09.09.2026 • Themen

Chemiedistributor C.H. Erbslöh feiert 150 Jahre Firmengeschichte

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Christopher Erbslöh, Geschäftsführer, C. H. Erbslöh
© Erbslöh

Seit der Gründung als Großhandel mit Chemikalien wie Sodaprodukten, Salzen, Chlorkalk und Säuren 1876 in Düsseldorf versteht sich die Firma C.H. Erbslöh als Bindeglied zwischen Rohstoffherstellern und der Industrie. Anfangs belieferte das Unternehmen nur die chemische Industrie mit Rohstoffen, doch im Laufe der Jahrzehnte verbreiterte sich das Portfolio und der Schwerpunkt verschob sich auf die weiterverarbeitende Industrie. Heute, 150 Jahre später, gehört C.H. Erbslöh mit Hauptsitz in Krefeld zu den führenden deutschen Spezialchemiedistributoren und verfügt als Gründungsmitglied der LEL-Allianz über ein europaweites Netzwerk. Geschäftsführer Christopher Erbslöh spricht im CHEManager-Interview über  die Meilensteine der Firmengeschichte und die Erfolgsfaktoren für das mittelständische Unternehmen.

CHEManager: C.H. Erbslöh blickt auf eine 150-jährige Firmengeschichte zurück. Welchen Ereignissen oder Entscheidungen messen Sie die größte Bedeutung bei, um sich in 150 Jahren nicht nur zu behaupten, sondern sich erfolgreich weiterzuentwickeln?

Christopher Erbslöh: Den Geschichten und Legenden nach, haben sich die Familie und das Unternehmen immer auf das konzentriert, was sie am besten konnten, und haben in Krisenzeiten immer schnell reagiert. Vielleicht hört sich das etwas profan an. Ich denke aber, es ist das, was uns ausmacht. Über die Generationen blieb die Distribution immer konzentriert in einem kleinen Gesellschafterkreis, während Produktion, Mienen und andere Beteiligungen konsequent verkauft oder an andere Familienmitglieder abgegeben wurden. So sind wir kein Mischkonzern geworden, sondern ein agiles und flexibles Distributionsunternehmen, das auf Kunden und die Bedürfnisse des Markts konzentriert ist und schnell reagieren kann.

„Krisen sehe ich als Chance
für positiven Wandel."

In der jüngeren Geschichte hatte die Entscheidung, sich auf Anwendermärkte zu fokussieren, und – schon Anfang der 1990er Jahre – Labore für verschiedene Anwendung sowie Applikations-Know-how aufzubauen, eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Unternehmens. Drüber hinaus hat mein Vater, Carl Hugo IV., schon sehr früh Europa als einen Binnenmarkt begriffen und als einer der ersten Spezialchemie-Distributoren, angefangen, Standorte in ganz Europa aufzubauen. Das war der Grundstein für das europäischen Unternehmen, welches wir heute sind.

Was zeichnet Ihr Unternehmen als einen typischen Vertreter eines mittelständischen Familienunternehmens im Chemikalienhandel aus, welche Werte prägen Ihre Firmenphilosophie und was erachten Sie als entscheidend für den Unternehmenserfolg?

C. Erbslöh: Als anwendungsfokussierter Distributor für Spezialitäten, sind wir kein atypischer Vertreter des Chemikalienhandels. Was uns aber mit vielen familiengeführten Mittelständlern der Branche verbindet, ist unser Bezug zu den Mitarbeitenden und unseren Standorten. Der ist doch sehr viel persönlicher und wertschätzender als es vielleicht in großen, börsennotierten Unternehmen möglich ist. Unser Erfolg ist nicht nur eine Summe von guten, unternehmerischen Entscheidungen, sondern der Erfolg von vielen großartigen Menschen, die das Unternehmen Tag für Tag mir Ihrem Einsatz und Ihren Entscheidungen prägen. Gemeinsam wollen wir unsere Firmenkultur und -philosophie für die nächsten Generationen bewahren und Lösungen für unsere Partner und Kunden finden, die allen in der Lieferkette einen Mehrwert schaffen.

Chemiedistributor C.H. Erbslöh feiert 150 Jahre Firmengeschichte
© C.H. Erbslöh

C.H. Erbslöh ist inzwischen über den Heimatmarkt Deutschland hinaus aktiv und verfügt über Tochtergesellschaften und Beteiligungen in mehreren europäischen Ländern. Zudem wurde 1999 gemeinsam mit Partnern die LEL-Allianz, die European Alliance of Technical Distribution Specialists, gegründet. Welche Rolle spielen solche Partnerschaften und der europäische Markt für Ihre Wettbewerbsfähigkeit?

C. Erbslöh: Für uns war es der beste Weg – ohne Investorengeld – in den größeren europäischen Märkten Fuß zu fassen und zu wachsen. In unserer Welt, in der Produkte nicht nur nach Spezifikation, Preis und Verfügbarkeit verkauft werden, sondern technische Probleme gelöst und Innovationen geschaffen werden, und Kunden nicht mehr an einen geografischen Standort gebunden sind, ist diese Partnerschaft unerlässlich, um in ganz Europa den gleich hohen Service anbieten zu können. Nicht nur für unsere Kunden, sondern auch für unsere Lieferanten ist dies heute ein entscheidendes Kriterium.

Die letzten Jahre sind geprägt von Krisen und ihren Auswirkungen auf die chemischen Lieferketten. Wie hat sich Ihre Rolle als Partner von Chemikalienproduzenten und -verarbeitern dadurch verändert und wie erfüllen Sie die wachsenden Anforderungen Ihrer Partner?

„Unser Produktportfolio befindet sich im stetigen Wandel und bietet deshalb auch Wachstumschancen."

C. Erbslöh: Krisen sehe ich als Chance für positiven Wandel. Wir fragen uns: Warum sind wir in einer Krise? Was können wir besser machen, um ihr zu begegnen? Und wie verhindern wir die negativen Auswirkungen einer solcher Krise in der Zukunft? Die Antworten auf die Fragen helfen uns, uns weiterzuentwickeln, robuster zu werden und unseren Kunden und Lieferanten Lösungen anzubieten, die uns alle krisenfester machen. Wir können so agieren, weil wir uns über die Jahrzehnte auf das konzentriert haben, was wir am besten können: uns in Krisenzeiten auf die eigentlichen Probleme zu fokussieren, anstatt viele ganz verschiedene Brandherde bekämpfen zu müssen.

Was sind die größten Herausforderungen für ein Unternehmen wie C.H. Erbslöh?

C. Erbslöh: Herausforderungen sehe ich in der Schnelllebigkeit unsere Zeit und den wachsenden regulatorischen Anforderungen. Dafür sind wir heute gut aufgestellt und meine Familie hat über Generationen hierfür die richtigen Entscheidungen getroffen. Meine Aufgabe besteht nun darin, es genauso fortzuführen. Die größte Herausforderung dabei ist, das richtige Maß zwischen konsequentem Wandel und dem Respekt für die Historie und die Lebensleistung aller Mitarbeitenden zu finden.

Wo sehen Sie Wachstumschancen und wie wollen Sie Ihr Produkt- und Dienstleistungsportfolio weiterentwickeln, um diese zu nutzen?

C. Erbslöh: Zusammen mit unseren LEL-Partnern sind wir in unserem Segment schon weit vorne in Europa. Wir haben aber noch einige Länder, in denen wir unsere Präsenz oder unsere Kompetenzen in der anwendungstechnischen Beratung verbessern müssen. Dies zu ändern, steht ganz oben auf unserer Agenda.

Unser Produktportfolio befindet sich im stetigen Wandel und bietet deshalb auch immer Wachstums­chancen. Wenn es das nicht tun würde, würden wir eines Tages keine Spezialitäten mehr anbieten können.

Werfen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie sehen Sie C.H. Erbslöh in zehn Jahren positioniert?

C. Erbslöh: In zehn Jahren bietet die C.H. Erbslöh Gruppe zusammen mit ihren LEL-Partnern in den Bereichen Life Sciences sowie Industrials allen Kunden in Europa und internationalen Lieferanten für Spezialitätenrohstoffe und Spezialchemie die perfekte Symbiose aus anwendungstechnischer Beratung und optimaler Lieferkettensteuerung mit einer Mischung aus modernen Offline- sowie Onlineservices. 

So wie es zurzeit aussieht, werden wir dann aber leider einer der letzten verbleiben Distributoren in Privatbesitz, mit paneuropäischer Reichweite sein. 

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Christopher Erbslöh

Christopher Erbslöh, 44 Jahre, stieg nach seinem Studium für Wirtschaft und strategisches Management in England, den USA und Spanien, nach einer Station als Unternehmensberater in Mexico, 2009 in das Familienunternehmen ein. Nach einer Zeit im Vertrieb Kosmetik und Life Sciences trat er 2011 in die Geschäftsleitung ein und führte das Unternehmen bis zum Renteneintritt seines Vaters, Ende 2018, gemeinsam mit ihm.

© C.H. Erbslöh

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