Chemie-Tarifrunde erneut ergebnislos vertagt
Auch die zweite bundesweit zentrale Tarifverhandlung für die 585.000 Beschäftigten in der Chemie- und Pharmaindustrie ist nach zwei Tagen zähen Ringens am Dienstag ohne Ergebnis geblieben.

„Die Arbeitgeber haben ein Angebot vorgelegt, das noch zu weit von den Sorgen und der Lebensrealität der Beschäftigten entfernt ist“, machte IGBCE-Verhandlungsführer und -Tarifvorstand Oliver Heinrich deutlich. „Offensichtlich brauchen sie noch Wochen der inneren Einkehr, damit wir zu sozialpartnerschaftlichen Kompromissen kommen.“
Schwierig gestaltet sich laut BAVC insbesondere die Diskussion um den Beitrag der Tarifparteien zur Wiedergewinnung der Wettbewerbsfähigkeit am Chemiestandort Deutschland. Nach Jahren der Krise mit einem Produktionseinbruch von20 %, historisch schwacher Auslastung und Stellenabbau ist ein „Weiter so“ für die Arbeitgeber keine Option.
BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk: „In der Industrie haben sich die Rahmenbedingungen für Tarifpolitik fundamental verändert. Anders als über Jahrzehnte gewohnt, gibt es derzeit keine Zuwächse, die wir verteilen können. Im Gegenteil: Im Zentrum der Verhandlungen steht, wie wir die Lasten der Krise fair verteilen. Nachdem die Arbeitgeber mit dem Tarifabschluss 2024 massiv in Vorleistung gegangen sind, ist es nun vor allem an der IGBCE, sich zu bewegen. Die Unternehmen brauchen jetzt eine tarifpolitische Atempause, um sich so gut wie möglich neu aufzustellen.“
Die dritte Verhandlungsrunde ist für den 24. und 25. März im rheinland-pfälzischen Bad Breisig angesetzt. Bis dahin werde es in den Betrieben bundesweit Aktionen geben, kündigte IGBCE-Verhandlungsführer Heinrich an. „Die Kolleginnen und Kollegen werden klarmachen, dass diese Tarifrunde Antworten auf ihre zentralen Zukunftssorgen liefern muss. Ohne spürbare Fortschritte bei Jobsicherheit und Kaufkraft kann es keinen Abschluss geben.“
Der IGBCE-Tarifvorstand erinnerte daran, dass die Chemie- und Pharma-Beschäftigten bis heute 5 % unter dem Niveau von 2018 liegen. „Hier erwarte ich von den Arbeitgebern mehr Verantwortungsbewusstsein und mehr Sinn für Gerechtigkeit.“ Am Ende der Verhandlungen müsse ein Gesamtpaket stehen, das nicht hinter anderen Branchenabschlüssen zurückfalle. Heinrich erinnerte daran, dass in vielen Betrieben der Industrie, etwa im Pharma-Bereich, tiefschwarze Zahlen geschrieben würden und satte Dividenden geplant seien.
Die IGBCE fordert in dieser Tarifrunde eine Erhöhung der Einkommen für die Tarifbeschäftigten und Auszubildenden, die die Kaufkraft weiter stärkt, sowie tarifliche Instrumente zur Beschäftigungssicherung. Die Verhandlungen laufen bereits seit Mitte Januar. Nach insgesamt neun ergebnislosen Gesprächen in den Regionen waren sie Anfang Februar auf die Bundesebene gewechselt.
BAVC-Verhandlungsführer Bürk erklärte: „Wir müssen weiter verhandeln, um den Graben von beiden Seiten zuzuschütten. Am Ende brauchen wir einen Tarifabschluss, mit dem unsere Branche wettbewerbsfähiger wird.“ Nun gelte es, kühlen Kopf zu bewahren. „Wir werden weiter konstruktiv an einem Kompromiss arbeiten. Beide Seiten sind in der Pflicht, für Fortschritte in den Verhandlungen zu sorgen“, so Bürk.












