Investorensuche erfolglos: Aus für Caproleuna
In Leuna beginnen die Planungen für einen geordneten Abfahrbetrieb der Anlagen der ehemaligen DOMO Caproleuna. Das Unternehmen stellt in Leuna organische Basisprodukte wie Caprolactam, Phenol, Aceton und Polyamid 6 als Hauptprodukt her.
Am 1. Weihnachtsfeiertag 2025 meldete das Unternehmen DOMO Caproleuna Insolvenz an. Um die Anlagensicherheit zu gewährleisten und die Gefahren durch eine unkontrollierte Betriebseinstellung abzuwehren, ordnete das Land in Sachsen-Anhalt eine Ersatzvornahme an, da aufgrund der niedrigen Wintertemperaturen die Anlagen nicht gefahrlos heruntergefahren werden konnten. Die Anlagen wurden bis Ende März 2026 mit einer Kapazität von 30 % weiterbetrieben. Das kostete das Land nach eigenen Angaben 79,5 Mio. EUR.
Das ehemalige Tochterunternehmen der DOMO-Gruppe stellt in Leuna organische Basisprodukte wie Caprolactam, Phenol, Aceton und Polyamid 6 als Hauptprodukt her. Polyamid 6 wird etwa in der Automobilindustrie, der Elektro- und Elektronikbranche sowie bei hochwertigen Konsumgütern für leichte und langlebige Bauteile eingesetzt. Bei der Produktion des Kunststoffs wird u. a. Salpetersäure verwendet – eine stark ätzende Chemikalie.
Nach der Übernahme der Aktivitäten durch die von InfraLeuna und Leuna-Harze gemeinsam gegründete Leuna - Polyamid und dem Start der neuen Gesellschaft Anfang April waren jedoch erhebliche Preissteigerungen und Engpässe bei wichtigen Rohstoffen eine in dieser Höhe unerwartete Belastung für das Unternehmen. Die Vorauskassezahlungen bei den Lieferanten in Kombination mit den vorgenannten Preisentwicklungen führten zu einem Liquiditätsengpass, der im Juni in einen Insolvenzantrag mündete.
Im Rahmen der Eigenverwaltung wurde das Beratungsunternehmen Deloitte mit der Durchführung eines Investorenprozesses beauftragt. Ziel war es, einen Partner für das Unternehmen zu finden, der mit entsprechender finanzieller Basis die notwendige Rohstoffbeschaffung, höhere Anlagenauslastung und damit eine nachhaltige Profitabilität ermöglicht. Innerhalb der gesetzten Frist Ende August gingen jedoch keine konkreten Angebote ein.
Seitens der letzten beiden im Prozess befindlichen Interessenten wurden schließlich Absagen übermittelt. Als Gründe wurden einerseits die hohen Risiken am Beschaffungsmarkt genannt. So kam es bspw. bei den für die Energie-, Wasserstoff und Ammoniakkosten maßgeblichen Erdgasmarktpreisen seit dem Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung nochmals zu Steigerungen um ca. 80 %.
Auf den Absatzmärkten führten die schwache Nachfrage und die Sorge vor zunehmenden chinesischen Importen zu fortdauernder Unsicherheit. In einer konzertierten Aktion mit einigen Unterstützern versuchte die Leuna - Polyamid, durch eine Optimierung der Rahmenbedingungen einen Abschluss noch erreichbar zu machen. Die letzte hierfür mögliche Frist war der gestrige Sonntag. Trotz aller Bemühungen konnte keiner der Interessenten zur Rückkehr in den Prozess bewogen werden. Ein Abfahren der Anlagen wurde somit unabwendbar.
Die für September geplante Produktion soll noch umgesetzt werden, so dass alle Vertragskunden die bestellte Ware erhalten. Mit der erwarteten Eröffnung des Insolvenzverfahrens für Leuna - Polyamid Anfang Oktober beginnt der Abfahrbetrieb, der innerhalb von etwa 15 bis 20 Tagen endet. Anschließend werden umfangreiche Maßnahmen zum Entleeren und Reinigen der Anlagen notwendig. Hierfür werden die Mitarbeitenden mit ihrer fachlichen Expertise und dem Engagement weiterhin gebraucht. Der weitere Verlauf dieses Prozesses hängt hauptsächlich von behördlichen Anforderungen ab. Parallel zur Erfüllung dieser Aufgaben werden wir gemeinsam mit der Arbeitsagentur und vielen Unternehmen am Standort nach Perspektiven für die Beschäftigten suchen. Das hohe Engagement und die fachliche Qualität werden dabei sicher unterstützend wirken.











