Eine neue Ära der Eiweißproduktion
MicroHarvest will nachhaltige Proteine aus Agrarreststoffen im Chemiepark Leuna herstellen.
Autor: Steffen Höhne, Wirtschaftsjournalist

Die Hamburger Biotechfirma MicroHarvest stellt aus pflanzlichen Reststoffen Proteine her. Im Chemiepark Leuna soll bis Anfang 2028 eine industrielle Anlage gebaut werden, in der die Eiweißproduktion stark skaliert wird.
In der deutschen Chemieindustrie wird aktuell wenig investiert, Neuansiedlungen sind selten. Die geplante Investition des Hamburger Biotechnologie-Start-ups MicroHarvest im Chemiepark Leuna löst daher Aufmerksamkeit in der Branche aus.
Für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag baut das Biotechnologieunternehmen eine industrielle Produktionsanlage auf, um jährlich bis zu 15.000 t Protein per Biomassefermentation herzustellen. Verarbeitet werden dabei regionale Nebenströme der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft.
Im Gespräch mit CHEManager erläutert Jonathan Roberz, Co-Founder und COO von MicroHarvest, dass die globale Ernährung vor großen Herausforderungen stehe. „Rund ein Viertel der globalen Treibhausgasemissionen werden durch Lebensmittel verursacht“, so Roberz. Gleichzeitig steige der Bedarf an tierischen und pflanzlichen Proteinen. „Wir haben ein Verfahren entwickelt, um die steigende Nachfrage und den Klimaschutz miteinander zu verbinden und gleichzeitig zu einer resilienteren, verlässlicheren Proteinversorgung beizutragen, gerade vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen“, so der Gründer.
Roberz veranschaulicht das Problem: Eine Erbse bestehe zu rund 20 % aus Protein und zu einem großen Teil aus Kohlenhydraten. „Kohlenhydratreiche Pflanzen wie Getreide oder Zuckerrüben lassen sich vergleichsweise leicht anbauen“, sagt er. Diese könnten aber kaum den wachsenden Proteinbedarf decken.
Geistiges Eigentum als Wettbewerbsfaktor
Bei MicroHarvest landen Nebenströme aus der Agrarwirtschaft im Fermenter. Die Kohlenhydrate dienen Bakterien als Nahrung, wodurch sich diese explosionsartig vermehren. „Sie bilden eine Biomasse mit hohem Proteinanteil“, erklärt Roberz.
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