28.01.2013 • News

Soziale Aufstiegschancen in deutschen Unternehmen

(CHEManager 1-2/2013)                Nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit werden aufgrund des demografischen Wandels bis zum Jahr 2025 rund 6,5 Mio. weniger erwerbsfähige Personen zur Verfügung stehen als heute. Um diese Lücke zu schließen, braucht die Wirtschaft nicht nur eine höhere Zuwanderung aus dem Ausland, sondern auch eine bessere Ausschöpfung des bestehenden Fachkräftepotentials in Deutschland. Das heißt, wir müssen mehr Menschen in Deutschland besser ausbilden und sie in qualifiziertere Beschäftigungsverhältnisse bringen. Eine der größten Hürden dabei ist, dass in Deutschland der Erfolg eines Menschen in Schule, Ausbildung und Beruf besonders stark von seinem Elternhaus bzw. seiner sozialen Herkunft abhängt. Die Menschen starten ihren Lebensweg also mit sehr ungleich verteilten Chancen, und das Bildungssystem allein schafft es offensichtlich nicht, diese auszugleichen.

Die öffentliche Debatte um dieses Problem konzentriert sich bisher jedoch vor allem auf die Politik. Dabei könnte und sollte auch die Wirtschaft einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Bildungs- und Aufstiegschancen der Menschen in Deutschland aktiv zu fördern, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen und zugleich die wirtschaftlichen Zukunftsaussichten der Unternehmen zu verbessern.
Die Stiftung Neue Verantwortung und die Vodafone Stiftung Deutschland haben deshalb in Kooperation mit dem „Handelsblatt" zu diesem Thema im Zeitraum von Juli bis Oktober 2012 eine Onlineumfrage durchgeführt, an der rund 600 Personen aus Unternehmen aller Branchen, Größen und Regionen in Deutschland teilgenommen haben.

Die Studie gibt einen ersten Überblick über aktuelle Einstellungen und Aktivitäten zur Förderung der Bildungs- und Aufstiegschancen durch Unternehmen. Dabei wurden drei relevante Phasen im Lebensverlauf untersucht: vor dem Berufseinstieg; am Übergang in den Beruf und während der Berufstätigkeit.

Vor dem Berufseinstieg

Häufig wird die mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger beklagt. Deshalb wird den Unternehmen nun teilweise geraten, direkt an die Haupt- und Realschulen zu gehen, um die Schüler bereits während der Schule auf den Beruf vorzubereiten, z. B. durch Berufsorientierung, Praktikumsangebote oder Mentoren-Programme. Zwei Drittel aller Befragten schätzen das Engagement ihres Unternehmens an Haupt- bzw. Realschulen als „geringfügig" oder „gar nicht" vorhanden ein (Grafik 1).

Gerade einmal 16 % sind wenigstens teilweise aktiv. Lediglich 18 % erkennen hier „starkes" oder „sehr starkes" Engagement. Insgesamt scheinen sich die Unternehmen, in denen die Umfrage-Teilnehmer arbeiten, also nur selten an Haupt- bzw. Realschulen zu engagieren, um die Schüler bereits während der Schulzeit auf den Beruf vorzubereiten.

Übergang in den Beruf

Bei der Fokussierung auf Bildungszertifikate zeigte sich in der Umfrage eine klare Diskrepanz zwischen Soll- und Ist-Zustand. Die Mehrheit der Befragten findet, dass Abschlüsse und Zeugnisse bei der Einstellung von neuen Mitarbeitern oder Auszubildenden in ihren Unternehmen zwar eine Rolle spielen sollten, aber nicht so stark, wie dies zurzeit der Fall ist (Grafik 2). Die größte Abweichung zwischen Ist- und Soll-Wert findet man in diesem Zusammenhang im Bereich der Industrie: Von allen Branchen bewertet hier der kleinste Anteil der Befragten den Ist-Zustand genau wie den im Soll-Wert ausgedrückten Wunsch (33 %). Außerdem stellt die Industrie den größten Anteil derer, die finden, dass Zeugnisse und Abschlüsse eine geringere Bedeutung bei der Einstellung von neuen Mitarbeitern oder Azubis haben sollten, als dies momentan der Fall ist.

Weiterbildung im Beruf

Ähnlich wie beim Schulengagement der Unternehmen laufen auch hier die Soll- und Ist-Werte deutlich auseinander: Die meisten der Befragten finden, dass ihr Unternehmen die Weiterbildung von Mitarbeitern, die nicht studiert haben, stärker fördern sollte, als es dies im Moment tut. So wünschen sich beispielsweise 79 % der Befragten eine „starke" oder „sehr starke" Förderung der Weiterbildung von Nichtakademikern in ihrem Unternehmen, aber lediglich 29 % sagen, dass dies in ihrem Unternehmen bisher der Fall ist (Grafik 3).

Vergleicht man die Ergebnisse der Umfrage für alle drei Phasen, zeigt sich, dass insgesamt ein großer Teil der Befragten die Förderung der sozialen Aufstiegschancen in ihrem Unternehmen schlechter bewertet, als sie ihrer Meinung nach sein sollte (Grafik 4). Eine deutliche Unzufriedenheit zeigt sich sowohl bei der Frage nach dem Engagement der Unternehmen für Haupt- und Realschulen als auch bei der Frage nach der Förderung der Weiterbildung von Mitarbeitern, die nicht studiert haben.

(Ausgabe: CHEManager 1-2/2013)
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Lisa Rausch (lisa.rausch@wiley.com).









 

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