17.03.2026 • News

Kunststoffbranche warnt vor Dominoeffekt

Die deutsche Kunststofferzeugung steckt weiterhin in der Krise und sieht der Zukunft mit Sorge entgegen. „Deutschland hat eine lange Tradition in der Kunststoffherstellung, ob das allerdings in der Zukunft so bleibt ist keineswegs garantiert“, sagte Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland, bei der Wirtschaftspressekonferenz des Verbands.

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Alle zentralen wirtschaftlichen Kennzahlen der deutschen Kunststofferzeugung entwickelten sich 2025 negativ: Die Produktion sank um 4,5 %, der Umsatz um 7,6 % auf 24,6 Mrd. EUR, die Exporte um 5,5 %.

Ursachen waren die schwache Konjunktur und die damit verbundene geringere Nachfrage, zunehmender Wettbewerb aus dem Ausland sowie anhaltende Handelskonflikte. Unter anderem war die Umlenkung von chinesischen Produkten, die ursprünglich für den US-amerikanischen Markt vorgesehen waren, nach Europa deutlich sichtbar.

Seit Beginn der Energiekrise 2022 summiert sich der Produktionsrückgang der Kunststofferzeuger in Deutschland auf mehr als 26 %, während die weltweite Nachfrage nach Kunststoffen weiter gestiegen ist.

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Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland, mit Ralf Düssel, Vorstandsvorsitzender von Plastics Europe Deutschland (re.), und Maximilian Nichterlein, Wirtschaftssprecher Plastics Europe Deutschland (li.)
© Plastics Europe Deutschland

Die Stärke des Standorts wird zur Achillesferse

Die enge Verzahnung der Wertschöpfungskette ist bislang ein zentraler Standortvorteil Deutschlands: kurze Wege zwischen Forschung und Industrie, hochqualifizierte Fachkräfte und die Nähe zu Schlüsselbranchen.

Daher träfen die Folgen der Krise in der Kunststoff‑ und Chemieindustrie weit mehr als nur eine Branche, erklärt Ralf Düssel, Vorstandsvorsitzender von Plastics Europe Deutschland. „In Chemieparks gibt es kein Rosinenpicken. Rohstoffe, Energie, Dampf und Infrastruktur sind standortübergreifend kalkuliert.“ Man könne nicht einzelne Anlagen herausnehmen und glauben, der Rest funktioniere weiter. Falle ein zentraler Baustein weg, drohe ein Dominoeffekt – zunächst am Standort und dann auch für Zulieferer, Verarbeiter, Maschinenbau und andere Partner.

Dringende Maßnahmen zum Erhalt der deutschen Kunststoffindustrie

Für die Stabilisierung des Industriestandorts braucht es aus Sicht der Kunststofferzeuger dringende und umfassende Reformen: den Abbau verbliebener Handelsbarrieren im EU‑Binnenmarkt, weniger nationale Sonderwege bei der Umsetzung europäischer Vorgaben und spürbare Entlastungen bei Energie‑ und Strompreisen.

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© PlasticsEurope Deutschland

Geopolitik rückt Lieferketten und Rohstoffsicherheit in den Fokus

Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen führen vor Augen, wie verletzlich Europas Rohstoffversorgung ist. Deutschland und Europa sind rohstoffarm. Wer die industrielle Basis sichern wolle, müsse die Rohstoffe, die bereits im Land sind, konsequent im Kreislauf halten, so Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland.

Der Wettbewerb um Kreislaufwirtschaft wird härter

Zwar habe es zuletzt positive Impulse gegeben, doch reichten diese aus Sicht des Verbands nicht aus, um in der Kreislaufwirtschaft das nötige Tempo zu entfalten. Gleichzeitig holen andere Regionen der Welt rasch auf: China hat seine Recyclingkapazitäten innerhalb von nur zwei Jahren nahezu verdoppelt und ist bezogen auf die Menge zum weltweit größten Lieferanten von recycelten Kunststoffen aufgestiegen. Europa hat zwar noch einen Technologie- und Infrastrukturvorsprung, doch häufen sich aktuell die Insolvenzen auch bei Kunststoffrecyclern.

Rezyklateinsatzziele: Ohne neue Technologien unerreichbar

Der Verband betont: Marktanreize wie Recycling- und Rezyklateinsatzquoten oder Hebel wie die öffentliche Beschaffung seien unverzichtbar, um Nachfrage zu schaffen. Doch ohne einen Rahmen, der die Zielerreichung ermögliche, liefen diese Maßnahmen ins Leere. Bunte hebt in dem Zusammenhang die zentrale Bedeutung von pragmatischen und anwendbaren Massenbilanzregeln hervor.

„In beiden Bereichen – Standortsicherung und Transformation – müssen wir Pragmatismus vor Perfektion stellen,“ fasst Bunte zusammen. „Nicht jede Regel muss von Beginn an vollständig ausformuliert sein. Nicht jede offene Frage lässt sich vorab klären. Wir können nicht darauf warten, dass andere langsamer werden. Wir müssen schneller werden.”

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