27.05.2026 • Themen

Für mehr Farbe in der Architektur

Eisenoxidpigmente: seit 100 Jahren tonangebend bei modernen Produktionsstandards und nachhaltigen Anwendungen

Interview mit Michael Ertl, Lanxess

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Michael Ertl, Leiter Geschäftsbereich Inorganic Pigments, Lanxess
© Lanxess

Seit 100 Jahren werden Eisenoxidpigmente in Krefeld-Uerdingen hergestellt. Hier schlägt das „Herz“ des globalen Geschäfts mit anorganischen Farbpigmenten von Lanxess. Was 1926 als technisches Experiment begann, hat sich zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt. Seit dem Start 1926 haben mehr als 15 Mio. t das weltweit größte Werk für Farbpigmente auf Basis von Eisenoxid verlassen. Im CHEManager-Interview mit Michael Reubold erklärt Michael Ertl, Leiter des Geschäftsbereichs Inorganic Pigments bei Lanxess, wie er die Erfahrung eines Jahrhunderts nutzen will, um sich heute im wettbewerbsintensiven Markt zu behaupten.

CHEManager: Herr Ertl, seit 100 Jahren produziert Lanxess in Krefeld Eisenoxide nach einem Verfahren, das niemand sonst auf der Welt anwendet. Wieso vertrauen Sie so sehr darauf?

Michael Ertl: Der Erfinder unseres Verfahrens, Julius Laux, stellte sich damals eine Frage, die vor 100 Jahren selten gestellt wurde – heute aber aktueller ist denn je: Was wäre, wenn Abfall kein Abfall wäre? Ausgangspunkt war die Herstellung von Anilin aus Nitrobenzol und Eisenschrott; ein Prozess, der große Mengen Eisenoxid zurückließ. Laux blickte genauer hin und erkannte: Unter bestimmten Bedingungen entsteht ein Eisenoxid, das so farbstark und rein war, dass es das Potenzial zum hochwertigen Pigment hatte. Das Verfahren gilt noch heute weltweit als das nachhaltigste zur Herstellung von Eisenoxidpigmenten. Die Kreislaufnutzung von Metallabfällen, gekoppelt mit energieeffizienten Reaktionsschritten, macht den Laux-Prozess zu einem echten Vorreiter für moderne Produktionsstandards und ist noch heute der Grundpfeiler für den Erfolg unserer Pigmente.

Was sind die wichtigsten Anwendungsgebiete für Eisenoxide?

„Die Marktsituation ist gerade alles andere als rosig.“

M. Ertl: Eisenoxidpigmente begegnen jedem von uns im täglichen Leben. Das Farbspektrum reicht von Gelb über Rot, Braun bis Schwarz in mehr als 100 Farbnuancen. Mengenmäßig werden sie vielfach zur Einfärbung von Beton eingesetzt. In der Baubranche gilt unsere Marke Bayferrox ja schon als Synonym für Eisenoxidpigmente, ähnlich wie der Markenname Tempo für Taschentücher. In Pflaster- und Dachsteinen sowie in der Gebäudearchitektur kommt die Langlebigkeit und Witterungsbeständigkeit unserer Pigmente bestens zum Tragen. Natürlich haben wir auch viele Kunden aus der Farb- und Lackindustrie, ebenso in der Kunststoffbranche. In den letzten 100 Jahren haben wir an unserem Hauptstandort in Deutschland ganze 15 Mio. t Eisen­oxidpigmente hergestellt. Diese Menge würde ausreichen, um 215 Mrd. t Wandfarbe zu produzieren – genug, um die Fläche Deutschlands fünf Mal zu streichen.

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