EU-Verpackungsverordnung drängt Wirtschaft in die Defensive
Deliana Bungard und Ralph Alberti, Verband Chemiehandel (VCH)

Der europäische Green Deal sollte der große Wurf werden – der Fahrplan, der den Kontinent in eine klimaneutrale und ressourceneffiziente Zukunft führt. Ein zentraler Baustein dieses Mammutprojekts ist der Versuch, die europäische Abfallwirtschaft grundlegend zu erneuern und konsequent kreislauffähig zu gestalten. Weg von der Linearwirtschaft, hin zu geschlossenen Stoffströmen. Ein logischer und notwendiger Schritt, bei dem es im Kern um echte Nachhaltigkeit und echten Klimaschutz gehen sollte. Doch die konkrete gesetzliche Ausgestaltung in Form der neuen EU-Verpackungsverordnung (Packaging and Packaging Waste Regulation, kurz PPWR), die ihre Wirkung ab dem 12. August 2026 entfaltet, sorgt in der Wirtschaft derzeit nicht für Aufbruchstimmung, sondern für massive Verunsicherung.
Quer durch alle Industrien herrscht lähmende Unklarheit. Anstatt mutig voranzugehen, lässt sich ein kollektiver Reflex beobachten: Unternehmen und Verbände versuchen häufig, Schlupflöcher in den unpräzisen Definitionen zu finden und ihre Rolle in der Verantwortungskette zu negieren.
Eine weitere Folge der Vorgaben der EU-Verpackungsverordnung: es herrscht ein Wildwuchs an Formularen und Konformitätsabfragen, die zwischen Lieferanten und Kunden kursieren und keineswegs zu Klarheit und rechtssicherem Vorgehen führen. Zusätzlich hat die EU-Kommission mit den veröffentlichten – nicht rechtsverbindlichen – Leitlinien die Büchse der Pandora ein Stück weiter geöffnet, statt Klarheit zu schaffen.
Inhalt:
- Mammutaufgabe für den Chemiehandel
- Handwerklich schlechte Gesetzgebung gefährdet die Sicherheit
- Bürokratie-Monster statt ökologischem Fortschritt
- Das falsche Versprechen der Harmonisierung: Ein nationaler Flickenteppich
- Klärung durch Gerichte statt guter Gesetzgebung
- Dialog statt Defensive
- Ralph Alberti
- Deliana Bungard
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