20.02.2026 • News

Kautschukindustrie: Produktionsverlagerungen ins Ausland sind real

Die Kautschukindustrie in Deutschland bekommt nicht die Kurve. Im Jahr 2025 ging die Beschäftigung im fünften und die Produktion im vierten Jahr in Folge zurück.

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Michael Berthel, WDK Chefvolkswirt
© WDK

Das geht aus den jüngsten Branchendaten hervor, die der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (WDK) heute in Frankfurt am Main veröffentlicht hat.

Demnach ist die Nachfrage nach den zuvor heißbegehrten Gummiprodukten „Made in Germany“ sowohl im In- als auch im Ausland schwach. „Selbst auf dem von heimischen Anbietern dominierten Binnenmarkt finden nie gesehene Marktanteilsverschiebungen statt. Die Auftragsvergaben für industrielle Gummiprodukte orientieren sich derzeit nahezu ausschließlich an Kostenfaktoren. Das ist ein eklatanter Unterschied zu den bislang dominierenden qualitätsbasierten Bestellungen,“ erklärte WDK-Chef-Volkswirt Michael Berthel. Er verwies auf den scharfen internationalen Kostenwettbewerb. Hier könnten sich die mittelständischen deutschen Qualitätsanbieter kaum behaupten – zu erdrückend seien die standortbezogenen Energie-, Bürokratie-, Steuer- und Arbeitskosten.

„Die Unternehmen der deutschen Kautschukindustrie sind daher gezwungen, den Kostenbelastungen im Inland zu entgehen und Investitionen ins Ausland zu verlagern. Und dies, obwohl die Unternehmen ihre Verwurzelung mit dem deutschen Standort gar nicht lösen wollen. Sie haben in den vergangenen Jahren die strategisch notwendige Transformation ihrer Unternehmen vollzogen und wollen in Deutschland die Kurve kriegen. Stattdessen machen sie die Grätsche“, so Berthel.

Der Präsident des WDK, Michael Klein, nahm die Zahlen zum Anlass, um die Bundesregierung dringend zum Handeln aufzufordern. „Die schlechte Lage des Industriestandorts in Deutschland ist hinlänglich bekannt und ausgiebig durchdiskutiert worden. Was wir jetzt brauchen, ist eine klare politische Unterstützung zur Belebung der Nachfrage und zur Verbesserung der deutschen und europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Nicht übermorgen, nicht morgen, sondern heute. Die deutsche Kautschukindustrie ist in den systemkritischen Bereichen Gesundheit, Infrastruktur, Sicherheit und Mobilität unersetzlich. Sie darf nicht sehenden Auges verloren gehen.“

WDK-Präsident Michael Klein
WDK-Präsident Michael Klein
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