25.03.2026 • News

Tarifkompromiss: Chemie-Sozialpartner stärken Wettbewerbsfähigkeit

Nach zweitägigen Verhandlungen haben sich die Chemiegewerkschaft IGBCE und der Arbeitgeberverband BAVC in Bad Breisig auf einen bundesweit gültigen Tarifkompromiss verständigt.

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Die Chemie-Sozialpartner, die Gewerkschaft IGBCE und der Bundesarbeitgeberverband BAVC, haben sich auf einen Tarifabschluss für die 585.000 Beschäftigten in den 1.700 Betrieben der Chemie- und Pharmabranche verständigt: Von März bis Dezember 2026 werden die Tarifentgelte unverändert fortgeschrieben. Ab Januar 2027 haben IGBCE und BAVC eine Entgeltsteigerung um 2,1 % vereinbart, ab Januar 2028 um 2,4 %. Unternehmen, die nicht wesentlich von der Krise betroffen sind, können eine oder beide Stufen der Tariferhöhung um 3 Monate vorziehen.  In diesem Fall beraten zunächst die Betriebsparteien über die Nutzung dieser Option. Die abschließende Entscheidung trifft der Arbeitgeber.

Der nach zweitägigen Verhandlungen in Bad Breisig vereinbarte Tarifabschluss hat eine Laufzeit von 27 Monaten bis Ende Mai 2028 und umfasst weitere Maßnahmen der Sozialpartner zur Stabilisierung der krisengeschüttelten Chemieindustrie. So wird der Demografie-Tarifvertrag weiterentwickelt zu einem Transformations-Tarifvertrag.

Im Kern fließen in diesem Jahr 300 EUR pro Person in die Beschäftigungssicherung, 2027 folgen eine Entgelterhöhung von 2,1 % sowie weitere 300 EUR pro Kopf zur Beschäftigungssicherung, 2028 eine weitere Entgelterhöhung um 2,4 %.

Die Tarifkommission der IGBCE hat dem Verhandlungsergebnis zugestimmt. Zuvor hatte es in neun regionalen und zwei bundesweit zentralen Verhandlungsrunden kein Ergebnis gegeben. Der letztgültige Tarifvertrag war Ende Februar ausgelaufen, der neue hat eine Laufzeit von 27 Monaten bis Mai 2028.

„Für diesen Krisenabschluss sind wir bis an die Schmerzgrenze gegangen", sagte der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre habe sowohl der Branche als auch ihren Beschäftigten zugesetzt. Durch den Iran-Krieg habe sich die Lage für beide Seiten nochmals zugespitzt. „In solch einer vertrackten Ausgangslage eine Einigung zu finden, die allen Beteiligten gerecht wird, war eine große Herausforderung.“

Vassiliadis machte gleichzeitig deutlich: „Klar ist eins: Mit diesem Tarifergebnis gehen die Beschäftigten in Vorleistung – für die Sicherung ihrer Arbeitsplätze und für mehr Investitionen in Deutschland. Jetzt müssen auch andere liefern: die Bundesregierung mit der Chemieagenda 2045, die Arbeitgeber mit einer Investitionsoffensive in die nachhaltige Stärkung des Standorts. Wir werden die Entscheider daran messen."

BAVC-Präsidentin Katja Scharpwinkel kommentierte: „Der Tarifabschluss zeigt, dass wir in einer schwierigen Situation gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die Einigung spiegelt die Krise der Branche wider. Zugleich gibt sie Planungssicherheit und Orientierung. Mit dem Weg zur Einigung wie auch mit dem Ergebnis zeigen wir, dass Sozialpartnerschaft einen Unterschied macht. Beiden Seiten ist bewusst, wie groß die Herausforderungen sind. Und beide Seiten wollen anpacken, damit wir Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen. Das ist ein wichtiger Beitrag der Sozialpartner, mit dem wir Perspektiven für Standort und Beschäftigung verbessern.“

„Dieser Tarifabschluss bringt den Unternehmen die dringend benötigte Entlastung“, unterstrich BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk. „Dauerhaft mehr zahlen die Arbeitgeber erst ab 2027 – und das zu krisengerechten Konditionen. Die lange Laufzeit gibt den Unternehmen ein hohes Maß an Planungssicherheit. Zugleich betreten wir tarifpolitisches Neuland mit unserem Transformations-Tarifvertrag. Auf betrieblicher Ebene bündeln wir Ressourcen für den Umbruch – zielgenau, praxisnah und sozialpartnerschaftlich. Wir helfen da, wo es nötig ist, und investieren gemeinsam in die Zukunft unserer Branche.“

„Jobangst und Kaufkraftverlust prägen derzeit das Arbeitsleben vieler Beschäftigter in Chemie und Pharma – dem wollten wir in dieser Tarifrunde gerecht werden“, ergänzte IGBCE-Verhandlungsführer und -Tarifvorstand Oliver Heinrich. „Am Ende haben wir in beiden Forderungspunkten Bewegung erreicht. Das wäre ohne die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen, die für unsere Forderungen vors Tor gegangen sind, nicht möglich gewesen.“

Heinrich wies daraufhin, dass Betriebe, denen es wirtschaftlich gut geht, die Tariferhöhungen um jeweils drei Monate vorziehen können. „In der Branche gibt es genug Betriebe, die glänzend verdienen. Wir werden in den kommenden Monaten dafür sorgen, dass sie ihrer Verantwortung der Belegschaft gegenüber gerecht werden."

Mit dem vereinbarten Beschäftigungssicherungsbeitrag gehe man neue Wege auf dem Feld der Jobsicherung. Über die Laufzeit stellt die Branche insgesamt mehr als 350 Mio. EUR für Investitionen in den Erhalt und die Weiterentwicklung von gefährdeten Arbeitsplätzen zur Verfügung. „Kein tarifgebundener Betrieb kann sich künftig mehr herausreden, es gebe keine Alternative zum Stellenabbau", so der IGBCE-Tarifvorstand. 

Zur Unterstützung von Unternehmen und Beschäftigten im Strukturwandel entwickeln IGBCE und BAVC den bestehenden Demografie-Tarifvertrag weiter. Zentrale Neuerung: Die Mittel des betrieblichen Demografie-Fonds können ab sofort auch für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung eingesetzt werden. In Frage kommen etwa Investitionen in Weiterbildung, in Ausbildungskapazitäten oder in persönliches Coaching. Die Verwendung der Mittel erfolgt zielgenau ausgerichtet am Bedarf im Betrieb.

 

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