MicroHarvest baut Produktionsanlage in Leuna
Das deutsche Biotech-Start-up MicroHarvest hat den Industriepark Leuna als Standort für seine zukünftige Produktionsanlage ausgewählt. Das 2021 gegründete Hamburger Biotechnologieunternehmen stellt Proteininhaltsstoffe durch Biomassefermentation unter Nutzung regionaler Nebenströme der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft her.

Die geplante Anlage ist auf eine jährliche Kapazität von 15.000 t ausgelegt. Vorgesehen ist eine Investition im mittleren zweistelligen Millionenbereich in der Region sowie die Schaffung von rund 25 Arbeitsplätzen bei MicroHarvest in Sachsen-Anhalt.
Das Unternehmen hat einen Förderbescheid in Höhe von bis zu 5,46 Mio. EUR aus dem Bundesförderprogramm für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft erhalten. Die Förderung dient dazu, die Skalierung einer energie- und ressourceneffizienten industriellen Bioproduktion zu beschleunigen.
Im November 2023 hatte MicroHarvest eine erste Pilotanlage in Lissabon eröffnet. Die Entscheidung für Leuna als Standort für die zukünftige Produktionsanlage stellt einen wichtigen Meilenstein dar, da das Unternehmen nun in die industrielle Fertigung einsteigt und Innovation, Arbeitsplätze sowie eine widerstandsfähigere Proteinversorgung nach Deutschland und Europa bringt. Der grobe Zeitplan sieht einen Produktionsstart in etwa zwei Jahren vor. Angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach Protein und fragiler Lieferketten skaliert MicroHarvest die fermentationsbasierte Produktion, um die europäische Proteinversorgung widerstandsfähiger zu machen.
„Die Entscheidung für Leuna ist ein entscheidender Schritt, da wir nun vom Technologieaufbau zum Aufbau industrieller Kapazitäten übergehen“, sagte Katelijne Bekers, Mitgründerin und CEO von MicroHarvest. „Bei diesem Projekt geht es darum, die europäische Versorgungssicherheit zu stärken, indem wir einen neuen, skalierbaren Proteinpfad schaffen, der unabhängig von Jahreszeiten und Klimaschwankungen ist. Leuna bietet uns das industrielle Rückgrat und das regionale Ökosystem, um dies umzusetzen.“

MicroHarvest hat Leuna unter rund 40 potenziellen Standorten in Europa, die zunächst geprüft wurden, ausgewählt. Der Standort punktet durch die Nähe zu regionalen Rohstoffen, eine hochwertige industrielle Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen im Industriepark Leuna sowie einen etablierten Industriecluster mit wachsendem Biotechnologie-Ökosystem. Das Projekt soll zudem die Transformation der Industrieregion Leuna unterstützen und biotechnologisch ermöglichte, ressourcenschonende Produktionsmethoden neben der etablierten Industrie vorantreiben.
„Unser Ziel war es, einen Standort zu finden, an dem wir uns auf unser Kerngeschäft Biotechnologie konzentrieren können, anstatt industrielle Grundlagen neu aufbauen zu müssen“, sagte Jonathan Roberz, Mitgründer und COO von MicroHarvest. „Leuna hat uns eindeutig überzeugt. Die Qualität der Infrastruktur, die Versorgungseinrichtungen und das umgebende Agrarverarbeitungsnetzwerk schaffen die Voraussetzungen für eine schnelle Umsetzung – genau das, was man braucht, wenn man eine Fermentationsproduktion skaliert.“
Der Chemiestandort Leuna in Sachsen-Anhalt mit seinen mehr als 100 Unternehmen hat sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt: Neue Produktionsanlagen wurden errichtet und in deren Folge viele Infrastrukturprojekte angestoßen. Mit einem aktuellen Investitionsvolumen von mehr als 2 Mrd. EUR sticht Leuna in der derzeit verhaltenen Entwicklung der Branche heraus. Derzeit errichtet u.a. UPM Biochemicals die weltweit erste Bioraffinerie zur Herstellung von Biochemikalien auf Basis von Laubholz im Chemiepark in Sachsen-Anhalt.
In Leuna plant MicroHarvest, Nebenströme aus der Agrar- und Lebensmittelverarbeitung – vor allem Melasse – als Rohstoffbasis zu nutzen. Das Unternehmen hat die regionale Verfügbarkeit gesichert, um eine kurze, lokale Lieferkette zu gewährleisten und die Versorgungssicherheit unter unsicheren geopolitischen Bedingungen zu stärken.
MicroHarvest wird mit InfraLeuna als Betreiber und Versorger sowie mit regionalen Agrarverarbeitern als Rohstofflieferanten zusammenarbeiten. Das Projekt wird voraussichtlich auch von lokalen und bundesweiten öffentlichen Stellen durch Genehmigungsverfahren und Investitionsanreize unterstützt.













