Wacker rechnet für 2026 mit leichtem Wachstum
Wacker Chemie hat bei der Vorlage ihres Geschäftsberichts 2025 bestätigt, dass das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr aufgrund des herausfordernden Marktumfelds bei Umsatz und Ergebnis unter den Werten des Jahres 2024 geblieben ist.

So belief sich der Gesamtumsatz des Konzerns auf 5,49 Mrd. EUR. Das sind 4% weniger als im Jahr 2024 (5,72 Mrd. EUR). Das berichtete Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) betrug 427 Mio. EUR (2024: 744 Mio. EUR). Das ist ein Minus von 43%. Gründe hierfür waren neben geringeren Absatzmengen und Preisen eine niedrigere Auslastung der Produktionsanlagen sowie die weiterhin hohen Energiekosten in Deutschland.
Belastet wurde das Ergebnis zudem von Sonderaufwendungen für Restrukturierung in Höhe von 103 Mio. EUR für das laufende Kostenprojekt PACE. Vor Sonderaufwendungen lag das EBITDA entsprechend bei 529 Mio. EUR; 29% unter dem Wert des Vorjahres.
Der Umsatz und das EBITDA vor Sonderaufwendungen im Geschäftsjahr 2025 lagen damit im Rahmen der aktuellen Markterwartungen, die sich für den Konzernumsatz von Wacker im Schnitt auf 5,48 Mrd. EUR und für das EBITDA auf durchschnittlich 523 Mio. EUR beliefen (Quelle: Vara Research, 11. Februar 2026).
Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) war aufgrund der oben beschriebenen Effekte im Geschäftsjahr 2025 mit -180 Mio. EUR negativ (2024: 271 Mio. EUR). Die Abschreibungen betrugen 606 Mio. EUR und lagen damit deutlich über dem Vorjahr (473 Mio. EUR). Grund für den Anstieg war unter anderem die Sonderabschreibung eines Geschäftswerts, der im Rahmen der Akquisition des Unternehmens ADL Biopharma in Spanien entstanden war.
Aufgrund negativen Jahresergebnisses keine Dividende für 2025 vorgeschlagen
Das Jahresergebnis 2025 lag mit -805 Mio. EUR (2024: 261 Mio. EUR) aufgrund von Sonderaufwendungen und Wertberichtigungen im negativen Bereich. In Summe belaufen sich die Wertberichtigungen, die zum Jahresende 2025 wirksam wurden, auf rund 600 Mio. EUR. Davon entfallen 308 Mio. EUR auf eine Wertminderung der Anteile an der Siltronic, deren Börsenkurs dauerhaft unter dem geführten Buchwert lag. 194 Mio. EUR betreffen aktive latente Steuern in Deutschland, deren Werthaltigkeit nicht mehr gegeben ist. 89 Mio. EUR ergeben sich aus der oben beschriebenen Sonderabschreibung des Geschäftswerts in Spanien.
Aufgrund des negativen Jahresergebnisses schlagen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung am 6. Mai 2026 vor, für das Geschäftsjahr 2025 keine Dividende auszuschütten.
Chemieindustrie 2025 weiter unter Druck geraten
„Die chemische Industrie ist 2025 unter enormen Druck geraten. Die Nachfrage war in vielen Abnehmerbranchen weiterhin schwach. Handelskonflikte und geopolitische Krisen haben die Unsicherheiten am Markt befeuert. Das hat dazu geführt, dass Bestellungen zurückgehalten wurden. Viele Unternehmen haben Investitionen verschoben“, erläuterte Wacker Vorstandschef Christian Hartel bei der Vorlage der Bilanz am Mittwoch in München. „Dazu kommen neue Wettbewerber, die auf den Markt drängen“, so Hartel weiter. In vielen Bereichen gebe es mittlerweile hohe Überkapazitäten. Der Markt verschiebe sich grundlegend.
Wacker musste in diesem herausfordernden Umfeld – wie viele andere Chemieunternehmen auch – seine ursprünglichen Ziele für 2025 unterjährig nach unten anpassen. „Mit dem Jahresumsatz von 5,49 Mrd. EUR und einem EBITDA von rund 529 Mio. EUR vor Sonderaufwendungen liegen wir im Rahmen der Markterwartungen. Doch wir können uns damit nicht zufriedengeben“, so Hartel weiter.
Kostenprojekt PACE auf Kurs
Um die Wettbewerbsfähigkeit von Wacker zu stärken, hat das Unternehmen im Oktober 2025 unter dem Namen „PACE“ das größte Kostensenkungsprojekt in seiner Geschichte gestartet. Ziel ist es, mit PACE die Kosten in Produktion und Verwaltung um über 300 Millionen Euro jährlich zu reduzieren. „So bringen wir unsere Kosten auf ein wettbewerbsfähiges Niveau und führen Wacker zurück auf die Erfolgsspur“, betonte Hartel. Um dieses Ziel zu erreichen, werden über 1.500 Stellen weltweit wegfallen, der Großteil davon in Deutschland. Das hatte Wacker bereits 2025 angekündigt. Wann das Unternehmen Details zum Stellenabbau in Deutschland bekannt geben kann, hängt vom Fortgang der Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern ab, die derzeit laufen.
Für 2026 leichtes Wachstum erwartet
Für das erste Quartal rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von rund 1,35 Mrd. EUR. Der Umsatz liegt damit unter dem Niveau des Vorjahres. Der Rückgang erklärt sich vor allem aus negativen Währungseffekten. Das EBITDA wird dagegen voraussichtlich bei 140 bis 160 Mio. EUR und damit über dem Niveau des Vorjahres liegen. Hier wirken sich Kosteneinsparungen positiv aus. Für das Gesamtjahr geht Wacker von einem Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich und einem EBITDA in der Spanne von 550 bis 700 Mio. EUR aus. Dabei sind mögliche Auswirkungen aus den aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten in der Prognose nicht enthalten.
„Wir sehen weiterhin keine Trendwende im Markt. Umso wichtiger sind die Hebel, die wir selbst beeinflussen können. An ihnen werden wir auch 2026 mit Hochdruck arbeiten“, so Hartel. Mittel- und langfristig werde Wacker wieder profitabel wachsen. „Mit PACE stellen wir uns wieder wettbewerbsfähig auf. Gleichzeitig schärfen wir unser Geschäftsmodell. In unseren Chemiebereichen fokussieren wir uns auf Spezialitäten, im Polysilicium-Geschäft auf den Halbleitermarkt und in unserer Life-Science-Sparte Biosolutions auf innovative Biotech-Anwendungen. Damit sind wir für die Zukunft gut aufgestellt, um unsere Kunden bestmöglich zu bedienen“, so Hartel.
Ausblick 2026
Wacker erwartet im Geschäftsjahr 2026 in Summe flache Absatzpreise und steigende Absatzmengen. Der Konzern geht davon aus, dass sich Währungseffekte negativ auf den Umsatz auswirken werden. Wacker rechnet insgesamt mit einem Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich (Umsatz 2025: 5,49 Mrd. EUR). Das EBITDA wird 2026 in einer Spanne von 550 bis 700 Mio. EUR erwartet; bei der EBITDA-Marge geht das Unternehmen von einem niedrigen zweistelligen Bereich aus. Die Investitionen werden sich 2026 voraussichtlich auf etwa 300 Mio. EUR belaufen.
Die Nettofinanzschulden werden nach Einschätzung des Unternehmens um einen niedrigen zweistelligen Prozentwert unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Wacker rechnet für 2026 mit einem positiven Netto-Cashflow, der deutlich über dem Niveau von 2025 liegt.
Für den Geschäftsbereich Silicones erwartet Wacker, dass sich der Umsatz 2026 auf dem Niveau des Vorjahres bewegt. Voraussichtlich werden höhere Absatzmengen und -preise negative Währungseffekte ausgleichen. Die EBITDA-Marge wird leicht über dem Vorjahresniveau erwartet.
Im Geschäftsbereich Polymers wird der Umsatz voraussichtlich ebenfalls auf dem Niveau des Vorjahres liegen. Auch hier werden höhere Absatzmengen und zum Teil höhere Preise von negativen Währungseffekten aufgezehrt. Die EBITDA-Marge liegt voraussichtlich leicht über dem Vorjahresniveau.
Für den Geschäftsbereich Biosolutions rechnet das Unternehmen – in einem weiterhin anspruchsvollen Marktumfeld – mit einem Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. Das EBITDA wird bei rund 30 Mio. EUR erwartet.
Im Geschäftsbereich Polysilicon wird der Umsatz voraussichtlich steigen. Erwartet wird ein Plus im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Dabei rechnet das Unternehmen damit, dass die Absatzmengen im Bereich Halbleiterpolysilicium deutlich steigen werden. Das Geschäft mit Solarpolysilicium bleibt dagegen weiterhin herausfordernd. Das EBITDA dürfte auf dem Niveau des Jahres 2025 liegen. Dabei werden der höhere Umsatz sowie Effekte aus Effizienzmaßnahmen voraussichtlich von höheren Energiekosten aufgezehrt. Diese Prognose enthält keine wesentlichen Effekte aus möglichen handelspolitischen Maßnahmen.











