Multimodularer Ansatz für die großindustrielle Wasserstoffproduktion
Mit über 50 Jahren Erfahrung in der industriellen Chlor-Alkali-Elektrolyse nutzt Asahi Kasei sein umfangreiches Material- und System-Know-how für die großindustrielle Wasserstoffproduktion.
Sebastian Schmidt, Strategic Marketing Manager, Asahi Kasei Europe GmbH

Das japanische Technologieunternehmen verfolgt dabei einen multimodularen Ansatz mit mehreren alkalischen Wasserelektrolyseuren (AWE) mit einer Leistung von jeweils 10 MW. Pilotprojekte in Fukushima und Kawasaki belegen die hohe Zuverlässigkeit und Effizienz der Technologie unter realen Betriebsbedingungen mit schwankender Energieversorgung aus erneuerbaren Energiequellen. Mit der Kommerzialisierung seiner Systeme seit 2025 positioniert sich Asahi Kasei als wichtiger Anbieter von skalierbaren, sicheren und nachhaltigen Wasserstofflösungen.
Von der Chlor-Alkali-bis zur Wasserstoffelektrolyse
Asahi Kasei verfügt über ein halbes Jahrhundert Erfahrung in der industriellen Chlor-Alkali-Produktion. Das Unternehmen ist einer der weltweit führenden Hersteller von Ionenaustauschmembranen (IEM), Zellen und Zellrahmen. Als Komplettanbieter liefert Asahi Kasei dabei alle Kernkomponenten – von Elektroden, Zellen, Membranen und Zellrahmen bis hin zu kompletten Elektrolyseursystemen und digitalen Kontrollsystemen.
Dieses bewährte Know-how bildet die technologische Grundlage für die Entwicklung hocheffizienter alkalischer Wasserelektrolyseure unter dem Markennamen Aqualyzer.
Praxistests unter realen Bedingungen
Seit 2020 betreibt Asahi Kasei eine 10-MW-Pilotanlage im japanischen Namie, die mit Strom aus einem benachbarten 20-MW-Solarpark versorgt wird. Ziel des Projekts ist es, die Langzeitstabilität und Effizienz des Systems unter realen Bedingungen zu validieren. Nach mehr als 14.000 Betriebsstunden hat sich die hohe Zuverlässigkeit des Elektrolyseurs bestätigt. Das System hat damit seine Eignung für den Dauereinsatz in der industriellen Wasserstofferzeugung unter Beweis gestellt.
Ein zweites Pilotprojekt wurde 2024 in Kawasaki, in der Nähe von Tokio gestartet. Dort testet Asahi Kasei erstmals seinen multimodularen Ansatz unter kommerziellen Bedingungen: Vier Testmodule mit jeweils 0,8 MW (Gesamtleistung 3,2 MW, max. 465 Nm³/h Wasserstoff), die Zellen und Membranen in derselben Größe wie in kommerziellen Anlagen verwenden, werden hier parallel betrieben. Das Projekt untersucht die Langzeitbeständigkeit der Komponenten, wie die Module auf variable Stromlieferungen von Photovoltaik- und Windkraftanlagen reagieren und wie effizient sie bei häufigem Start-Stopp-Betrieb arbeiten.
Das zentrale Element ist das Multi-Modul-Steuerungssystem (MMCS), das die Energieverteilung flexibel steuert. Dadurch kann die Wasserstoffproduktion dynamisch an den verfügbaren Strom angepasst werden. Nach mehr als 5.000 Stunden Dauerbetrieb haben sich die Module als äußerst robust und effizient erwiesen.
Die aus beiden Pilotprojekten gewonnenen Daten bilden die Grundlage für den nächsten Schritt: Wasserelektrolyseanlagen mit einer maximalen Leistung von 100 MW pro Anlage, bestehend aus bis zu zehn parallel geschalteten 10-MW-Modulen, die 20.000 Nm³/h Wasserstoff produzieren. Die Anzahl der Module kann angepasst werden, was eine vollständige Flexibilität entsprechend den Kundenanforderungen ermöglicht.


Synergien und neue Produktionskapazitäten
Zusätzlich zu den 10-MW-Modulen erweiterte Asahi Kasei 2024 seine Produktpalette um containergroße Elektrolyseure seines italienischen Partners De Nora. Diese Drucksysteme sind auf kleinere industrielle und gewerbliche Anwendungen zugeschnitten. Sie folgen dem Plug & Play-Prinzip und ermöglichen Unternehmen ohne Erfahrung in der Wasserstofferzeugung einen einfachen Einstieg. Dies erweitert nicht nur Asahi Kaseis Portfolio, sondern macht es auch flexibler – von dezentralen bis hin zu großen Industrieanlagen.
Im Rahmen seiner strukturellen Umgestaltung gab das Unternehmen im Oktober 2025 bekannt, dass es die Zell- und Membranproduktion an seinem Standort in Kawasaki ausweiten werde. Ab 2028 werden die neuen Produktionskapazitäten sowohl für die Chloralkali- als auch für die AWE-Technologie genutzt werden. Durch die Erweiterung werden die jährlichen Kapazitäten für Zellen und Membranen auf jeweils mehr als drei Gigawatt erhöht und Synergien zwischen dem etablierten Chloralkaligeschäft und dem neuen Wasserstoffgeschäft geschaffen. Der Standort entwickelt sich damit zu einem zentralen Produktions- und Innovationszentrum für nachhaltige Elektrolysetechnologien.
Zusammenfassung
Das Wasserstoffgeschäft ist ein wichtiger Wachstumsbereich für Asahi Kasei. Der Beginn der Kommerzialisierung im Jahr 2025 war ein Meilenstein in der Strategie des Unternehmens. Erste Anwendungen werden voraussichtlich im Bereich der Wasserstofftankstellen für Lkw und Pkw sowie in der industriellen Wasserstoffproduktion für Ammoniakrohstoffe, Flug- und Schiffskraftstoffkomponenten und Raffinerieprozesse zu finden sein.
Mit seiner multimodularen Strategie, jahrzehntelanger Erfahrung und einem klaren Fokus auf industrielle Skalierbarkeit positioniert sich Asahi Kasei als wichtiger Akteur auf dem globalen Wasserstoffmarkt. Die Kombination aus bewährter Chloralkalitechnologie, innovativen Elektrolyseursystemen und flexiblen Produktionslösungen schafft die Grundlage für eine zuverlässige, sichere und wirtschaftlich tragfähige Wasserstoffwirtschaft der Zukunft.
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