12.08.2026 • Themen

Schokolade aus dem Brautank

Pflanzenzellkulturen als klimaresistente Alternative zur traditionellen Kakao- und Kaffeeproduktion.

Interview mit Klaus Kienle, Mitgründer und Chief Production Officer, Food Brewer

Klaus Kienle, Co-Founder & Chief Production Officer, Food Brewer
Klaus Kienle, Co-Founder & Chief Production Officer, Food Brewer
© Food Brewer

Lebensmittel aus kultivierten Zellkulturen werden als Alternative zu solchen aus konventioneller Produktion gehandelt. Nicht nur tierische Lebensmittel wie Fleisch, sondern auch pflanzliche Rohstoffe wie Kakao oder Kaffee brauchen viele Ressourcen, noch bevor sie überhaupt als Rohstoff in der Nahrungsmittelproduktion zum Einsatz kommen. Das Schweizer New-Food-Start-up Food Brewer nutzt die Fermentationskonzepte der Brauindustrie, um pflanzliche Nahrungsmittel und Nahrungsmittelzutaten nachhaltig herzustellen. Das Team kultiviert natürliche Pflanzenzellen, um daraus Kakao- und Kaffeepulver für die Lebensmittelindustrie herzustellen. CHEManager befragte Mitgründer und Chief Production Officer Klaus Kienle zur Motivation, den Herausforderungen und den Plänen des Gründerteams.

CHEManager: Wie funktioniert ihr Pflanzenzellenprozess?

Klaus Kienle: Wir haben eine Plattform entwickelt, mit der wir Pflanzenzellen – beispielsweise aus Kakao- oder Kaffee­bohnen – gewinnen. Diese Zellen werden direkt aus der Bohne beziehungsweise der entsprechenden Pflanze entnommen und in ein Medium überführt, das die natürlichen Umgebungsbedingungen der jeweiligen Pflanze nachahmt. Unter diesen Bedingungen beginnen die isolierten Pflanzenzellen selbstständig zu wachsen und sich zu vermehren.
Dieser Prozess wird hochskaliert, dann wird die entstandene Biomasse dekantiert, getrocknet und geröstet und anschließend zu fertigen Produkten wie Schokolade weiterverarbeitet. Kakao und Kaffee zählen derzeit zu unseren wichtigsten Anwendungen, jedoch lässt sich unsere Plattformtechnologie auch auf viele weitere Pflanzenarten übertragen. So arbeiten wir auch mit verschiedenen Beeren und Nüssen.

Was sind die Vorteile Ihrer Technologie gegenüber dem konven­tionellen Anbau?

K. Kienle: Wir verstehen unsere Technologie als Ergänzung zur Natur. Dort, wo natürliche Anbaubedingungen an ihre Grenzen stoßen oder es schwierig wird, bestimmte Pflanzen konven­tionell zu kultivieren – etwa aufgrund von Pilzbefall, Umweltfaktoren oder den Auswirkungen des Klimawandels – sehen wir unsere Chance, die Lieferkette zu unterstützen.

Dieser Beitrag ist in CHEManager 6/2026 erschienen.

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