IGBCE kritisiert Stellenabbau bei BioNTech
BioNTech plant, die Produktionsstandorte in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie an den Standorten von CureVac zu schließen, wovon insgesamt bis zu rund 1.860 Stellen betroffen sein könnten.
Die Schließung der Standorte in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen ist bis Ende 2027 geplant, während der Betrieb in Singapur voraussichtlich im ersten Quartal 2027 eingestellt wird. Für jeden Produktionsstandort lotet BioNTech Veräußerungsoptionen aus, einschließlich eines teilweisen oder vollständigen Verkaufs. Die Pharma- und Biotech-Gewerkschaft IGBCE kritisiert den geplanten Kahlschlag bei BioNTech als gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit und Frontalangriff auf die Beschäftigten.
Beim Mainzer Biotech-Unternehmen wird erwartet, dass nach vollständiger Implementierung der Maßnahmen im Jahr 2029 potenziell wiederkehrende jährliche Einsparungen von rund 500 Mio. EUR erreicht werden. Diese Einsparungen sollen das Unternehmen insoweit unterstützen, als dass sie entsprechend der Kapitalallokation die wachsende Onkologie-Pipeline weiter in Richtung Kommerzialisierung vorantreiben.
Dazu sagt der Leiter des IGBCE-Landesbezirks Rheinland-Pfalz-Saarland, Roland Strasser: „Im Konzern haben offenbar endgültig die Rechenschieber das Regiment übernommen. Aus kurzfristigem finanziellem Kalkül streichen sie radikal Produktionskapazitäten zusammen und schaden damit der Resilienz des Pharma- und Biotech-Standorts Deutschland.“ Eine solche Selbstverzwergung dürften Politik und Gesellschaft nicht einfach achselzuckend zur Kenntnis nehmen.
Jahrelang war BioNTech ein Vorzeigeunternehmen. Bahnbrechende mRNA-Forschung siegte über die Corona-Pandemie. Nun sollen fast 2000 Arbeitsplätze vernichtet und die Standorte in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz), Marburg (Hessen) und Tübingen (Baden-Württemberg) geschlossen werden. Unklar ist, welche Folgen das für die Zentrale in Mainz haben wird. „Die Forschung als Herzstück des Unternehmens darf nicht angetastet werden", so Strasser.
Den Standort in Marburg hatte BioNTech 2020 vom Schweizer Pharma-Konzern Novartis übernommen. Die Beschäftigten dort arbeiten nach Chemie-Flächentarifvertrag. Von Marburg aus wurde die Bevölkerung mit dem Corona-Impfstoff des Unternehmens versorgt. „Nun lässt BioNTech seinen wichtigen Produktionsstandort und die Beschäftigten fallen wie eine heiße Kartoffel“, kritisiert die Leiterin des IGBCE Landesbezirks Hessen-Thüringen, Sabine Süpke. „Das trifft den gesamten Pharmastandort Marburg ins Herz, wo bereits andere Unternehmen Personalabbau angekündigt haben.“
Auch für die Beschäftigten bei Curevac in Tübingen bedeutet die Schließung ihres Standorts einen tiefen Einschnitt. Den früheren Konkurrenten hatte BioNTech erst vor wenigen Monaten übernommen. „CureVac war bereits in den vergangenen Jahren durch mehrere Personalabbauprogramme stark gebeutelt", sagt Catharina Clay, Landesbezirksleiterin der IGBCE in Baden‑Württemberg. „Der Kauf durch BioNTech wirkt vor diesem Hintergrund wie ein Schritt zur Beendigung der Patentstreitigkeiten auf Kosten der Beschäftigten."
„Für viele BioNTech-Mitarbeitende zerplatzt gerade eine Zukunftsvision“, so Strasser. Nun zeige das Unternehmen sein wahres Gesicht: Rendite vor Mensch, Bilanz vor Verantwortung, Aktionärsinteressen vor gesellschaftlichem Auftrag. „Die Menschen, die BioNTech aufgebaut und uns aus der Corona-Pandemie geholfen haben, sollen jetzt abserviert werden. Das ist ein Schlag ins Gesicht jeder und jedes Einzelnen.“
In der Corona-Krise der letzten Jahre hatte BioNTech Milliarden verdient und Millionen Euro an staatlicher Unterstützung erhalten. „Jetzt wird skrupellos Produktion geopfert, um die Aktionäre zu beeindrucken“, so Strasser. Gleichzeitig kündigt das Unternehmen ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm an. „Das muss den Beschäftigten wie Hohn vorkommen."












