Was im Unternehmen keiner sagt
Storylistening: So wird das „große Schweigen“ durchbrochen
Autor: Anne M. Schüller, Management Consulting

Ein Unternehmen kann nur dann die Zukunft erreichen, wenn es die wahren Ursachen für bestehende Hemmnisse und Blockaden kennt. Denn nur dann kann es die richtigen korrigierenden Maßnahmen ergreifen. Doch auf den Vorderbühnen, wo also das „Offizielle“ gesagt wird, werden die Manager solche Wahrheiten nicht erfahren. Storylistening ist ein Ausweg aus diesem Dilemma.
Aus vielerlei Gründen präferieren Mitarbeitende wohlgesonnene Chefs. So wird es unter Machtbedingungen keine ehrlichen, sondern stets erwünschte Antworten geben. „Das sag ich dem Chef lieber nicht“ ist in vielen Unternehmen ein geflügeltes Wort. Wer aus Angst falsche Angaben macht oder Schlamassel unter den Teppich kehrt, weil er mit Repressalien rechnen muss, was oft passiert, führt das Management in die Irre.
„Good News Bias“ nennt sich das Phänomen. Informationen werden gefiltert, Risiken werden verschwiegen, Probleme werden geschönt, Unerfreuliches wird zurechtgebogen. So werden die „Oberen“ schließlich zu denen, die am wenigsten wissen, was im Unternehmen und draußen am Markt tatsächlich läuft. Das Ergebnis? Falsche Entscheidungen werden getroffen und die Firma biegt in falsche Richtungen ab.
Mitarbeiterzufriedenheitsumfragen: eher ungeeignet
Durch Mitarbeiterzufriedenheitsbefragungen bekommt man kaum die Wahrheit heraus. Solche Umfragen geben, auf Basis unternehmenseigener Hypothesen, Antworten zum Ankreuzen vor. Durch geeignete Fragestellungen werden willkommene Ergebnisse hervorgebracht. Statt wertvolle, tiefgründige, weiterbringende Darlegungen von den Mitarbeitenden herauszukitzeln, werden diese zu Kreuzchenmachern degradiert.
Die dahinterliegenden Wahrnehmungen und vor allem die sie begleitenden Emotionen bleiben verborgen. Das ist wie beim Fiebermessen: Man erhält zwar eine Zahl, doch was die Ursachen für anhaltendes Kranksein sind, wird oft zum reinsten Ratespiel. Zudem dauert der gesamte Prozess solcher Befragungen von der Konzeption bis zur Bekanntgabe der Ergebnisse viel zu lange, um im Ernstfall rasch gegenzusteuern.
In offiziellen internen Berichten steht nie die Wahrheit
Ganz abgesehen von der Zeitverschwendung steht in internen Berichten nie die ganze Wahrheit. Darin geht es vor allem um Zahlen, Daten und Fakten. Berichte sind strukturiert und ergebnisorientiert. Sie erscheinen objektiv und neutral. Doch das sind sie nicht. Kein Bericht beschreibt aufrichtig und unverfälscht, was sich in der Firma tatsächlich tut. Denn leider werden sie oft ein wenig „frisiert“.
Kennziffern werden aufpoliert, Grafiken zurechtgebogen, Genehmes wird verstärkt, Unangenehmes fällt unter den Tisch. In Projektübersichten werden Fakten bereinigt, damit die dazugehörigen Statusampeln auf grün springen können. Denn bei grün gibt’s Goodies, bei rot hingegen gibt’s Ärger. Willkommene Daten und erwünschte Wirklichkeiten bringen Punkte beim Chef. Und das ist natürlich verlockend.
Zudem umgeben sich viele, die es nach oben geschafft haben, gern mit Opportunisten, mit Autoritätshörigen, mit Claqueuren, Günstlingen und genehmen Beratern. So unterdrücken sie jegliches Korrektiv. Nicht, was der Chef wissen muss, sondern nur noch, was er hören will, dringt dann zu ihm durch. Dabei ist oft gerade das nicht Gesagte elementar, weil es wie ein Frühwarnsystem auf drohende Gefahren verweist.
Die wahren Gründe für Leistungshemmnisse finden
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