Wir brauchen einen Plan – und Zuversicht

Man muss nicht einstimmen in die düsteren Szenarien, die inmitten Europas eine große deindustrialisierte Zone sehen. Davon sind wir noch ein großes Stück entfernt.

Christoph Meyer, Geschäftsführer, Bundesvereinigung Logistik (BVL) © BVL
Christoph Meyer, Geschäftsführer, Bundesvereinigung Logistik (BVL) © BVL

Aber es wäre fatal, den aktuellen Entwicklungen einfach weiter zuzusehen. Markt bedeutet, dass die Unternehmen dorthin gehen, wo insgesamt die besten Standortbedingungen herrschen – das ist aktuell nicht Deutschland und auch nicht Europa. Herausforderungen gibt es viele in der europäischen Indus­trie. Teure Energie, überbordende Regulierung und Bürokratie, In­frastrukturdefizite, der Bedarf an regenerativen Energien und Rohstoffen, Lieferkettenpro­bleme, Fachkräftemangel, Innovationsdefizite und insgesamt ein Nullwachstum auch beim Konsum setzen nicht nur der chemischen Industrie und der damit verbundenen Logistik zu. Besonders fatal: Zur Adressierung dieser Probleme fehlt insgesamt ein Plan, eine Industriestrategie – sowohl national als auch in der EU.

Gut ist, dass viele der Hürden für die chemische Industrie inzwischen von der Politik erkannt wurden. Bloße Erkenntnis oder Absichtserklärungen nützen aber nichts, wenn sich in der Realität nichts ändert. In einigen Bereichen wissen wir jetzt schon, dass es erst noch schlechter wird, bevor überhaupt eine Besserung zu erwarten ist (Stichwort Transportinfrastruktur). Bei anderen Themen wie den Energiepreisen ist noch völlig unklar, wann Entlastungen kommen. Bis die Energiewende geschafft ist und Strom voraussichtlich günstiger sein wird, dauert es noch Jahrzehnte. Hier ist die Politik gefordert, der Industrie kurzfristig wettbewerbsfähige Energiepreise zu bieten.

Förderung ist auch bei der Rohstoffgewinnung in Europa nötig, damit die Abhängigkeit von Märkten wie China gemindert wird. Die Politik ist jetzt aufgerufen, eine ganzheitliche Industriestrategie zu formulieren und umzusetzen, die alle Wettbewerbshindernisse adressiert. Von den Unternehmen darf aber auch etwas Zuversicht kommen – statt reiner Schwarzmalerei sollten auch positive Entwicklungen und der Glaube kommuniziert werden, dass alle Akteure in Europa das gemeinsam schaffen können. „Empower to unite“ ist das dazu passende Motto der BVL Supply Chain CX, die als Fixpunkt der Logistik-Community im Oktober in Berlin genau diese Nöte der chemischen Industrie aufnehmen wird.

 

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