Leuchtturm in der Wirtschaftskrise
Die deutsche Wirtschaft steckt in der Krise, doch die Pharmaindustrie wächst – noch.
Thorsten Schüller, CHEManager

Die Pharmaindustrie unterstreicht gegen den allgemeinen Wirtschaftstrend ihre Rolle als Schlüsselindustrie für Deutschland. Als eine der wenigen Branchen verzeichnet sie Wachstum bei Produktion und Beschäftigung, die Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in neue Produktionsanlagen liegen auf stattlichem Niveau. Doch diese Stärke ist kein Selbstläufer. Vor allem die US-Handelspolitik und die zunehmende Marktmacht Chinas stellen für die Branche eine Herausforderung dar. Umso wichtiger ist es, die Standortvorteile der Life Sciences in Deutschland wie auch in Europa zu stärken.
Es läuft schon seit dem Ende der Coronapandemie nicht gut für die deutsche Wirtschaft: 2023 und 2024 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) leicht, während die Eurozone wuchs. 2025 endete mit einem Miniwachstum von 0,2 %, getragen von einem leichten Wachstum im vierten Quartal – welches allerdings vor allem aus dem Verteidigungsbereich resultierte. Wirtschaftsexperten sprechen mittlerweile von der längsten zusammenhängenden Schwächephase seit dem Zweiten Weltkrieg. Auch der Ausblick auf das Jahr 2026 verheißt keine tiefgreifende Besserung. Das Jahresgutachten des Sachverständigenrates Wirtschaft prognostiziert eine Wachstumsrate von 0,9 %, Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen auf Raten zwischen 0,8 % und 1,0 % angepasst. „Die deutsche Wirtschaft hat sich auf niedrigem Niveau stabilisiert“, sagt Stefan Kooths, Konjunkturchef beim Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW).
Die Gründe sind vielfältig und bekannt: Hohe Energiepreise und Bürokratie belasten die Industrie, die von der schwachen globalen Nachfrage und starker internationaler Konkurrenz – vor allem aus China – betroffen ist. Eine veraltete Infrastruktur, Fachkräftemangel, fehlende Investitionen und politische Unsicherheiten bremsen das Wachstum zusätzlich. Nicht zuletzt wird die Lage verschärft durch die schwache Binnennachfrage sowie die Abwanderung von Industrie und Investitionen.
Pharma: Lichtblick am Konjunkturhimmel
Und doch gibt es einen Lichtblick am Konjunkturhimmel: die Pharmaindustrie ist eine der wenigen Brachen in Deutschland, die noch Produktion und Beschäftigung aufbaut, überdurchschnittlich investiert und ihre Forschungsaktivitäten auf hohem Niveau hält. „Der Aufwärtstrend in der Pharmaindustrie hält an. Wir gehen davon aus, dass wir auch 2026 in der deutschen Pharmabranche ein Wachstum in der Produktion und bei den Beschäftigten sehen werden“, stellt Claus Michelsen, Chefvolkswirt des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), im Gespräch mit CHEManager fest. Konkret geht die Interessenvereinigung davon aus, dass die Beschäftigung 2026 um 1,1 %, die Investitionen um 3,0 % und die Produktion um 1,0 % steigen werden. Michelsen: „Das sticht im Vergleich der Wirtschaftszweige hervor und sind positive Nachrichten für den gesamten Standort Deutschland. Davon bräuchten wir viel mehr, auch in anderen Branchen.“
Weiterlesen mit kostenfreier Registrierung
Registrieren Sie sich jetzt kostenfrei und Sie erhalten vollen Zugriff auf alle exklusiven Beiträge. Mit unserem Newsletter senden wir Ihnen Top-Meldungen aus der Chemie-, Pharmaindustrie. Außerdem erhalten Sie regelmässig Zugriff auf die aktuellen E-Paper und PDFs von CHEManager.
Anbieter
vfa Verband der Forschenden ArzneimittelherstellerHausvogteiplatz 13
10117 Berlin
Deutschland
Meist gelesen

Single-Site Excellence
Interview mit Frank Wegener und Jörg Blumhoff, ESIM Chemicals, über die Wettbewerbssituation und ihre künftige Strategie im weltweiten CDMO-Markt.

Pioniere aus Tradition
Interview mit Peter Friesenhahn, CEO von Haltermann Carless, über die Ziele des Transformationsprogramms RACE und seine Pläne für das Unternehmen.

Auf der Suche nach der richtigen Formel
Europas Stärke liegt in der Verbindung von Prozesswissen, Anwendungskompetenz und Nachhaltigkeit

Chemiekonjunktur – China auf der Überholspur
Im Jahr 2024 stieg der Anteil Chinas an den globalen Chemieinvestitionen auf rund 45 %. Doch die goldenen Jahre des chinesischen Wirtschaftswunders sind vorbei.

Continuous Manufacturing ganzheitlich bewerten
Die Investitionsentscheidung für eine kontinuierliche Produktion bedarf einer belastbaren Wirtschaftlichkeitsrechnung entlang des gesamten Prozesses.






