Logistik-Outsourcing: Erwartungen und Realität klaffen zunehmend auseinander

Logistik-Outsourcing bleibt ein zentraler Bestandteil moderner Wertschöpfungsstrukturen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Steuerung, Transparenz und Zusammenarbeit zwischen Verladern und Logistikdienstleistern deutlich. Das zeigt die aktuelle Miebach Studie zum Logistik-Outsourcing 2026, für die in Kooperation mit der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ) insgesamt 198 Verlader und 164 Logistikdienstleister aus Deutschland, dem restlichen Europa und Lateinamerika befragt wurden.
Die Ergebnisse zeigen: Outsourcing bleibt auf Wachstumskurs, wird jedoch komplexer. Während die grundlegende Aufgabenteilung zwischen Verladern und Logistikdienstleistern weitgehend stabil bleibt, nehmen die Anforderungen an Entscheidungsfindung, Governance, Transparenz und Implementierungsfähigkeit deutlich zu. Digitalisierung und Automatisierung verändern Outsourcing-Modelle nicht grundlegend, erhöhen jedoch die Komplexität in Ausschreibung, Vergabe und Umsetzung.
„Digitalisierung und Automatisierung verändern Outsourcing – sie machen Entscheidungen in der Ausschreibung und Vergabe komplexer. Wer heute auslagert, muss nicht nur Kosten und Leistung unterschiedlicher Automatisierungskonzepte bewerten, sondern auch Steuerung, Transparenz und Implementierungsfähigkeit im Blick behalten“, sagt Bernd Müller-Dauppert, Head of Business Unit Digital & Transformation bei Miebach.
Outsourcing steigt weiter an
Mit Blick auf die Zukunft bleibt die Grundstimmung positiv: Über alle Regionen hinweg rechnen 65 % der Befragten mit einem weiteren Anstieg des Outsourcings. In Deutschland erwarten 62 % der Verlader und 60 % der Logistikdienstleister eine Zunahme.
Logistik-Outsourcing konzentriert sich dabei weiterhin stark auf klassische operative Leistungen. Transport- und Lagerprozesse bilden nach wie vor den Kern der ausgelagerten Dienstleistungen, während strategische Management- und Steuerungsfunktionen überwiegend intern bleiben.
Rund 60 % der befragten Unternehmen haben Transportleistungen bereits vollständig ausgelagert, 25 % betreiben ihre Lagerlogistik vollständig extern.
Zentrale Outsourcing-Motive
Aus Sicht der Verlader wird Outsourcing weiterhin vor allem aus wirtschaftlichen Gründen betrieben. Die wichtigsten Motive sind die Variabilisierung der Kosten mit 80 %, die Vermeidung von Investitionen mit 79 % sowie die Konzentration auf Kernkompetenzen mit 77 %. Reine Kostenreduktion bleibt mit 73 % relevant, steht jedoch nicht mehr allein im Mittelpunkt.
Neue Themen wie Digitalisierung, Automatisierung und Nachhaltigkeit gewinnen an Bedeutung, stehen aber nicht an der Spitze der Entscheidungskriterien. Digitalisierung wird von 53 % der Verlader als Grund für Outsourcing genannt, Automatisierung von 45 % und Nachhaltigkeit von 34 %.
Regional zeigen sich klare Unterschiede: Deutsche Verlader stehen stärker unter Kostendruck, während Service, Kapazitätserweiterung, Automatisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit international eine größere Rolle spielen.
"Digitalisierung und Automatisierung verändern Outsourcing."
Wirtschaftlicher Erfolg hinter Erwartungen
Trotz positiver Wachstumserwartungen bleibt die Zufriedenheit der Verlader mit den Ergebnissen von Outsourcing-Projekten verhalten. In Deutschland hat sich nur bei 34 % der Befragten ein wirtschaftlicher Erfolg durch Outsourcing eingestellt. Im restlichen Europa (ohne Deutschland) liegt dieser Wert bei 42 %, in Lateinamerika bei 65 %.
Ein wesentlicher Treiber der Unzufriedenheit ist die mangelnde Transparenz über Kosten und Leistungen. Viele Auftraggeber können nicht nachvollziehen, warum Raten steigen oder welche Leistungen konkret berechnet werden. Zu den Top-Gründen für Unzufriedenheit zählen mangelnde KPIs und Transparenz, Preisgestaltung, IT- und Digitalisierungsfähigkeiten, Qualität sowie Automatisierungsinitiativen.
„Kostensteigerungen ohne klare Nachvollziehbarkeit sind ein zentraler Treiber der Unzufriedenheit. Offene Kommunikation, Transparenz und belastbare Kennzahlen sind der Schlüssel für eine nachhaltige Dienstleisterbeziehung“, sagt Klaus-Peter Jung, Head of Industry bei Miebach.
Abhängigkeit wird zum größten Risiko

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die veränderte Risikowahrnehmung der Verlader. Die Abhängigkeit vom Dienstleister wird inzwischen in allen Regionen als größtes Risiko wahrgenommen. In Deutschland nennen 85 % der Befragten dieses Risiko – gegenüber 7 % in der Studie 2023.
Klassische Risiken wie Kontrollverlust und Qualitätsprobleme bleiben weiterhin relevant, haben aber im Vergleich zur vorherigen Befragung an Gewicht verloren. In Deutschland nennen 63 % Kontrollverlust und 60 % Qualitätsrisiken als zentrale Risiken. Damit verschiebt sich die Wahrnehmung zunehmend von kurzfristigen operativen Risiken hin zu langfristigen strategischen Abhängigkeiten.
Dieser Beitrag ist in CHEManager 5/2026 erschienen.
Lesen Sie mehr! Aktuelle Nachrichten, meinungsbildende Interviews, detaillierte Marktberichte und fundierte Fachartikel geben CHEManager-Lesern den entscheidenden Informationsvorsprung!
Zur CHEManager-Ausgabe












