Führung mit Augenmaß
Interview mit Felix Thalmann und Moritz Fichtmüller zum Generationenwechsel bei BÜFA

Das Oldenburger Familienunternehmen BÜFA ist in den Geschäftsfeldern Chemicals, Cleaning und Composites tätig. Im Rahmen eines frühzeitig geplanten Nachfolgeprozesses hatte der mittelständische Chemkalienhersteller und -distributor bereits im vergangenen Frühsommer die Weichen für einen strukturierten Übergang in der Geschäftsleitung gestellt. Nun übernimmt Moritz Fichtmüller die Position des Geschäftsführers bei BÜFA von Felix Thalmann, der seit über zehn Jahren die Geschicke der Gruppe geprägt hat und sich aus dem aktiven Berufsleben zurückzieht. Der Führungswechsel soll einerseits für Kontinuität stehen, zugleich aber auch neue Impulse geben. Michael Reubold befragte den alten und den neuen CEO gemeinsam.
Herr Thalmann, in den kommenden Jahren steht bei vielen Familien- und Mittelstandsunternehmen ein Generationenwechsel an. Sie haben bei BÜFA die Nachfolge in der Unternehmensführung langfristig geplant. Welche Ratschläge können Sie Unternehmen in einer ähnlichen Lage geben?
Felix Thalmann: Ein Generationenwechsel ist für jedes Familien- oder Mittelstandsunternehmen ein sensibler Moment – strategisch wie kulturell. Umso wichtiger ist es, diesen Prozess bewusst und vorausschauend zu gestalten. Ein Erfolgsfaktor ist dabei die professionelle Begleitung des Nachfolgeprozesses. Wir haben frühzeitig externe Expertise eingebunden, um die Suche und Auswahl strukturiert, objektiv und strategisch auszurichten. Umso mehr freut es mich, dass wir mit Moritz Fichtmüller eine sehr erfahrene Führungspersönlichkeit mit herausragenden Branchenkenntnissen für diese Aufgabe gewinnen konnten.
Zugleich haben wir den Prozess und die Übergabe transparent und frühzeitig kommuniziert. Belegschaft, Führungskräfte, Kunden und Lieferanten sollten offen und aktiv informiert werden. Das schafft Vertrauen und verhindert Unsicherheiten oder Gerüchte.
Ebenso entscheidend ist – wie wir es bei BÜFA derzeit praktizieren – ein strukturiertes Onboarding. Eine Übergangsphase, in der der Nachfolger den bisherigen Geschäftsführer begleitet, ermöglicht es, nicht nur formales Wissen zu übergeben, sondern auch implizites Know-how beispielsweise zu Unternehmenskultur, Entscheidungslogiken oder gewachsenen Netzwerken.
Gleichzeitig braucht es aber klare Rollen und einen eindeutig definierten Übergabepunkt. Eine Doppelspitze kann in einer Übergangsphase sinnvoll sein, sollte aber zeitlich begrenzt bleiben. Wichtig ist dabei, dass der bisherige Geschäftsführer bewusst loslässt und der Nachfolger schrittweise Verantwortung übernimmt.
Und nicht zuletzt sollte auch das Wissensmanagement systematisch angegangen werden. Im Rahmen einer Nachfolge darf keine „Blackbox“ entstehen, also weder eine intransparente Situation zurückbleiben noch eine Wissenslücke übergeben werden. Kritische Prozesse, strategische Leitlinien oder zentrale Kundenbeziehungen sollten dokumentiert und transparent zugänglich sein. Das reduziert Risiken und schafft Stabilität im Übergang.
Wenn diese Elemente zusammenspielen, wird ein Generationenwechsel nicht zur Belastungsprobe, sondern zu einer echten Chance für Kontinuität und Weiterentwicklung.
Herr Fichtmüller, Sie haben nun offiziell die Nachfolge von Felix Thalmann angetreten, nachdem Sie in den vergangenen Wochen eng mit ihm und dem BÜFA-Team zusammengearbeitet haben. Wie nehmen Sie das Unternehmen wahr?
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