Biozide zwischen Regulierung und Innovationsdruck
Strengere Einstufungen in der EU schränken Verfügbarkeit ein, neue Wirkprinzipien könnten helfen
Schadorganismen sind in vielen industriellen und öffentlichen Anwendungen ein permanenter Risikofaktor. Sie beeinträchtigen Hygiene, Produktsicherheit, Prozessstabilität und Anlagenintegrität, etwa durch Biofilme, Fouling oder mikrobiell beeinflusste Korrosion. Biozide ermöglichen eine gezielte Kontrolle, wo organisatorische, mechanische oder thermische Maßnahmen allein nicht ausreichen. Gleichzeitig stehen Auswahl und Einsatz biozider Technologien heute stärker denn je unter regulatorischem Fokus.
Während Biozide in den 1990er Jahren in weiten Teilen noch ohne einheitliches EU-weites Zulassungsregime in Verkehr gebracht werden konnten, hat sich dies mit der Biozidprodukteverordnung (EU) Nr. 528/2012 (BPR) EU-weit harmonisiert. Ziel ist ein hohes Schutzniveau für Mensch, Tier und Umwelt sowie ein einheitlicher Binnenmarkt. Kern des Systems ist ein zweistufiger Ansatz: Zunächst wird ein Wirkstoff für definierte Produktarten (Product Types, PT) bewertet und genehmigt. Darauf aufbauend folgt die Zulassung der konkreten Biozidprodukte, die den Wirkstoff enthalten bzw. bereitstellen.
Inhalt:
BPR: Wirkstoffgenehmigung und Produktzulassung
Ein wesentliches Element ist das EU-Review-Programm, in dem „Bestandswirkstoffe“ und ihre jeweiligen Wirkstoff/PT-Kombinationen überprüft werden. Die Bewertung ist produktartspezifisch. Ein Wirkstoff kann daher je nach PT unterschiedlich beurteilt werden. Aus Sicht der Anwender bedeutet das: Die Verfügbarkeit einzelner Wirkstoffe hängt nicht nur vom Stoff selbst ab, sondern auch von der vorgesehenen Anwendung.
Der Status des Review-Programms (ECHA, Stand: 22. Mai 2026) zeigt, dass ein erheblicher Teil der gemeldeten Wirkstoff/PT-Kombinationen entweder nicht genehmigt wurde, zurückgezogen ist oder sich noch in Bearbeitung befindet (Grafik 1). Entsprechend ist davon auszugehen, dass sich das Portfolio verfügbarer Wirkstoffe in bestimmten Anwendungen weiter verengen wird. Für Anwender steigt damit die Bedeutung von frühzeitiger Substitution und einer vorausschauenden regulatorischen Beobachtung.
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