26.05.2026 • Themen

Verkaufen statt entsorgen

Start-up aus Bonn entwickelt Vermittlungsplattform für Restmengen überschüssiger Chemikalien

ChemShare wandelt überschüssige Chemikalien in neue Einnahmen um.
ChemShare wandelt überschüssige Chemikalien in neue Einnahmen um.
© markobe - AdobeStock

ChemShare verwandelt Restmengen von Chemikalien in neue Einnahmequellen. Das Bonner Start-up bietet einen sicheren Handelsweg für überschüssige chemische Produkte von wenigen Milligramm bis zu 500 Kilogramm und hilft Unternehmen so, die kostspielige Entsorgung oder Lagerung zu vermeiden. CHEManager befragte die Gründer Detlef Klomfass und Patrick Singler zu ihrer Motivation und den Plänen und Zielen für ChemShare.

CHEManager: Wann und wie begann die Geschichte von ChemShare, welche Erfahrungen aus Ihren vorherigen Tätigkeiten haben dazu geführt, ChemShare zu gründen?

Detlef Klomfass: Patrick und ich sind langjährige Kollegen und jetzt Geschäftspartner. Was uns verbindet: Wir bekommen beide Kopfschmerzen bei ineffizienten Lösungen und Ressourcenverschwendung. Wir haben viele Jahre in der chemischen Prozessindustrie gearbeitet und dabei dasselbe beobachtet: Überschussbestände sind in der Branche alltäglich – Unternehmen bestellen mehr, als sie brauchen, Rezepturen ändern sich, Chargen bleiben liegen. Die zu lagern, kostet. Und am Ende wird entsorgt. Gerade in der aktuellen geopolitischen Lage ist das keine Option mehr, die man einfach hinnimmt. Einen einfachen, sicheren Weg, diese Bestände weiterzugeben und zu monetarisieren, gab es bisher nicht. Diese Lücke schließen wir mit ChemShare.

ChemShare positioniert sich als Vermittlungsplattform – nicht als Händler. Warum braucht der Markt genau diesen Ansatz, und was unterscheidet ChemShare von klassischen Chemikalienhändlern?

Patrick Singler: Klassische Chemiehändler kaufen beim Hersteller und verkaufen an Unternehmen – das ist kein Modell für Restmengen. Wer eine übrig gebliebene Charge loswerden möchte, hat bisher kaum Optionen: lagern, entsorgen oder hoffen, dass intern jemand Bedarf hat. ChemShare schafft hier einen direkten Weg von denen, die zu viel haben, zu denen, die es brauchen – ohne Umweg, dabei oft regional. Sozusagen auf dem kurzen Dienstweg. Wir vermitteln, und die Parteien schließen den Vertrag direkt miteinander.

In welcher Phase befindet sich das Start-up derzeit und welche nächsten Schritte stehen an?

P. Singler: Wir sind seit Dezember 2025 in der Entwicklung und stehen kurz vor dem Start der Beta-Phase. Dabei suchen wir Pioniere: Unternehmen, die Überschussbestände haben und die Plattform als erste nutzen und aktiv mitgestalten wollen, zu besonderen Konditionen. Unser Fokus liegt dabei nicht nur auf der Technik, sondern auf dem Fit mit dem echten Geschäftsalltag und den branchenspezifischen Anforderungen. Die Entscheidung, Restmengen zu verkaufen statt zu entsorgen, muss nahtlos in bestehende Abläufe passen. Nur dann wird sie zur Selbstverständlichkeit. Von unserem Firmensitz in Bonn aus haben wir bereits erste Kontakte in NRW geknüpft. Der Rollout in den gesamten DACH-Raum ist fest eingeplant – und danach folgt der nächste logische Schritt: der freie Handel im europäischen Binnenmarkt. Der offizielle Launch folgt in etwa sechs Monaten.

Was sind bislang die größten He­rausforderungen gewesen und wie haben Sie diese gemeistert?

P. Singler: Die größte Herausforderung ist die Komplexität. Chemikalien – oft Gefahrstoffe – bringen regulatorische Anforderungen mit, die man nicht einfach wegklickt. Den gesamten Prozess so abzubilden, dass er sicher und compliant ist und trotzdem einfach zu bedienen – das geht nur Schritt für Schritt. Unser Anspruch ist B2C-Convenience in einem komplexen B2B-Umfeld. Und ehrlich gesagt: Die eigene Ungeduld ist dabei auch eine Herausforderung.

Was ist Ihre Vision für ChemShare?

D. Klomfass: Wir wollen den ersten echten sekundären Markt für Chemikalien in Europa etablieren. Restmengen sollen nicht mehr nur deshalb entsorgt werden, weil es keinen einfachen Weg gibt, sie weiterzugeben – sondern weil sie wirklich niemand braucht. Und das wird selten der Fall sein.

P. Singler: Und langfristig wollen wir mehr als eine Plattform sein: ChemShare soll der Ort werden, an dem eine Branche gelernt hat, miteinander zu teilen – weil es sich rechnet, weil es sicher und nachhaltig ist und weil es einfach Sinn ergibt.

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Detlef Klomfass

Detlef Klomfass ist promovierter organischer Chemiker und erfahrener Unternehmer. Sein Feld: die Digitalisierung komplexer Geschäftsprozesse in der Prozessindustrie – von Gefahrstoffmanagement über Arbeitssicherheit bis hin zu regulatorischen Anforderungen wie REACh. Mit seinem Unternehmen DeBoSys entwickelt und implementiert er seit 2008 innovative Geschäftsmodelle. Seine berufliche Laufbahn begann er bei Baxter, GHX Global Healthcare Exchange, anschließend hatte er u. a. bei CrossKnowledge und EcoOnline Führungspositionen inne. Bei ChemShare kümmert er sich neben Geschäftsaufbau und Vertrieb vor allem um die Unternehmensentwicklung.

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Patrick Singler

Patrick Singler kennt die chemische Prozessindustrie von innen. Sicherheitsdatenblätter, Gefahrstoffverzeichnisse, Arbeitssicherheit, Arbeitsschutz – das ist sein Terrain. Über viele Jahre hat er u. a. bei Munio/EcoOnline digitale Lösungen in die Branche gebracht: Prozesse vereinfacht, Compliance handhabbar gemacht, Vertriebsteams in ganz Europa aufgebaut. Mit seinem Unternehmen ScaleBridge unterstützt er SaaS-Anbieter beim Markteintritt in Deutschland. Bei ChemShare verantwortet er gemeinsam mit Detlef Klomfass den Geschäftsaufbau und den Vertrieb – und leitet die Produktentwicklung.

Verkaufen statt entsorgen

Restmengen gehören in den Markt

Überschussbestände entstehen nicht durch schlechtes Management. Sie sind das Ergebnis struktureller Probleme: Bestellmengen passen nie exakt zum Bedarf, Rezepturen innerhalb einer Produktionslinie ändern sich, Chemikalien mit kurzer Haltbarkeit können nicht rechtzeitig verbraucht werden, Projekte enden. Das ist Alltag in der Chemiebranche. Und lange hat die Branche genau das getan, was nahelag: gelagert, gewartet und am Ende abgeschrieben. Weil es keine bessere Option gab. Gebundenes Kapital, laufende Lagerkosten, am Ende Entsorgungskosten: Das Problem hat einen Preis. Wer lagert, zahlt – und wer entsorgt, zahlt noch einmal.
ChemShare ändert das. Als Vermittlungsplattform verbindet ChemShare Unternehmen mit Überschussbestand direkt mit Unternehmen, die konkreten Bedarf haben. Ohne Umweg, mit möglichst kurzen Transportstrecken, von Anfang an compliant. Anbieter stellen ihre Posten inkl. Sicherheitsdatenblättern ein. Abnehmer können nach den benötigten Stoffen suchen und sie über die Anbieter beziehen. Der Kaufvertrag kommt direkt zwischen den Parteien zustande. Was dabei entsteht, ist mehr als eine Transaktion: ein Netzwerk von Unternehmen, die voneinander wissen – und voneinander profitieren. Und das Netzwerk wächst  mit jeder Vermittlung.
Compliance gehört selbstverständlich dazu, wenn Chemikalien zwischen Anbieter und Abnehmer gehandelt werden. Ohne Sicherheitsdatenblatt kommt daher kein Kauf zustande. Und ChemShare sorgt dafür, dass ausschließlich qualifizierte Unternehmen Zugang erhalten. Gehandelt werden nur unbenutzte, originalverpackte Reinstoffe und Industriechemikalien in Mengen von wenigen Milligramm bis zu 500 Kilogramm.
Was Anbieter als realen Erlös verbuchen, ist für Abnehmer ein unkomplizierter Zugang zu Materialien, die sie ohnehin brauchen – oft regional und kurzfristig verfügbar zu günstigeren Konditionen. Ein fairer Deal, der sich für beide Seiten rechnet. Und wer Überschussbestände über ChemShare vermittelt statt entsorgt, hat auch etwas in der Hand: einen dokumentierbaren Beitrag zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. ChemShare setzt sich dafür ein, CircularChem zum neuen Industriestandard zu machen.

ChemShare, Bonn
www.chemshare.de

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Meilensteine & Roadmap

Die Gründer von ChemShare, Detlef Klomfass und Patrick Singler, kennen das Problem aus erster Hand: Überschussbestände entstehen strukturell – und die Branche hat sie bisher einfach hingenommen – ChemShare nicht. Die Gründer wollen eine Brücke zwischen Branchenwissen und digitaler Innovation schlagen.
Als Vermittlungsplattform bringt ChemShare zusammen, was zusammengehört: Unternehmen mit Restmengen und Unternehmen mit konkretem Bedarf. Gebundenes Kapital wird zu realem Erlös. Lagerkosten entfallen. Entsorgung auch. Und Compliance ist von Anfang an eingebaut – nicht als Beipackzettel, sondern als Fundament.
Der Anspruch: B2C-Conve­nience in einem komplexen B2B-Umfeld. ChemShare ist kein branchenfremder Software-Anbieter. REACh, Sicherheitsdatenblätter, regulatorische Realität – das ist bekanntes Terrain.
ChemShare steht kurz vor der Beta-Phase und sucht Pioniere: Unternehmen mit Restbeständen, die als Erste dabei sind und die Plattform aktiv mitgestalten – zu besonderen Konditionen. Der Rollout in den DACH-Raum und anschließend in den innereuropäischen Markt ist fest eingeplant.
Verkaufen statt lagern. Verkaufen statt abschreiben. Das ist ChemShare.

Meilensteine & Roadmap

  • 2026
    – (Q1): MVP-Spezifikation und Test verschiedener Entwicklungsansätze
    – (Q2): Gründung der ChemShare GmbH
    – (Q2): MVP launch (beta)
    – (Q3-4): Geschlossene Beta-Phase mit Kunden für Unternehmens- und branchen­spezifische Anpassungen (Fokus DACH)

  • 2027
    – Fokus Ramp-up in Deutschland, Österreich, Schweiz

  • 2028
    – Internationalisierung in den europäischen Binnenmarkt

Seien Sie dabei

ChemShare startet in die Beta-Phase und sucht Pionierpartner. Unternehmen mit Rest- und Überschussbeständen von Chemikalien haben die Gelegenheit, eigene Anforderungen aus dem Betrieb und der Branche in die Weiterentwicklung der Plattform einzubringen und sie vor dem allgemeinen Marktstart zu nutzen. Dabei können Sonderkonditionen in Anspruch genommen werden.

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Ein Dank gebührt dem Sponsor des CHEManager Innovation Pitch, der diese Veröffentlichung mit ermöglicht!

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Dieser Beitrag ist in CHEManager 4/2026 erschienen.

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