld, in dem Talente bleiben und sich weiterentwickeln wollen.
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EFESO Management Consultants ist mit rund 1.000 Mitarbeitenden an 35 Standorten weltweit die führende internationale Operations-Beratung für die produzierende Industrie. Gemeinsam mit seinen Kunden setzt EFESO Standards für Performance, Resilienz und Produktivität und ermöglicht eine signifikante Wertsteigerung in der gesamten Wertschöpfungskette.

Fernando Cruzado
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