Chemie warnt: Ohne Kurswechsel drohen weitere Industrieverluste
Vor dem Start des Wettbewerbsgipfels der Europäischen Union am Donnerstag warnt die chemisch-pharmazeutische Industrie vor einem weiteren Verlust an industrieller Stärke in Europa.

Hohe Energiepreise, wachsende Bürokratie und Reformunfähigkeit der Politik setzen die Branche zunehmend unter Druck und bremsen Investitionen aus. Hinzu kommen die Kapriolen in der Handelspolitik sowie zuletzt der Krieg im Iran. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) fordert deshalb von den Staats- und Regierungschefs, Reformen mit Hochdruck anzugehen.
VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup sagt: „Für unsere Unternehmen tickt die Uhr. Der Nahost-Konflikt macht die Lage noch schlimmer. Der Standort Europa ist einfach zu teuer. Unsere Branche kämpft täglich darum, wettbewerbsfähig zu bleiben und die Zukunft zu gestalten. Doch die EU hat noch immer keinen schlüssigen Plan. Aufbruchsstimmung? Fehlanzeige! Zähe Kompromisse und Widerstände im politischen Räderwerk bremsen den Fortschritt aus. Europa kann sich diesen Stillstand nicht länger leisten. Jetzt muss Schluss sein mit dem Schneckentempo.“
Konkret erwartet der VCI massive Deregulierung und eine Reform des Emissionshandels. Die wirtschaftliche Lage der Branche zeigt, wie ernst die Situation ist: Die Chemieproduktion sinkt von Jahr zu Jahr und die Kapazitätsauslastung bleibt deutlich unter der Rentabilitätsschwelle. Gleichzeitig investieren Wettbewerber in anderen Weltregionen massiv in neue Anlagen und Technologien. Für Gesundheitsinnovationen sind Länder wie China oder die USA längst die bevorzugten Standorte für Markteinführungen. Europa muss hier dringend aufholen.
„Der Europäische Rat muss eine mutige Deregulierungsagenda anstoßen und dafür einen klaren Zeitplan benennen“, so Große Entrup. „Bis wann wird welches Gesetz vereinfacht oder gestrichen? Auch muss das Beihilferecht so reformiert werden, dass die europäische Wirtschaft angesichts der zunehmenden globalen Herausforderungen gestärkt werden kann. Und wir brauchen ein deutliches Signal zum Emissionshandel. Das jetzige System fährt uns mit Ansage an die Wand. 2026 muss endlich das Jahr des industriepolitischen Befreiungsschlags werden. Europa muss jetzt vom Schneckentempo in den Turbo schalten.“











