25.05.2011 • NewsTakedaNycomedArzneimittel & Medikamente

Takeda übernimmmt Nycomed für fast 10 Mrd. €

In der Pharmabranche dreht sich das Übernahmekarussell weiter. Der größte japanische Pharmakonzern Takeda kauft den Schweizer Arzneimittelhersteller Nycomed für 9,6 Mrd. € und rückt durch die Übernahme auf Platz 12 unter den weltweit größten Pharmakonzernen vor. Die japanische Nummer eins will mit dem größten Zukauf der Firmengeschichte unabhängiger vom schwierigen Heimatmarkt und den USA werden, wo billigere Nachahmermedikamente den Umsatz bedrohen. "Durch die Übernahme von Nycomed erhält Takeda Zugang zu den schnell wachsenden Schwellenländern", sagte Takeda-Chef Yasuchika Hasegawa. Die Umsätze in Europa sollen sich mit dem Kauf verdoppeln.

Die Akquisition wurde in der Branche bereits erwartet. Die Verwaltungsräte beider Unternehmen haben der Fusion, die Ende September abgeschlossen werden soll, zugestimmt. Die Kartellbehörden müssen ihr Einverständnis noch geben.

Takeda ist seit einiger Zeit dabei, das Geschäft außerhalb Japans zu erweitern. Weil sich das Wachstum der Märkte in den reichen Industriestaaten abschwächt, suchen viele größere Pharmaunternehmen Chancen in aufstrebenden Schwellenländern oder in der Übernahme von Biotech-Unternehmen. 2008 hatte Takeda bereits Millennium Pharmaceuticals für 8,8 Mrd. Dollar geschluckt. Auch die japanischen Konkurrenten waren in den vergangenen Jahren bei Firmenkäufen aktiv: So erwarb Daiichi Sankyo den indischen Generikahersteller Ranbaxy, während Astellas OSI Pharma übernahm. Der Branchendienst IMS Health erwartet in den kommenden Jahren für die am schnellsten wachsenden Schwellenländer ein jährliches Umsatzplus von 13 bis 16 %. Für etablierte Märkte wie Europa und die USA wird dagegen mit einem Wachstum von um die 4 % gerechnet.

Nycomed hatte 2006 die Pharmasparte des deutschen Chemiekonzerns Altana für 4,5 Mrd. € übernommen. Die Gesellschaft befindet sich mehrheitlich im Besitz von vier Beteiligungsgesellschaften. Größter Anteilseigner ist Nordic Capital mit 41,2 % gefolgt von Credit Suisse mit 25,6 % sowie Coller (9,7 %) und Avista (8,9 %). Nycomed-Chef Hakan Björklund gab in einer Telefonkonferenz keine Arbeitsplatzzusicherung. Der Ausstieg der Finanzinvestoren bei Nycomed wurde seit längerem erwartet. Auch über einen Börsengang wurde spekuliert. Die Schweizer setzten 2010 knapp 3,2 Mrd. € um und erzielten einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 44 Mio. € (Vorjahresplus: 288).

Umsatzstärkstes Produkt von Nycomed ist das von Altana übernommene Magenmittel Pantoprazol, dessen Patentschutz jedoch in vielen Märkten 2009 und 2010 ausgelaufen ist. Das zweite Altana-Medikament Roflumilast (Daxas) gegen Raucherlunge wurde 2010 in Europa und im März in den USA zugelassen. Einige Analysten trauen dem Mittel einen Umsatz in Mrd.höhe zu. Größter Standort von Nycomed ist Deutschland, wo ungefähr 2800 Menschen arbeiten. Er umfasst Konstanz, wo Forschung und Entwicklung angesiedelt sind, Singen, Hamburg und Oranienburg. Dort wird auch Daxas hergestellt. Mit Verzögerungen bei Daxas und dem damals noch anstehenden Patentablauf für Pantoprazol wurde 2006 der Verkauf des Altana-Pharmageschäfts an Nycomed begründet. Die fünf umsatzstärksten Märkte für Nycomed sind Russland mit einem Anteil von rund 30 %, Brasilien, Deutschland, Italien und Spanien. Nycomed erzielte im ersten Quartal 2011 erneut ein überdurchschnittliches Ergebnis in den Schwellenmärkten.

Der Nettoumsatz von Nycomed erhöhte sich im ersten Quartal 2011 gegenüber dem Vorjahr um 19,9 % auf 923,7 Mio. €. Zur Übernahme durch Takeda sagte Björklund: "Wir sind überzeugt, dass diese Akquisition die Innovationskraft von Takeda mit der effizienten Vermarktungs- und Produktionsinfrastruktur von Nycomed optimal kombiniert. Die Entstehung eines Global Players wird die Bedürfnisse sowohl von Patienten als auch von Gesundheitsdienstleistern auf der ganzen Welt erfüllen."

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