01.03.2012 • ThemenREAChVerband Chemiehandel (VCH)Köln

Round table 2007: Deutscher Chemiehandel zieht Bilanz

Carl Hugo Erbslöh, Präsident des Verband Chemiehandel
Carl Hugo Erbslöh, Präsident des Verband Chemiehandel

Round table 2007: Deutscher Chemiehandel zieht Bilanz

Reach und seine Folgen waren einmal mehr die vorherrschenden Gesprächsthemen beim Round table des Verband Chemiehandel (VCH) am 13. April 2007 in Köln. Doch die Branche ist bestens gerüstet: Im Jahr 2006 verbuchte der Chemiehandel ein zweistelliges Umsatzplus und stellte seine Leistungsfähigkeit bei zahlreichen Produktionsausfällen unter Beweis. Dr. Birgit Megges berichtet vom Gespräch mit dem VCH-Vorstand.

„2006 war ein Jahr mit guten Ergebnissen für den deutschen Chemiehandel“, kommentierte Carl Hugo Erbslöh, Präsident des VCH, die Bilanz der Branche für das vergangene Jahr. 2006 steigerte der deutsche Chemikalien- Groß- und Außenhandel seinen Umsatz um 11,3% auf rund 11 Mrd. €. Dabei erzielte der lagerhaltende Platzhandel einen Umsatzzuwachs um 9,7% auf 3,56 Mrd. €. Die Umsätze des Außen- und Spezialitätenhandels stiegen um 12,1% auf 7,37 Mrd. €, davon wurden 3,47 Mrd. € von Tochterunternehmen im Ausland erzielt (+13,4 %).

Die Zuwachsraten sind jeweils etwa zur Hälfte auf Mengensteigerungen bzw. auf die Preisentwicklung bei den Rohstoffen zurückzuführen. „So viele Force Majeure- Erklärungen wie 2006 hat es in den letzten 25 Jahren nicht gegeben. Dies gab dem deutschen Chemiehandel die Möglichkeit, sich von seiner besten Seite zu zeigen“, blickt Uwe Klass, Vorsitzender des Fachausschusses Binnenhandel, auf das vergangene Jahr zurück. Dank seiner Flexibilität und Kontakte sowie die Lagerhaltung vor allem von Lösemitteln – die primär betroffen waren – sorgte der Chemiehandel dafür, dass es trotz Produktionsausfällen zu keinen Engpässen beim Endverbraucher kam.

Die konjunkturelle Entwicklung im Jahr 2006 und im ersten Quartal 2007 dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die strukturellen Anpassungs- und Abwanderungsentwicklungen in der deutschen Industrie fortsetzten und der lagerhaltende Chemikaliengroßhandel seine Marktposition nur dann behaupten könne, wenn er seine Handelsund Dienstleistungsfunktionen für Chemieproduzenten und Chemikalienverbraucher kontinuierlich weiterentwickele, warnt der VCH-Vorstand. Dazu wird in Logistik und IT, insbesondere aber in der Qualifikation des Personals investiert. Nach mehreren Jahren stieg die Zahl der Mitarbeiter in der Branche erstmals wieder leicht an, um 1,8% auf 4773.

Neben konjunkturellen und strukturellen Herausforderungen wird die Branche mit Reach, als dem bisher umfangreichsten und komplexesten EU-Gesetzgebungswerk, konfrontiert. „Durch Reach werden enorme Kosten auf uns zukommen. Vor allem der Importhandel ist benachteiligt“, so Carl Hugo Erbslöh, „Der Import wird über die Kosten blockiert. Die Auswirkungen können wir heute noch gar nicht abschätzen.“ Sicher ist, dass Reach nicht nur den Importhandel vor existenzielle Herausforderungen stellen, sondern für die gesamte Branche eine neue Qualität und Intensität der Kommunikation mit Lieferanten und Kunden erfordern wird. „Der Chemiehandel ist die Kommunikationsschnittstelle zwischen Kunden und Lieferanten. Wir sehen uns als Partner unserer Kunden, um die Probleme zu bewältigen“, fügte Robert Späth, stellvertretender Präsident des VCH hinzu.

Trotz der absehbar hohen finanziellen Belastung durch Reach gab der VCH-Vorstand nach dem guten Start eine positive Prognose für das Jahr 2007. Aber die Kosten, die durch Reach entstehen, werden erst in den Jahren, in denen die Registrierung ansteht, zum Tragen kommen.

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