04.06.2012 • Themen

Forscher ordnen Nanopartikel wie „Riesen‐Atome“ an

Wissenschaftler des INM - Leibniz Institut für Neue Materialien haben herausgefunden, dass sich bestimmte Nanopartikel zu Gruppen anordnen, als wären sie Atome. Wie die Atome von Metallen oder Edelgasen bilden sie dabei je nach Anzahl ganz bestimmte Formen. Durch ihren Fund können die Forscher jetzt genau definierte Gebilde aus Nanopartikeln herstellen. Normalerweise bilden Nanopartikel eher ungeordnete, oft ziemlich lockere, fusselige Klumpen. Die Forscher gehen davon aus, dass dieses unerwartete Verhalten von der Kleinheit der Nanoteilchen herrührt: „Wir nehmen an, dass sich Nanoteilchen mit einer Größe von nur 6 nm ähnlich verhalten, wie Atome: Sie bewegen sich schnell, stoßen aneinander und ziehen sich an", erklärt Tobias Kraus, Leiter des Programmbereichs Strukturbildung auf kleinen Skalen. Deshalb könnten sie sich auch beinahe so ordentlich anordnen wie Atome.

Je nach Anzahl der Nanoteilchen können die Wissenschaftler nun voraussagen, welches dreidimensionale Gerüst die Partikel ausbilden. „Stellen Sie sich vor, dass solche Ansammlungen, sog. Cluster, mit 20 Teilchen wie eine Kugel aussehen, während 40 Teilchen sich eher wie ein Würfel anordnen und 60 Teilchen wie eine Pyramide", erklärt der Materialwissenschaftler und Chemie‐Ingenieur. So lassen sich gezielt Formen herstellen, indem man die Menge der Nanopartikel vor dem Herstellungsprozess festlegt. „Weil Nanopartikel als Kugel andere Eigenschaften haben, als Nanopartikel in Form eines Würfels, können wir mit der Anzahl der Teilchen gezielt Einfluss auf die Eigenschaften nehmen", sagt Kraus, „Ein eher länglicher Cluster passt beispielsweise durch die Poren eines Filters, obwohl er mehr Partikel enthält als ein kugelförmiger Cluster".

Die Wissenschaftler nutzen ein weit verbreitetes Prinzip, um die Nanopartikel in diese hochgeordnete Struktur zu zwingen. Dazu müssen die  Goldnanopartikel alle gleich groß sein, was mit einem klassischen Verfahren gelingt: Die Forscher lösen kleine Goldbarren in konzentrierter Säure auf, verbinden das gelöste Gold mit organischen Molekülen und fügen oberflächenaktive Substanzen hinzu. Aus diesem Gemisch erhalten sie durch Erhitzen die Nanopartikel in einer Größe von sechs Millionstel Millimeter. Sie schwimmen in Öl, das die Forscher in kleine Tropfen zerteilen. Jeder Tropfen enthält mehrere Nanopartikel. „Wenn diese Tröpfchen verdunsten, bleibt für die Nanoteilchen immer weniger Platz und sie rücken sozusagen geordnet aneinander und bilden die geordneten Cluster aus", fasst Kraus zusammen.

In Zukunft will das Team verschiedene Partikel in die Cluster einbauen, von denen jedes eine andere Aufgabe hat. Damit sei der erste Schritt zu einer mikroskopischen Maschine getan.

Anbieter

INM - Leibniz-Institut für Neue Materialien

Am Stadtwald Geb. D2 2
66123 Saarbrücken

Kontakt zum Anbieter







Innovation Pitch

Die Start-up-Plattform für Chemie und Biowissenschaften
Entdecken Sie die Innovatoren von morgen

Die Start-up-Plattform für Chemie und Biowissenschaften

CHEManager Innovation Pitch unterstützt Innovationen in der Start-up-Szene der Chemie- und Biowissenschaften. Die Plattform ermöglicht es Gründern, Jungunternehmern und Start-ups, ihre Unternehmen der Branche vorzustellen.

From Lab to Market Challenge

Jetzt abstimmen: Die besten Chemie-Start-ups Deutschlands
Wählen Sie Ihren Favoriten unter den Finalisten

Jetzt abstimmen: Die besten Chemie-Start-ups Deutschlands

Die „From Lab to Market Challenge" bringt die vielversprechendsten Gründerteams aus Chemie, Materialwissenschaften und industrieller Biotechnologie zusammen. Ab dem 1. Juni können Sie auf CHEManager.com öffentlich über die Finalisten abstimmen – bevor die Preisverleihung mit 10.000 Euro Preisgeld am 25. Juni entschieden wird.

Meist gelesen

Photo

Pioniere aus Tradition

Interview mit Peter Friesenhahn, CEO von Haltermann Carless, über die Ziele des Transformationsprogramms RACE und seine Pläne für das Unternehmen.

Photo

Vorsprung durch Forschung

Wacker baut seine Forschungsaktivitäten aus. Der Münchner Chemiekonzern hat einen zweistelligen Millionenbetrag in ein neues Biotechnology Center in der bayerischen Landeshauptstadt investiert.

Photo

Single-Site Excellence

Interview mit Frank Wegener und Jörg Blumhoff, ESIM Chemicals, über die Wettbewerbssituation und ihre künftige Strategie im weltweiten CDMO-Markt.