27.05.2026 • News

Neues aus dem VAA – Europäische Sozialpartner unterzeichnen Rahmenwerk für eine faire Transformation

VAA

Die europäische Chemie- und Pharmaindustrie durchläuft einen tiefgreifenden Wandel. Nachhaltigkeitsziele, technologischer Fortschritt und geopolitische Unsicherheiten verändern Produktionsprozesse, Qualifikationsanforderungen und Beschäftigungsstrukturen grundlegend. Das hat Implikationen für Unternehmen und Mitarbeitende gleichermaßen. Vor diesem Hintergrund haben die Führungskräfte der europäischen Chemie- und Pharmaindustrie (FECCIA, European Federation of Managerial Staff in the Chemical and Allied Industries) und die European Chemical Employers Group (ECEG) ein wegweisendes Dokument verabschiedet: das Joint Strategic Framework for Sustainable Just Transition.
Diese gemeinsame Erklärung ist das zentrale Ergebnis des EU-finanzierten Projekts JusTransLead, das 2024 startete und im April 2026 in Brüssel abgeschlossen wurde. Es ist das erste gemeinsame Papier, das auf europäischer Ebene von Sozialpartnern der chemischen und pharmazeutischen Industrie erarbeitet wurde.

Fünf Prinzipien für fair geführten Wandel

Kern des Werks sind fünf übergeordnete Grundsätze:

Roland Fornika, Präsident FECCIA, und Mathias Schöttke, Präsident ECEG, unterzeichneten das Rahmenwerk zum Joint Strategic Framework for Sustainable Just Transition Leadership.
Roland Fornika, Präsident FECCIA, und Mathias Schöttke, Präsident ECEG, unterzeichneten das Rahmenwerk zum Joint Strategic Framework for Sustainable Just Transition Leadership.
© VAA
  • Engagement für den sozialen Dialog
  • Gerechter und integrativer Wandel in der Belegschaft
  • Verantwortungsbewusste und transparente Führungsentscheidungen
  • Nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit und Innovation
  • Eine Führungskultur, die auf Vertrauen und Respekt basiert

Dabei betonen die Unterzeichner, dass der Wandel nicht an den Menschen vorbeigestaltet werden darf. Im zweiten Kernprinzip heißt es ausdrücklich: „Bei einem nachhaltigen Wandel stehen die Menschen im Mittelpunkt.“ Und im dritten Grundsatz wird formuliert: „Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Wandel sollten auf der Grundlage fundierter Informationen und unter ausgewogener Berücksichtigung der wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und organisatorischen Auswirkungen getroffen werden.“

FECCIA-Präsident Roland Fornika, der zugleich Vorstandsmitglied des VAA ist, hob bei der Unterzeichnung in Brüssel die strategische Bedeutung des Dialogs hervor: „Je unberechenbarer die Welt wird, desto relevanter wird der soziale Dialog. Diese gemeinsame Erklärung zeigt, dass sektorale Sozialpartner am besten in der Lage sind, wirksame, ausgewogene Lösungen für die Industrie zu entwickeln.“ Es gelte, „den Wandel mit den Menschen zu gestalten, nicht ohne sie“. Das sei im Kern eine zutiefst europäische Idee.
Flankiert wird das Framework durch eine „Just Transition Toolbox“ – ein praxisorientiertes Instrumentarium, das auf Unternehmen aller Größen zugeschnitten werden kann, ausdrücklich auch auf kleine und mittlere Betriebe. Die Toolbox soll keine zusätzliche Bürokratie erzeugen, sondern konkrete Orientierung und Beispiele bieten für Führungskräfte, die ihre Teams durch die grüne und digitale Transformation begleiten müssen.
Der Werkzeugkasten sei ein „kooperativer, flexibler und branchenorientierter Ansatz für die europäische chemische Industrie, der die Wettbewerbsfähigkeit fördert, Bürokratie abbaut und sicherstellt, dass der ökologische Wandel sowohl wirtschaftlich tragfähig als auch sozial gerecht ist.“ So steht es in der Präambel.

Meilenstein für die europäische Sozialpartnerschaft

Das Projekt wurde getragen von Managerverbänden und Arbeitgeberorganisationen aus ganz Europa. Einen besonderen Beitrag leistete der dänische Partnerverband Lederne, der maßgeblich zur Projektorganisation beitrug. Die Europäische Kommission förderte das Vorhaben finanziell als Leuchtturmprojekt europäischer Sozialpartnerschaft.
Stephan Gilow, Hauptgeschäftsführer des VAA sagt: „Für den VAA hat das Ergebnis unmittelbare Bedeutung. Als Mitglied von FECCIA ist unser Verband in das Netzwerk eingebunden, das dieses Framework trägt und zukünftig mit Leben füllen wird.“ Der Wandel in der Chemie- und Pharmaindustrie sei keine abstrakte Zukunftsvision, sondern tägliche Realität. Gilow weiter: „Das gemeinsam erarbeitete Framework liefert den Rahmen, in dem die Transformation fair, verantwortungsvoll und zukunftsfest gestaltet werden kann.“

Das Joint Strategic Framework und die begleitende Toolbox sind öffentlich zugänglich unter:  

Dieser Beitrag ist in CHEManager 4/2026 erschienen.

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