24.11.2021 • News

Pharmaverbände: "Neue Koalition setzt falsche Signale"

Das Gesundheitskapitel des Koalitionsvertrags sieht vor, die Erstattungssituation für innovative Arzneimittel dramatisch zu verändern. Die Verbände BPI und VFA kritisieren manche der bekanntgewordenen Maßnahmen als "investitionsfeindlich" und "unkalkulierbar".

Bislang sind in Deutschland neue Medikamente sofort verfügbar. Weil die Kassen sie ab dem ersten Tag der Zulassung erstatten: Zu verlässlich planbaren Preisen, ohne nachträglich eingeforderte Abzüge. Rabatte werden nach einem Jahr der Bewertung und Preisverhandlung gewährt. Jetzt soll die Möglichkeit geschaffen werden, rückwirkende Rabatte einzuführen. Nachträgliche Abzüge sind aber unkalkulierbare Risiken für die Unternehmen. So argumentiert der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland (VFA).

"Hier wird eine traditionelle Stärke des deutschen Systems - die schnelle Verfügbarkeit von neuen Arzneimitteln - unnötig aufs Spiel gesetzt. Zur Unzeit! Corona hat gezeigt, wie wichtig der Regulierungsrahmen für die Versorgung ist. Wenn etwa neue Medikamente nur in begrenzter Menge zur Verfügung stehen, entscheidet die Planbarkeit der Erstattungsbedingungen mit darüber, wohin geliefert wird", sagte VFA-Präsident Han Steutel.

"Klar ist aber auch, dass ein Koalitionsvertrag nicht alles regeln kann. Deshalb setzen wir darauf, dass die Ampelkoalition in den kommenden vier Jahren mehr Modernisierung wagen wird, als schriftlich fixiert wurde. Dabei liegt uns die Entbürokratisierung des komplizierten deutschen Gesundheitssystems besonders am Herzen", so Steutel weiter.

Vor dem Hintergrund der existentiellen Wichtigkeit der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln und Impfstoffen bedarf es einer klaren Position zur Stärkung der Industriellen Gesundheitswirtschaft in Deutschland und Europa, schreibt der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) in einer Stellungnahme.

„Die heute im Koalitionsvertrag beschlossenen Maßnahmen bleiben in einigen Teilen unkonkret und lassen unterschiedliche Interpretationen zu“, urteilte Hans-Georg Feldmeier, Vorsitzender des BPI.
 
"Wir freuen uns einerseits über Signale, die eine Stärkung des Pharmastandortes Deutschland ermöglichen sollen und begrüßen das Ziel der Entbürokratisierung. Gleichzeitig bleiben aber investitionsfeindliche Maßnahmen, wie die Deckelung der Preise durch das Preismoratorium, seit mehr als elf Jahren bestehen. Neue Arzneimittel müssen in Deutschland weiterhin schnell verfügbar sein“, führt Feldmeier weiter aus. „Die aktuelle Coronakrise belegt, wie wichtig ein innovationsoffenes System für die schnelle Verfügbarkeit von Arzneimitteln ist. Hier setzt die neue Koalition falsche Signale.“
 
Wir werden die Herausforderungen einer ökologischen Neuausrichtung der Gesellschaft und sichere Lieferketten nur erreichen, wenn es dafür verlässliche Rahmenbedingungen und auskömmliche Preise für alle Arzneimitteltherapien gibt.

 

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