22.04.2026 • News

Neuausrichtung auf Exklusivsynthese

© WeylChem

WeylChem verstärkt Positionierung als Innovationspartner für kundenspezifische chemische Lösungen.

Interview mit Benjamin Bechem, WeylChem

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Benjamin Bechem, President, WeylChem CDMO
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WeylChem, die Fein- und Spezialchemie-Plattform der International Chemical Investors Group (ICIG) umfasst neun Unternehmen und rund 1.400 Mitarbeitende. Die Unternehmensgruppe ist als Contract Development and Manufacturing Organization (CDMO) weltweit in der kundenspezifischen Herstellung von Spezialchemikalien tätig und beliefert Kunden zudem mit einer breiten Palette an Zwischenprodukten. Das CDMO Geschäft wird zukünftig in der WeylChem Gruppe gebündelt und unter eine Leitung gestellt. CHEManager befragte Benjamin Bechem, President von WeylChem CDMO, zur Strategie hinter der Neuorganisation und der Entwicklung und Positionierung des Segments im globalen CDMO-Markt. Die Fragen stellte Michael Reubold.

CHEManager: WeylChem bündelt alle Einheiten, die sich in ihrem Kerngeschäft mit der Auftragssynthese beschäftigen, in der Business Unit CDMO. Welche Geschäftseinheiten sind das?

Benjamin Bechem: Die Business Unit WeylChem CDMO bündelt alle Einheiten, deren Kerngeschäft die kundenspezifische Entwicklung und industrielle Herstellung von Fein- und Spezialchemikalien ist. Dies sind die WeylChem-Einheiten Allessa, Organica und Lamotte im Segment Specialty Chemicals sowie WeylChem Vasant.
Ergänzend haben wir unsere Kapazitäten im Bereich Auftragsforschung gezielt ausgebaut – insbesondere an den Standorten Bitterfeld-Wolfen und Hyderabad. Dadurch sind wir in der Lage, Projekte bereits sehr früh zu begleiten und einen zusätzlichen Service anzubieten. Von der ersten Idee über Entwicklung und Scale-up bis zur kommerziellen Produktion – mit klarer Verantwortung und ohne Brüche.
Unser Verständnis von WeylChem CDMO ist ein integriertes Setup, das Komplexität reduziert, Verantwortung bündelt und Projekte zuverlässig in die Umsetzung bringt.

Was versprechen Sie sich von der neuen Organisation für die Business Unit CDMO und wie profitieren Ihre Kunden?

B. Bechem: Für unsere Kunden bedeutet dieser Ansatz eine spürbare Vereinfachung der Zusammenarbeit. Die Abstimmung über mehrere Einheiten hinweg wird deutlich reduziert, da sie über einen zentralen Ansprechpartner Zugang zu insgesamt vier operativen Einheiten erhalten.
Intern heißt das: weniger Schnittstellen, mehr Verbindlichkeit und ein klarer Fokus auf Umsetzung.
Am Ende geht es nicht um Organisation – sondern darum, Projekte zuverlässig und in der richtigen Geschwindigkeit umzusetzen und damit echten Mehrwert für unsere Kunden zu generieren.

Wie definieren Sie Ihre Kundenmärkte, wie beurteilen Sie die Nachfragesituation und welche Trends nehmen Sie derzeit wahr?

B. Bechem:
Wir fokussieren uns auf Segmente wie Personal & Home Care, CASE – also Anwendungen rund um Beschichtungen, Klebstoffe, Dichtstoffe und Elastomere –, Elektronik, Spezialpolymere sowie ausgewählte Life-Sciences-Anwendungen und Agrochemie. Unsere Kunden legen Wert auf Verlässlichkeit, kurze Reaktionszeiten und die professionelle Umsetzung auch komplexer Sachverhalte.
Vor diesem Hintergrund ist eine deutliche Entwicklung hin zu langfristig angelegten Partnerschaften zu beobachten. Verlässliche Lieferfähigkeit und die konsequente Umsetzung auch komplexer Anforderungen sind heute entscheidende Voraussetzungen für eine strategische Zusammenarbeit.

„Die enge Verzahnung von chemischer und prozesstechnischer Entwicklung, Scale-up und Produktion reduziert Schnittstellen und damit Risiken.“

Ihre Leistungen decken die gesamte Wertschöpfungskette von der Entwicklung bis zur kommerziellen Produktion von Spezialchemikalien ab. Welchen Mehrwert bietet das für die Kunden?

B. Bechem: Die enge Verzahnung von chemischer und prozesstechnischer Entwicklung, Scale-up und Produktion reduziert Schnittstellen und damit Risiken. Gleichzeitig erhöht sie die Prozesssicherheit und beschleunigt die Umsetzung.
Der Kunde profitiert dabei konkret von einer breiten Servicepalette – von der chemischen Entwicklung bis zur Produktion, der Möglichkeit, standortübergreifend zu arbeiten und dadurch zusätzliche Flexibilität zu gewinnen.
Für unsere Kunden bedeutet das eine schnellere Time-to-Market, klare Verantwortlichkeiten und die Sicherheit, dass Ideen und Projekte zuverlässig in industrielle Realität überführt werden.
Zusätzlich bietet die Zugehörigkeit der WeylChem zur ICIG eine enge Anbindung an ICIG Ventures. In der ICIG Ventures werden Beteiligungen an Start-ups der chemischen Industrie geprüft. Diese Start-ups stehen oft im Zusammenhang mit nachhaltigen und biobasierten Produkten. Da Start-ups häufig in der Prozessentwicklung und Skalierung scheitern, bietet die WeylChem CDMO einen geeigneten Hafen, um Prozesse für ein industrielles Niveau zu etablieren. Diesen Zugang zu neuen biobasierten Molekülen stellen wir auch unseren Kunden zur Verfügung.

Wie hat sich die Rolle von CDMOs vom Dienstleister zum Innovationspartner gewandelt? Welche Faktoren beschleunigen diese Entwicklung?

B. Bechem: Wir wollen die Rolle des CDMO weiterentwickeln und es geht uns darum, Probleme gemeinsam zu lösen – nicht nur Prozesse abzuarbeiten. Kunden erwarten nicht nur Produktionskapazitäten, sondern auch technologische Beratung, R&D-Kompetenz und ein aktives Mitdenken in der Lösungsfindung.
Unsere Stärke ist dabei die Nähe zur Produktion und der gezielte Ausbau unserer CRO-Strukturen. Mit unseren CRO-Standorten in Bitterfeld-Wolfen und Hyderabad begleiten wir Projekte bereits in sehr frühen Phasen und entwickeln sie konsequent in Richtung industrielle Umsetzung.

Mit Standorten in Europa und Indien verfügt WeylChem über Produktionskapazitäten auf zwei Kontinenten. Wie wichtig ist diese geografische Präsenz in der aktuellen geopolitischen Situation?

B. Bechem: Die internationale Aufstellung unserer Produktionsstandorte in Europa und Indien schafft beste Voraussetzungen, um auf aktuelle Entwicklungen im Markt flexibel und verlässlich zu reagieren. Mit einem international aufgestellten Vertriebsteam in Europa, den USA und Asien sind wir in unseren wichtigsten Märkten vertreten und gewährleisten eine enge, kundennahe Betreuung vor Ort. In der aktuellen geopolitischen Situation geht es genau darum: Optionen zu haben und liefern zu können.

Wie beeinflussen die gegenwärtigen geopolitischen Spannungen das Projektgeschäft und die Partnerschaften zwischen CDMO und Kunden?

B. Bechem: Die veränderten globalen Rahmenbedingungen haben die Anforderungen an die Industrie deutlich verschärft. Versorgungssicherheit und Stabilität stehen heute klar im Fokus, ebenso wie eine internationale Aufstellung der Lieferketten. Das führt zwangsläufig zu engeren, strategischen Partnerschaften – und zu mehr Verantwortung für alle Beteiligten.

Viele CDMOs sprechen über Inte­gration und Innovation. Was unterscheidet Ihren Ansatz aus globaler Umsetzungskompetenz und Innovationszugang konkret – und warum ist er aus Ihrer Sicht entscheidend für langfristige Partnerschaften?

B. Bechem: Unser Ansatz ist klar: inte­griert denken, global handeln und konsequent auf Umsetzung ausgerichtet sein. Was uns unterscheidet, ist die Art, wie wir Integration verstehen: Wir verbinden unsere internationalen Standorte und Kompetenzen so, dass Projekte effizient und ohne Brüche von der frühen Entwicklung bis zur industriellen Produktion geführt werden können.
In Kombination mit unserem Zugang zu Innovationen – etwa über ICIG Ventures – bedeutet das für unsere Kunden vor allem eines: Wir können neue Technologien und Ansätze gezielt verfügbar machen und in konkrete Projekte überführen.
Wir verstehen uns nicht als Treiber eigener Produktideen, sondern als Partner, der Kundenprojekte zuverlässig, schnell und in der erforderlichen Qualität realisiert – auch bei hoher Komplexität.
Genau diese Verlässlichkeit, gepaart mit integrierter Projektführung über alle Phasen hinweg, ist aus unserer Sicht die Grundlage für langfristige Partnerschaften im Bereich Fine Chemicals.

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Benjamin Bechem

Benjamin Bechem leitet seit März als President die Business Unit WeylChem CDMO. Bechem trat im Juli 2024 in die WeylChem-Gruppe ein und übernahm zunächst den weltweiten Vertrieb für Custom Manufacturing & Tolling. Im November 2024 wurde er Geschäftsführer von WeylChem Organica und CBW in Bitterfeld-Wolfen. Seit März 2025 leitete er zusätzlich die WeylChem Allessa und den Geschäftsbereich Fine Chemicals. Nach seiner Promotion in Heidelberg 2010 startete er bei Lanxess und sammelte seither umfassende Führungs- und Managementerfahrung in Innovation, Marketing und Nachhaltigkeit.

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