Leuchttürme der Start-up-Szene, Teil 9: Biovox
Biovox entwickelt Biokunststoff-Compounds, die über Funktionen wie bspw. eine inhärente antimikrobielle Wirkung verfügen. Gleichzeitig sind sie umweltfreundlich: biobasiert, mikroplastikfrei und biologisch abbaubar.
Interview mit Julian Lotz, Biovox

Der CHEManager Innovation Pitch, die Start-up-Förderinitiative von CHEManager und CHEManager International, hat seit ihrem Launch 2019 mehr als 140 Start-ups aus rund 20 Ländern die Möglichkeit geboten, ihre innovativen Ideen, Produkte und Technologien einer breiten Zielgruppe zu präsentieren. Diesen Meilenstein nehmen wir zum Anlass, um auf einige der Gründerstories der vergangenen siebeneinhalb Jahre zu blicken und deren Entwicklung aufzuzeigen. In dieser Ausgabe: Biovox. Das 2020 gegründete Unternehmen mit Sitz in Darmstadt entwickelt funktionalisierte Materialsysteme unter Verwendung verschiedener Biopolymere und Drop-Ins, vor allem für Anwendungen in der Medizintechnik, Pharma und Labor.
Was sich seit der Präsentation im CHEManager Innovation Pitch im November 2021 getan hat, erläutert Mitgründer und Mitgeschäftsführer Julian Lotz.
CHEManager: Wie hat sich Biovox seit der Vorstellung im November 2021 entwickelt, welche Erfolge gab es zu feiern?
Julian Lotz: 2021 waren wir noch stark in der Phase, in der wir die technologische Basis, das Geschäftsmodell und die ersten Kundenprojekte aufgebaut haben. Heute liefern wir Medical-Grade-Biokunststoffe für Medizintechnik, Pharma und Labor und arbeiten mit Kunden an vielen neuen Produkten, besonders im Bereich Drug Delivery Devices, aber auch in medizintechnischen Anwendungen wie chirurgischen Instrumenten oder Diagnostika wie Schnelltestkassetten.
Ein wichtiger Schritt war, dass wir aus der ursprünglichen Breite ein klareres Profil entwickelt haben. Es gibt keine mit Reststoffen gefüllten kompostierbaren Materialien mehr bei uns, und wir versuchen auch gar nicht, in Consumer-Produkte oder Lebensmittelverpackungen zu verkaufen, da haben wir nicht genug Alleinstellungsmerkmale. Wir fokussieren uns seit 2022 komplett auf überwiegend regulierte Anwendungen im Healthcare- und Laborbereich. Die haben alle sehr hohe Anforderungen an Qualität, Patientensicherheit, Dokumentation, Sterilisation und die Ausfallsicherheit der Lieferkette. Also das, wo wir sowieso unsere Expertise hatten. Genau dafür haben wir unser MedEco-Portfolio aufgebaut, unser Qualitätsmanagementsystem nach ISO 13485 zertifizieren lassen und unsere Materialien auf die Anforderungen nach ISO 10993 und VDI 2017 ausgerichtet.
Daraus sind inzwischen zwei fertige Materialfamilien geworden: verschiedene PLA-basierte Materialien, an denen wir 2021 schon gearbeitet haben, und eine Familie von Bio-PE-Typen, die ebenfalls seit Anfang 2025 kommerziell erhältlich sind.
Und in der Zukunft wächst das Angebot weiter, wir sind Entwicklungspartner von Avantium und machen PEF fit für das Gesundheitswesen, und arbeiten ebenfalls mit Partnern an segregiert biobasiert hergestelltem PP. Nach und nach wollen wir für alle relevanten Anwendungen Materiallösungen mit besonders hoher Patientensicherheit und niedrigem Umweltfußabdruck anbieten können.
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