11.06.2026 • Themen

Fußball-WM: Chemiewerkstoffe im Rampenlicht

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko zeigt, dass Materialien wie Kunststoffe und Klebstoffe den Sport revolutioniert haben und zu mehr Funktionalität und Nachhaltigkeit beitragen.

Michael Reubold, CHEManager

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Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko zeigt erneut, dass Materialien wie Kunststoffe und Klebstoffe den Sport revolutioniert haben und auch zu mehr Nachhaltigkeit beitragen.
© Adidas

Ein Ball, zwei Teams, ein Spielfeld: Fußball mag einfach aussehen, aber in Wirklichkeit ist das moderne Spiel ein Hochleistungssystem. Im modernen Fußball spielen Materialien eine wichtige Rolle. Sie tragen dazu bei, Geschwindigkeit, Kontrolle, Komfort, Haltbarkeit und Performance zu ermöglichen: von Ausrüstung und Bekleidung bis hin zu Infrastruktur und digitaler Vernetzung. 

Der Leverkusener Werkstoffhersteller Covestro rückt diesen „Material Effect“ hinter dem Fußball in den Mittelpunkt: den oft unsichtbaren Beitrag der Materialwissenschaft dazu, wie der Sport gespielt, erlebt und weltweit vernetzt wird. Covestro und viele andere Chemieunternehmen arbeiten gemeinsam mit Anwendern wie Sportartikelherstellern und Architekturbüros an fortschrittlichen Materiallösungen für Spielgeräte, Ausrüstung und Sportstätten.

Präzision und Performance

Der moderne Fußball ist schneller, präziser und vernetzter geworden. Spieler sprinten mehr, pressen intensiver und wechseln schneller die Richtung. Hinter dieser Entwicklung stehen bessere Trainingsmethoden und Datenanalysen, aber auch Materialien, die dazu beitragen, hohe Leistung verlässlicher zu machen.

Der Fußball selbst ist ein gutes Beispiel. Moderne Bälle nutzen fortschrittliche Materialien, sorgfältig entwickelte Oberflächen und präzise Konstruktionsmethoden. Sie unterstützen ein gleichbleibendes Gewicht, eine stabile Form, ein verlässliches Rücksprungverhalten und berechenbare Flugeigenschaften – auch unter anspruchsvollen Wetterbedingungen. Im Vergleich zu traditionellen Lederbällen sind heutige Fußbälle auf höhere Zuverlässigkeit und besser vorhersehbare Leistung ausgelegt. Und sie sind mitunter auch digital.

Trionda – der offizielle Spielball der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist eine Hommage an die Nationen, die das Turnier ausrichten werden – Kanada, Mexiko und die USA. Für Höchstleistungen entwickelt, basiert der Ball auf einer völlig neuen Vier-Panel-Konstruktion, deren fließende Formensprache die im offiziellen Namen des Balls dargestellten Wellen aufgreift. Jedes Panel zeigt die Landesfarben Rot, Blau und Grün, die sich in Form eines Dreiecks in der Mitte des Panels verbinden und symbolisieren, dass drei Nationen erstmals gemeinsam Gastgeber des Turniers sind.


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Beim neuen WM Ball „Trionda“ verweist Adidas explizit auf geprägte Oberflächen, tiefe Nähte, strukturierte Panels und optimierte Flugstabilität – Eigenschaften, die typischerweise auf TPU Außenmaterialien basieren.
© Adidas

‚Trionda‘ – der offizielle Spielball der Fußball-Weltmeisterschaft 2026

TPU (thermoplastisches Polyurethan) ist heute eines der wichtigsten Materialien in hochwertigen Fußballbällen, so auch im offiziellen WM-Spielball von Adidas. TPU wird vor allem für die Außenhaut verwendet und beeinflusst nahezu alle Spieleigenschaften. 

TPU verleiht Fußballbällen wichtige Funktionen wie Abriebfestigkeit, Wasserresistenz und Flug- und Spieleigenschaften. Das Material ist widerstandsfähig gegen Reibung und mechanische Belastung. Dadurch halten Profi‑ und Trainingsbälle auch auf Kunstrasen oder harten Plätzen länger. Moderne TPU‑Beschichtungen nehmen deutlich weniger Wasser auf als ältere Lederbälle. Das Gewicht des Balls bleibt deshalb auch bei Regen relativ konstant. TPU lässt sich präzise strukturieren und prägen. Oberflächenstrukturen verbessern die Aerodynamik, die Ballkontrolle sowie den Spin und den Grip bei Nässe.

TPU‑Panels können verschweißt statt vernäht werden. Dadurch entstehen rundere Bälle und gleichmäßigere Flugbahnen, zudem wird die Wasseraufnahme über Nähte verringert. TPU kombiniert Flexibilität mit Stabilität. Dadurch fühlt sich der Ball weich genug für Kontrolle an, bleibt aber formstabil bei harten Schüssen.

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Die Connected Ball Technology unterstützt die Spieloffiziellen dabei, jede einzelne Ballberührung zu identifizieren, wodurch weniger Zeit für die Klärung bestimmter Szenen benötigt wird.
© Adidas

Die Trionda-Spielbälle sind außerdem mit der neuesten Version der Connected Ball Technology ausgestattet – in Form eines innovativen, seitlich angebrachten Chipsystems. Der 500-Hz-Bewegungssensorchip der Trägheitsmesseinheit befindet sich nun in einer speziell entwickelten Schicht in einem der vier Panels, statt wie bisher als zentral montiertes System, das durch eine Aufhängung fixiert wird. Gegengewichte in den drei übrigen Panels sorgen weiterhin für Flugstabilität und Balance.

Die Technologie liefert beispiellose Einblicke in jede Bewegung des Balls und übermittelt präzise Balldaten in Echtzeit an das Video Assistant Referee (VAR)-System. In Kombination mit Positionsdaten der Spieler und unter Einsatz künstlicher Intelligenz hilft sie den Schiedsrichtern, schnellere Abseitsentscheidungen zu treffen. 

Die Ära der synthetischen Materialien

In den 1960er Jahren, als Pelé die Fußballwelt begeisterte, begannen synthetische Materialien Einzug in den Sport zu halten. Die 1970er und 1980er Jahre brachten weitere Innovationen mit sich. Die Bälle wurden leichter und aerodynamischer, und der Fußballsport wurde technologischer.

Der Durchbruch kam bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko mit dem ‚Azteca México‘, dem ersten komplett aus synthetischen Materialien hergestellten Spielball. Dieser Ball, dessen Kunstleder aus Polyurethan (PU) und Polyvinylchlorid (PVC) bestand, prägte eine neue Ära, denn er ermöglichte ein präziseres und schnelleres Spiel.

In den 1990er und 2000er Jahren setzte sich dieser Trend fort. Die WM 2006 in Deutschland brachte nicht nur ein Sommermärchen, sondern auch einen einzigartigen Ball, der mit minimalen Nähten und aus innovativen Materialien gefertigt wurde, um eine perfekte Rundheit und ein konsistentes Spielverhalten zu gewährleisten.

Wurden die Turnierbälle früher genäht, werden die heute aus thermoplastischem Polyurethan (TPU) bestehenden Bälle schichtweise geklebt. So verbindet u.a. eine Klebeschicht das textile Substrat der Außenhülle des Balls mit den oberen Schichten. Darüber liegt eine etwa 1 mm dicke Polyurethan-Schaumschicht aus Millionen gasgefüllter Mikrokugeln. Die Außenhaut besteht aus zwei Polyurethanschichten und einer Zwischenschicht aus einem EPDM-Kautschuk (Ethylen-Propylen-Dien-Monomer), die für die Beständigkeit gegen äußere Einflüsse und Abrieb sowie für die hohe Elastizität des Balls sorgen und ein optimales Abprallverhalten des Balls beim Spiel unterstützen.

Durch die innovativen Materialtechnologien haben die Fußbälle seit dem Beginn der modernen Ballentwicklung immer bessere Spiel- und Flugeigenschaften erhalten und den Sport revolutioniert.


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In Zusammenarbeit mit dem in Brooklyn ansässigen Designer KidSuper hat Puma einen maßgeschneiderten Fußballschuh vorgestellt, der für den US-Nationalspieler und AC-Milan-Star Christian Pulisic entworfen wurde.
© Puma

Hightech-Materialien auch in der Ausrüstung

Sowohl bei den Trikots der Nationalmannschaften als auch bei den Fußballschuhen der Spieler dominieren innovative Hightech-Materialien, die zudem immer öfter auch Nachhaltigkeitsaspekte wie Rezyklateinsatz und Wiederverwertbarkeit berücksichtigen. Auch moderne Fertigungstechniken wie 3D-Druck halten zunehmend Einzug in die Produktion. Und ikonische Designs sollen im medialen Zeitalter Aufmerksamkeit erregen.

Fußballschuhe haben sich in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht nur in der Farbsprache grundlegend verändert. Moderne Fußballschuhe sind hochgradig multimateriale Verbundsysteme, in denen Kunststoffe eine zentrale Rolle für Performance, Gewicht und Haltbarkeit spielen. Leichte Obermaterialien, flexible Strukturen und leistungsfähige Sohlenplatten unterstützen Grip, Beschleunigung, Agilität und Ballkontrolle. Der Kontakt zwischen Spieler, Rasen und Ball ist zu einer hochentwickelten Schnittstelle geworden.

Die wichtigsten in einem modernen Fußballschuh verarbeiteten Kunststofftypen sind TPU (Thermoplastisches Polyurethan) als Schlüsselmaterial für u.a. Sohle, Stollen und Struktur, PU (Polyurethan) als Obermaterial (synthetisches Leder), PEBA (Polyetherblockamid) ein thermoplastisches Elastomer bzw. PA (Polyamid) für High-Performance Sohlen, EVA (Ethylenvinylacetat) bzw. PU-Schaum als Dämpfungselemente und Polyester oder Polyamid für textile Komponenten.

Aktuelle Trends sind Recycling-Polymere (rPET, bio-basierte TPU/PEBA), Monomaterial-Ansätze für bessere Rzyklierbarkeit, additive Fertigung (3D-Druck) mit TPU oder auch die Funktionsintegration direkt im Polymerdesign (Grip, Flexzonen).

Das neueste Schuhmodell von Puma vereint Funktionalität und Individualismus. Es kombiniert ein überarbeitetes Obermaterial aus technischem Mesh mit dem Powertape-Stützsystem. Eine spezielle Kunststoffaußensohle soll blitzschnelle Beschleunigung, multidirektionale Traktion dank des FastTrax-Stollen-Designs und präzise Abschlüsse durch 3D-strukturierte Schusszonen ermöglichen.

Auch Sportbekleidung leistet ihren Beitrag. Leichte, atmungsaktive und strapazierfähige Textilien können dabei helfen, Feuchtigkeit zu regulieren und den Komfort bei intensiver körperlicher Belastung zu verbessern. Fußballtrikots sind heute Hightech-Textilien auf Polymerbasis. Im Gegensatz zu Fußballschuhen dominieren hier wenige, aber sehr gezielt eingesetzte Kunststofftypen wie PET (Polyethylenterephthalat) als Hauptgewebematerial sowie Elastan (PU) für Stretchzonen, Polyamid für Festigkeit oder PU/TPU/Silikon für funktionale Add-ons. Aktuelle Materialtrends betreffen Nachhaltigkeit (z.B. 100 % recycelte Polyestersysteme, Monomaterial-Designs) und Funktionalisierung (Atmungsaktivität, Feuchtigkeitsaustausch. Covestros wasserbasierte Polyurethan-Technologie ermöglicht leistungsfähige Textilbeschichtungen, die Weichheit, Wasserbeständigkeit und langanhaltende Performance bieten können und zugleich nachhaltigere Herstellungsansätze unterstützen.


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© Adidas

Kunststoffe im Stadionbau

Auch die Stadien profitierten von den modernen Materialien, insbesondere bei der Verkleidung und den inzwischen bei neuen Arenen zum Standard gewordenen oft sehr aufwändigen, tragenden Dachkonstruktionen. Moderne Stadiondächer basieren auf wenigen Schlüsselpolymeren und sind membran- oder plattenbasierte Hochleistungs-Kunststoffsysteme. Premium-Membrandächer bestehen aus PTFE-beschichtetem Glasfaser- oder PVC-beschichtetem Polyestergewebe bzw. Folien aus ETFE (Ethylen-Tetrafluorethylen). Solche Funktionsbeschichtungen sorgen z.B. für einen Selbstreinigungseffekt oder adaptive Transparenz je nach Lichteinfall. Hybriddächer sind meist Kunststoffplatten aus PC (Polycarbonat) oder PMMA (Polymethylmethacrylat) auf einer Stahlstruktur.

Zuschauer sitzen heute meist auf robusten und durch Pigmente eingefärbten Kunststoffsitzschalen aus Polyolefinen, die witterungsbeständig und aufgrund von Spezialchemikalien schwer entflammbar sind. In einigen Stadien oder Tribünenbereichen sind die Sitze zudem beschichtet, so dass sie komfortabler, noch resistenter gegen Feuer sowie wasserabweisend sind oder sich in der Sonne langsamer aufheizen. Auch bei der modernen Stadiontechnik wie den elektronischen Displays und Videowalls spielen Kunststoffe wie überall in der Informations- und Kommunikationstechnik eine wesentliche Rolle.

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 richtet sich der Blick auch auf eine der berühmtesten und traditionsreichsten Arenen des internationalen Fußballs: das legendäre Aztekenstadion in Mexiko City. Dort, wo Pelé Geschichte schrieb, Diego Maradona mit der „Hand Gottes“ ein Tor erzielte und Millionen Fans unvergessliche Fußballmomente erlebten, kam im Rahmen von Modernisierungsmaßnahmen Befestigungstechnik von Fischer zum Einsatz.

Viele denken beim Namen Fischer zuerst an die berühmten Dübel, doch die Arten und Einsatzbereiche der Befestigungslösungen sind vielseitig. Befestigt werden unter anderem Klima- und Lüftungsanlagen, Fassadenelemente, technische Infrastruktur, Bewehrungsanschlüsse sowie Stadionsitze. Dabei spielen nicht nur Hochleistungskunststoffe eine Rolle, sondern auch bauchemische Lösungen wie Injektionsmörtel.

Wie moderne Befestigungstechnik heute aussieht, zeigt das Münchner Olympiastadion. Dort überwachen intelligente Fischer SensorBolts die sicherheitsrelevanten Befestigungspunkte der Besucherplattform in der Dachkonstruktion dauerhaft und in Echtzeit. Das Projekt verdeutlicht, wie sich klassische Befestigungslösungen zunehmend mit digitalen Technologien verbinden.

Eine Besonderheit bei der WM 2026 betrifft die Spielfelder. Die FIFA schreibt vor, dass alle WM-Spiele auf Naturrasen stattfinden müssen. Viele der Stadien in den USA (v. a. NFL-Arenen) haben normalerweise Kunstrasen. Für die WM wurden diese Plätze jedoch temporär komplett auf Naturrasen umgerüstet. Allerdings bestehen einige Spielfelder aus Hybridrasen mit ca. 95 % echtem Gras, das durch eingearbeitete Kunstfasern verstärkt wird. Kunstrasenfasern, sog. Filamente, sind in der Regel Polyolefingarne, die immer häufiger aus biobasierten oder rezyklierten Polymeren hergestellt werden. Eingefärbt und mit Kunststoffadditiven wie Lichtstabilisatoren witterungsbeständig und langlebig gemacht, können sie am Ende ihrer Nutzungsdauer wieder in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden. So sind Kunstrasenplätze nicht nur robust und pflegeleicht, sondern auch nachhaltig.

Weitere Artikel zum Thema Fußball und Chemie finden Sie hier.


Anbieter

Covestro AG

Kaiser-Wilhelm-Allee 60
51373 Leverkusen
Deutschland

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