16.04.2026 • News

Großanlagenbau für Gestaltung der Zukunft unersetzlich

Der Großanlagenbau hat sich 2025 in einem schwierigen Marktumfeld behauptet und beweist damit, dass er für die Gestaltung der Zukunft unersetzlich ist.

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Serkan Şen, Vorsitzender des VDMA-Großanlagenbaus und CFO von Linde Engineering
© VDMA

Die Auftragseingänge der VDMA-Mitgliedsunternehmen in Deutschland und Österreich erreichten 24,7 Mrd. EUR und lagen damit nur leicht unter dem Vorjahreswert von 25,1 Mrd. EUR.

„Hinter dieser robusten Bilanz stehen jedoch deutliche Branchenunterschiede: Während die Nachfrage nach Kraftwerken und Energieübertragungsanlagen weiter zunahm, entwickelte sich das Projektgeschäft in den Prozessindustrien verhaltener“, erläuterte Serkan Şen, Vorsitzender des VDMA-Großanlagenbaus und CFO von Linde Engineering. „Besonders Anbieter von Chemieanlagen, Hütten- und Walzwerken sowie Zementanlagen verzeichneten rückläufige Bestellungen“, sagte er anlässlich der Veröffentlichung des Lageberichts 2025/2026.

Investitionsschwäche in Deutschland, Auslandsgeschäft im Aufwind

Die Bestellungen aus Deutschland gingen im Berichtsjahr um 34 Prozent auf 3,9 Mrd. EUR (2024: 6,0 Mrd. EUR) zurück und lagen damit auch unter dem Durchschnitt der vergangenen Dekade. Eine nachhaltige Aufwärtsdynamik ist derzeit nicht erkennbar, sagte Şen. Die Auftragseingänge aus dem Ausland stiegen dagegen auf 20,8 Mrd. EUR (2024: 19,1 Mrd. EUR) – der höchste Wert seit 2008. Die USA waren 2025 mit 3,7 Mrd. EUR (2024: 1,8 Mrd. EUR) zum vierten Mal in Folge der wichtigste Auslandsmarkt. Denn trotz der spürbar belastenden US-Zollpolitik tragen die Projekte im Großanlagenbau zur notwendigen Modernisierung der Infrastruktur in den Vereinigten Staaten bei.

In Europa erwiesen sich insbesondere Großbritannien, Polen und Schweden als Wachstumsmotoren. In Asien kompensierten einzelne Großprojekte die weiter rückläufigen Bestellungen aus China, die seit 2021 kontinuierlich gesunken sind.

Energieboom und Reindustrialisierung stützen die Nachfrage nach Anlagen

Der Großanlagenbau bewegt sich in einem Umfeld, das von geopolitischen Spannungen und industrieller Neuorientierung geprägt ist. Viele Länder investieren daher gezielt in industrielle Wertschöpfung und kritische Infrastrukturen, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Davon profitieren die Anbieter von Kraftwerken, Stromnetzen sowie von Anlagen für die Stahl‑ und Chemieproduktion. Gleichzeitig steigt der Druck auf europäische Anlagenbauer, da Wettbewerber aus Asien technologisch aufholen.

Die Transformation hin zu klimaneutralen Technologien verläuft langsamer als erwartet. Hohe Kosten, fehlende Nachfrageimpulse und politische Unsicherheit verzögern viele Projekte. Stattdessen rücken Übergangspfade wie CO₂ Abscheidung und  Speicherung (CCS) stärker in den Fokus.

Mehr Produktivität durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz

Zentrale Hebel zur Steigerung der Produktivität im Großanlagenbau liegen in der Modularisierung, Standardisierung und Digitalisierung komplexer Projekte. Künstliche Intelligenz wird zunehmend in Engineering, Beschaffung und Service eingesetzt und ermöglicht spürbare Effizienzgewinne – auch wenn viele Unternehmen bei der Skalierung noch durch die Verfügbarkeit und Qualität von Daten sowie eine unzureichende Infrastruktur gebremst werden.

Eine strukturelle Herausforderung ist der Fachkräftemangel. Der demografische Wandel führt zu Engpässen bei erfahrenen Spezialisten in Engineering, Einkauf und Projektmanagement. Unternehmen reagieren mit Qualifizierung, Wissensmanagement und dem Einsatz von innovativen Technologien als Hebel für mehr Produktivität. Şen: „Trotz technologischer Fortschritte bleiben motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen weiterhin entscheidend für den Erfolg internationaler Großprojekte.“

Politik muss Wettbewerbsfähigkeit Europas sichern

Die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Großanlagenbaus hängt maßgeblich von verlässlichen politischen Rahmenbedingungen ab. Hohe Energiepreise, komplexe Regulierungen und eine in Summe weiter zunehmende Bürokratielast erschweren Investitionen und schwächen den Standort Europa. Der Handlungsdruck wächst mit Blick auf die geo- und handelspolitischen Realitäten, denn die mit dem Clean Industrial Deal der EU intendierten Ziele liegen noch in weiter Ferne.

„Aus Sicht des VDMA-Großanlagenbaus sind deshalb rasche nationale und europäische Reformen entscheidend, die die Standortbedingungen spürbar verbessern, die Unternehmen entlasten und das Exportgeschäft aus Europa heraus stärken“, betont der Vorsitzende des VDMA Großanlagenbaus. „Wichtig sind vor allem schnellere Genehmigungsverfahren, ein echter Bürokratieabbau sowie wettbewerbsfähige energie- und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann der Großanlagenbau seinen Beitrag zur Modernisierung von Energie- und Industrieinfrastrukturen in Europa und weltweit leisten“, mahnt Şen.

Ausblick: Stabiler Kurs trotz Unsicherheiten

Für 2026 erwarten die VDMA‑Großanlagenbauer überwiegend stabile Auftragseingänge und Umsätze. Wachstumspotenzial besteht vor allem in Europa, Indien und Nordamerika. Gleichzeitig gewinnen Services und datenbasierte Geschäftsmodelle zur Stärkung langfristiger Kundenbindungen an Bedeutung.

„Trotz geopolitischer Unsicherheiten blickt die Branche zuversichtlich nach vorne. Der Großanlagenbau hat sich robust aufgestellt und wird globale Transformationsprozesse aktiv mitgestalten – vorausgesetzt, Europa schafft rasch wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für das Projektgeschäft der Zukunft“, lautet das Fazit des Vorsitzenden des VDMA-Großanlagenbaus.

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VDMA Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau (AGAB)

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