
Die Anforderungen an die CO2-Bilanzierung in der Chemielogistik haben sich mit der neuen Ausgabe des SQAS-Fragenkatalogs deutlich verschärft. Der Abschnitt zur Emissionsberechnung ist von rund zehn auf annähernd 60 Fragen angeschwollen. Erstmals sind auch Emissionen aus Tankreinigung, Tankheizung und den zugehörigen Leerfahrten als eigenständige Quellen auszuweisen. Ein Blick darauf, was das operativ bedeutet – und was sich aus einem ersten Audit-Zyklus unter der neuen Fassung ableiten lässt.
Das Safety and Quality Assessment System, kurz SQAS, ist in der europäischen Chemielogistik seit Jahren etabliert. Alle drei Jahre lassen Logistikdienstleister ihre Prozesse in einem nachweisbasierten Vor-Ort-Audit prüfen. Der Fragenkatalog für den Transportsektor umfasst rund 660 Fragen, ergänzt um gut 200 Fragen zum Unternehmen selbst sowie eigene Module etwa für Tankreinigung und Lager.
Bewertet wird nicht mit bestanden oder nicht bestanden. Jede bestätigte Anforderung ergibt einen Punkt, aus der Summe entsteht ein Ranking. Einkäufer der chemischen Industrie nutzen dieses Ranking als Vorauswahlkriterium. Wer unter einem bestimmten Wert liegt, kommt für eine Ausschreibung nicht in Betracht.
CO2-Bilanzierung war bereits in früheren Zyklen Teil des Katalogs. Verändert hat sich die Tiefe – und zwar gegenläufig zum allgemeinen Trend. Für die Ausgabe 2025 wurden über die vier Hauptmodule hinweg nach Angaben des Branchenverbands ECTA rund 30 Fragen gestrichen und etwa 60 zusammengeführt, um die Kataloge handhabbar zu halten. Der Abschnitt zur Emissionsberechnung wuchs zugleich erheblich. „Im Entwurf waren wir bei etwa zehn Fragen zum Thema CO2-Bilanzierung, im neuen Entwurf sind wir bei 60“, sagt André de Bruyn, Head of HSEQ beim Tanklogistiker Lanfer Logistik.
Angewendet werden die neuen Fragebögen seit dem 15. September 2025, die deutschsprachige Fassung des Transportmoduls erschien im Oktober. Für Unternehmen mit Audittermin im Februar oder März blieb damit ein knapper Vorlauf – zumal parallel weitere Auditprogramme liefen.
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