KI als Gamechanger
Wie künstliche Intelligenz die Arbeit von Biotech- und Pharmaunternehmen grundlegend verändert
Thorsten Schüller, CHEManager

In der Pharmabranche findet eine Revolution statt: Die Arzneimittelentwickler setzen mittlerweile in nahezu allen Entwicklungsstufen künstliche Intelligenz (KI) ein, um ihre Prozesse schneller und effizienter zu machen und neue Wirkstoffe zu finden. Gleichzeitig drängen zunehmend auch Technologiekonzerne in die Arzneimittelentwicklung mittels KI. Dadurch verändern sich die Spielregeln in der Medikamentenentwicklung deutlich. Ein Blick hinter die Kulissen von Pharmaforschung und -produktion.
Der Standort Penzberg des Schweizer Pharma- und Diagnostikkonzerns Roche liegt wie eine Insel rund 50 km südlich von München im Nonnenwald. Hier arbeiten rund 7.900 Beschäftigte an der Entwicklung und Produktion neuer Arzneimittel und Diagnostiktests. Sie setzen dabei bei vielen Tätigkeiten auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Die meisten haben ein Notebook, nutzen digitale Tools und zur Speicherung von Daten einen abgeschirmten Cloudbereich bei Google.
Inhalt:
Alte Mathematik, neue Rechenmöglichkeiten
Anna Bauer-Mehren ist bei Roche in Penzberg KI-Expertin für die Diagnostik- und Pharmaforschung und außerdem Mitglied im Bayerischen KI-Rat. Bereits vor 20 Jahren hat sie Bioinformatik studiert und dabei ihren Fokus auf KI und Real-World-Daten gelegt. Sie kennt die Mathematik hinter vielen biologisch-pharmazeutischen Modellen: „Die stammt aus den 1950er/60er Jahren. Lange Zeit konnte man das nicht rechnen.“ Es gab schlicht keine Computer, um bspw. große neuronale Netze durchrechnen zu lassen. Der Durchbruch kam erst viel später, nach 2010, durch GPUs, also Grafikkarten. Diese Chips sind darauf spezialisiert, viele einfache Rechnungen gleichzeitig auszuführen – genau das, was neuronale Netze brauchen.
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